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Postalmklamm-Klettersteig: Dschungel-Feeling im Salzkammergut

Vorsichtig setze ich den ersten Fuß auf die Holzsprosse. Unter meinem Gewicht schwenkt die 35 Meter lange Seilbrücke augenblicklich ein wenig nach links. Mit dem nächsten Schritt versuche ich, die Schieflage wieder auszugleichen. Meine Hände halten sich verkrampft an dem Stahlseil über meinem Kopf fest. Ich versuche, meinen Körper und die Brücke in Balance zu halten. Die Brücke reagiert sensibel auf jede meiner Bewegungen. Mein Instinkt schreit nach Flucht. Doch die Abenteuerlust und mein Ehrgeiz lassen mich weiter voranschreiten.

Auf der Seufzerbrücke

Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Mein Beine zittern. Vor meinem inneren Auge laufen Bilder vom freien Fall ab. In der Mitte der Brücke steigt Panik in mir hoch. Sie schneidet mir die Luft zum Atmen ab, lähmt mein rationales Denken. Starr richte ich den Blick auf die andere Seite der Schlucht. Für eine Umkehr ist es jetzt zu spät. Ich versuche, wieder Herr meiner Gedanken zu werden und atme tief durch. Die Höhenangst schlucke ich förmlich hinunter. Und dann habe ich plötzlich wieder festen Boden unter den Füßen. Auf der anderen Seite angekommen, schlottern mir die Knie. Ich stoße einen tiefen Seufzer aus. Der Name „Seufzerbrücke“ kommt nicht von ungefähr. 

Seufzerbruecke
Die Angst sitzt mir tief im Nacken, als ich den Drahtseilakt über die Seufzerbrücke wage.
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Berg
Postalm
1300 Meter
Salzburg, Strobl
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Klettersteig
Postalmklamm-Klettersteig (C bis F)
Zustieg: 15 min.
Abstieg: 1 h
Dauer: 3 h
ca. 350 Höhenmeter im Steig
ca. 530 Höhenmeter gesamt
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Hütte
Stroblerhütte
Almgasthaus zur Blonden Hütte
Lienbachhof

Anfahrt: Von der A1 kommend, nimmst du die Ausfahrt Thalgau und fährst beim ersten Kreisverkehr, zweite Ausfahrt, in Richtung Wolfgangseestraße/Hof bei Salzburg. In Strobl biegst du nach Weißenbach ab, wo die Straße in Richtung Postalm abzweigt. Die Postalmstraße ist mautpflichtig. Infos zu den Mautgebühren.
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Nerven aus Stahl

Unter meinen Bergschuhen bahnt sich der tosende Rußbach seinen Weg zwischen den Felsen und über Treibgut hinweg. Ich tänzle auf den Tritthilfen die nasse Klammwand entlang. Wassertropfen kullern von den überhängenden Gesteinsschichten auf meine Wangen und beträufeln mein Gesicht. Abermals gilt es ein Hindernis zu überqueren. Einzig zwei Stahlseile verbinden die beiden Felswände miteinander. Dicke Seile baumeln von oben herab. Mit winzig kleinen Schritten mache ich Meter gut, halte mich mit einer Hand am Stahlseil fest und schiebe mit der anderen die Hindernisse zur Seite. Vom ersten Erfolg des Tages bestärkt, halten meine Nerven diesmal still. Kurze Zeit später erreichen wir den Gattsprung.

Mit einem gewagten Sprung muss hier die Klammseite gewechselt werden. Mir wird angst und bange zumute. „Was, wenn ich nicht weit genug springe oder auf dem Eisentritt ausrutsche?“, wirbeln die Schreckensszenarien nur so durch meinen Kopf. „Stopp!“, rufe ich mich selbst zur Vernunft. Je länger ich grüble, umso mehr Raum gebe ich meiner Angst, das ist mir bewusst. Ich gehe leicht in die Knie und umfasse mit festem Griff das Stahlseil. Die Aufregung steckt mir in den Gliedern. Ich visiere mein Ziel an, atme tief durch und mache einen großen Sprung. Geschafft. Atemlos stehe ich auf der anderen Seite der Klamm. Ein paar Sekunden vergehen, bis ich wieder die Fassung erlange. Der weitere Weg lässt mir Zeit, wieder zur Ruhe zu kommen und die Schönheit der Natur in der Klamm zu genießen.

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In den Stein geschlagene Tritthilfen machen es möglich, entlang der abstürzenden Klammwand das Naturwunder zu erkunden.

Ein Bad im Wald

Von der gegenüberliegenden Wand stürzt sich ein Wasserfall brausend die Schlucht hinab. Das Wasser wirbelt über die Felskante, fällt in die Tiefe und sammelt sich schäumend im Flussbett. Wir überwinden die Karstquellwand und sind von dichtem Wald umgeben. Ich fühle mich wie im Dschungel. Es raschelt in den Bäumen, der Wind saust durch die Blätter. In der Ferne hört man das Wasser dumpf plätschern. Ein Abenteuergarten, in dem hinter jeder Ecke eine neue Herausforderung lauert. Wir machen einen Abstecher zum Wiesler-Wasserfall, der über mehrere Stufen die Felswand hinabfällt. Das hinabsprudelnde Wasser hat hier das Gestein soweit ausgehöhlt, dass natürliche „Badewannen“ entstanden sind. Zu gerne würde ich mir die verschwitzten Kleider vom Leib reißen und in das kühle Nass springen. Doch leider ist es heute zu kalt für ein Badevergnügen dieser Art. Deshalb marschieren wir schnurstracks weiter zur herausfordernden Gamsleckenwand. 

Zug um Zug

Diese zeigt gleich auf den ersten Metern, was sie in sich hat. Zwar wagen wir uns nur an die „D“-Variante, aber dennoch brauche ich all meine Kraft, um die schwierigen und steilen Passagen zu meistern. Meine Armmuskeln vibrieren, mein Körper steht unter Hochspannung. Mein Herz rutscht mir in die Hose, als ich meinen Kopf nach unten senke. Ich dränge mich dicht an die Felswand, um ein Gefühl von Sicherheit zu haben und nutze meinen guten Standplatz für eine kurze Rast. In einem inneren Monolog spreche ich mir Mut zu. Ich weiß, dass ich ausreichend Erfahrung und Muskelkraft habe, um auch noch das letzte Stück zu schaffen.

Der Griff am Stahlseil lockert sich, ich fixiere meine Fußspitzen im Fels. Alle Sinne sind auf den Mikrokosmos der nächsten Meter gerichtet. Mit kräftigen Tritten und Zügen überwinde ich die Vertikale und stehe mitten im Wald. Ich könnte vor Stolz platzen. Es geht nun nochmals ein Stück durch den Wald, bevor wir vor die letzte Etappe erreichen. Nach den zahlreichen Prüfungen des Tages stellt die kurze Dschungelbrücke kein großes Hindernis mehr dar. Meine Kleider sind nassgeschwitzt, mein Gesicht knallrot. Wir haben den Weg vom Dschungel zurück in die Zivilisation gefunden und gönnen uns nun eine wohlverdiente Rast auf der Stroblerhütte.

Klettersteig-Postalm-Salzkammergut
Der Klettersteig erfordert einige Mutproben. Eine wackelige Hängebrücke von Steilwand zu Steilwand, kräftezehrende Abschnitte im überhängenden Fels oder waghalsige Sprünge über die Rußbachschlucht verleihen dem Steig das Prädikat „actionreich“.
Stroblerhuette
Leckere, hausgemachte Schmankerl werden auf der Stroblerhütte gereicht.

Fazit zur Tour: Der Postalmklamm-Klettersteig ist ein wahrer Abenteuerspielplatz. Gespickt mit zahlreichen Hindernisse musst du jedenfalls Mumm und Nervenstärke beweisen. Die abwechslungsreiche Gestaltung mit verschiedenen Weggabelungen ermöglicht eine Begehung in mehreren Schwierigkeitsgraden, wobei die D-Variante in der Gamsleckenwand stramme Armmuskeln erfordert. Nur sehr erfahrene und außergewöhnlich starke Klettersteiggeher sollten sich an die F-Variante wagen. Begehungsversuche der stark überhängenden Wand werden nur in der Seilschaft mit einer Seilsicherung von oben empfohlen. Ansonsten droht im Falle eines Sturzes Lebensgefahr. Wer Schwierigkeit E nicht problemlos klettert, sollte unbedingt die Finger von dieser Etappe lassen.

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