Klein, aber oho: zu Gast im kleinsten Staat Südostasiens, ein Besuch in Singapur

Die Vorfreude war groß, als ich am 16.März ins Flugzeug Richtung Singapur stieg. Kalt und nass hatte sich Wien von mir verabschiedet. 35 Grad hatte mir mein iPhone für Singapur vorausgesagt. Nachdem genug Neid bei Familie, Freunden und Kollegen geschürt wurde, ging es endlich los. Es kann gar nicht heiß genug sein, dachte ich. Weg von dem Schmuddelwetter in Wien, Adios Nieselregen und Daunenjacke.

Die Anreise aus Wien dauerte insgesamt 24 Stunden, weil ich und meine beste Freundin Patricia zwei Mal umsteigen mussten. Irgendwann ging ich nur mehr leicht apathisch durch die tausendste Passkontrolle. Ich hatte das Gefühl, schon fast am Flughafen gefangen zu sein, wie im Film mit Tom Hanks. Ohne Gefühl für Zeit und Raum. Lost in Translation eben.

Wie gesagt, ich bin nicht alleine gereist. Seit langem sind ich und meine beste Freundin mal wieder zusammen in den Urlaub gefahren. 12 Jahre Freundschaft, da kann man wochenlanges Aufeinanderkleben mit gutem Gewissen riskieren. Eine solche Reise sollte man übrigens am besten immer mit einem Menschen unternehmen, den man gut kennt. Oder man stört sich sowieso nicht daran, dass die Person dich in jeder Facette kennenlernen wird. Himmelhoch jauchzend, ungeschminkt verschwitzt, angepisst, am Ende deiner Kräfte, stöhnend unter dem Rucksack, gemeinsame Lachattacken mitten um 4 Uhr morgens. Man teilt alles, bis auf das eine halt, aber sonst wirklich alles. Der erste Stopp unserer großen Reise hieß wie gesagt: Singapur.

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Singapore Flyer
Gardens by the Bay
Merlion
Waterfront Promenade
Marina Bay Sands
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Suriya Restaurant
Food Courts
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Orchard Road
Chinatown
Little India
Kampong Glam

Das „Schweigen“ der Männer

Gleich bei der Ankunft in Singapur fällt auf: es ist heiß, verdammt heiß. Nicht dieses nette heiß, das man vom Mallorca-Urlaub kennt und in dem man sich gerne aufhält. Nein, eine grausige und schwüle Hitze. Die Kleidung klebt an einem und Luft scheint auf einmal ärgste Mangelware zu sein. Ich habe an Stellen geschwitzt, an denen ich noch nie geschwitzt habe. Wir haben die ersten beiden Nächte im Five Stones Hostel verbracht. Eigentlich kann ich nichts bemängeln, alles sauber und dem Preis entsprechend. Wir haben uns gedacht, wenn schon sparen, dann aber richtig. Also ab ins gemischte 10er Zimmer, billiger ging es nicht. Gemischt war das ganze nicht so sehr, hauptsächlich waren Männer unsere Zimmergenossen. Schweigende Männer, irgendwie wollten die nicht so recht mit uns reden. Das Schweigen der Lämmer war das. Aber ok dann halt nicht, getreu dem Motto „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Über das Zimmer konnte man echt nicht meckern. Das einzige Manko waren Bad und Klo, denn die befanden sich nicht am selben Stockwerk wie das Zimmer. An sich kann man das auch noch verkraften. Wenn da nicht ein kleiner Haken wäre. Während das Zimmer wohlig gekühlt war hatte es am Gang gefühlte 50 Grad, alle Gänge und das Bad ohne Fenster und Klima. In meinem Leben habe ich noch nicht so geschwitzt. Eigentlich war man schon wieder klitschnass, wenn man das Bad verlassen hat. Wusste gar nicht, dass ich Sauna und Dampfbad mitgebucht hatte. Gratis Spa sozusagen. Wenn dann noch eine der Damen den Föhn aufgedreht hat, war der Aufguss perfekt. Wallungen ohne Ende, so ungefähr muss man sich in den Wechseljahren fühlen. Außerdem sind 2 Waschbecken und 3 Duschen etwas wenig für ein ganzes Hostel. Unsere lieben Zimmergenossen haben zwar tagsüber nicht mit uns gesprochen, wollten sich dafür aber in der Nacht lautstark artikulieren. Mehr als 4 Stunden habe ich nie geschlafen, wenn einer aufgehört hat zu schnarchen, hat der andere begonnen. Ich gestehe, ich hatte den Gedanken einfach meinen Polster zu schnappen und dem Ganzen ein Ende zu setzen. Hinzu kamen Gerüche von schmutziger Wäsche und Ausdünstungen der etwas anderen Art. Zum Glück hatte ich noch das obere Bett vom Hochbett ergattert – in diesem Fall war die Luft oben nicht dünner sondern besser. Ja, der Mann ist manchmal schon ein sehr spezielles Wesen muss ich gestehen.

Eine Reise von Indien nach China

Nun zu unserem ersten Tag in Singapur. Gewohnt haben wir im muslimischen Viertel Kampong Glan. Eine echt nette Gegend mit coolen Lokalen und einer schönen Moschee. Rund um die Moschee finden sich typisch arabische Geschäfte mit Teppichen, Lampen und Stoffen. Die Gebäude sind alle vom Kolonialstil beeinflusst – ein schöner Kontrast zum modernen Singapur. Von dort aus ging es weiter nach Little India. Ich war leider noch nie in Indien, aber Little India war ziemlich authentisch und hat mir super gut gefallen. Man schlendert durch die bunten Häuser, vorbei an tollen Gemüseständen, netten Shops und es gibt auch einen hübschen kleinen hinduistischen Tempel namens Sri Veeramakaliamman. Gegenüber dieses Tempels befindet sich ein tolles vegetarisches und ganz typisch indisches Lokal namens „Suriya Restaurant“. Weil ich und meine Freundin unbedingt typisch indisch essen wollten, hieß es: Rein zu den Locals! Da standen wir dann. Zwei Mitzwanziger Europäerinnen zwischen lauter Indern. Hier geht man mit seinem Essen auf Tuchfühlung. Besteck wird eingespart, der liebe Gott hat dem Menschen schließlich eine Hand gegeben. Kurze Überwindung und schon ging das Gematsche los. Scheinbar waren wir kein Naturtalent, der indische Kellner musste kurz einschreiten und uns einweisen, aber wir haben uns tapfer geschlagen und das Essen war richtig gut. Wir waren an diesem Tag die Attraktion in diesem Lokal. Wenn man dann noch den Preis von 4 S$ für ein Menü, das jedenfalls für 2 europäische Mädls-Bäuche reicht, berücksichtigt, war das Essen ein absoluter Jackpot. Nach diesem Eintauchen in das indische Leben ging die Reise weiter Richtung China. Also nach Chinatown. Leider gab es auch dort nette Shops und so wurde das Reisebudget weiter geschmälert. Wie in China üblich aber auch sehr viel Kitsch. Überall rote Lampions und Glücksbringer, jede Menge 1 Euro Artikel, typisch chinesische Kalligraphie und Schirme. Ein Spaziergang durch Chinatown ist aber durchaus lohnenswert. Am Abend sind wir dann noch nach einem megagünstigen Essen im Food Court (In Singapur sollte man besten immer im Food Court oder Hawker Center essen. Sieht manchmal für Europäer etwas gewöhnungsbedürftig aus, ist aber sehr lecker und extrem günstig. Hier essen die Einheimischen!!) zum Singapur Flyer gefahren. Der Singapur Flyer ist das zweitgrößte Riesenrad der Welt und ein wirkliches Highlight. Der Eintritt versetzt dem Backpacker-Herz zwar einen ziemlich tiefen Stich, stolze 33 Singapur Dollar müssen abgezwackt werden, aber es lohnt sich allemal. Jedenfalls der tollste Ausblick auf die Stadt.

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Street Art in Kampong Glam

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Straßenkunst in Little India

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Bunte Häuser im indischen Viertel von Singapur (auf dem zweiten Bild eine der letzten chinesischen Villen)

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Zum ersten Mal mit den Fingern gegessen – es hat so viel Spaß gemacht!

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Hindu-Tempel Sri Veeramakaliamman

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Ein Spaziergang durch Chinatown muss sein!

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Kokosnuss-Pause geht immer !

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Typisches Essen im Food-Court – nur keine Scheu!

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Beeindruckende Skyline der Marina Bay

Der Blick vom höchsten Pool der Welt

Am zweiten Tag sind wir zur Orchard Road gefahren. In der Hoffnung, dass man sich auf dieser Luxus-Einkaufsstraße eh nichts leisten kann, denn das Shoppingbudget haben wir schon in Chinatown und Little India ausgereizt. So war es dann auch. Bis auf einen wirklich coolen Schmuckladen namens Lovisa in der Metro Station Orchard Road gibt es eigentlich nur Luxusmarken oder Geschäfte, die man ohnehin von zuhause kennt. Was jedoch sehenswert ist, ist die Emerald Hill Road mit ihren wunderschönen Kolonialhäusern. An diesem Tag war es noch schwüler als am ersten, also sind wir recht bald ins Kolonialviertel gefahren. Singapur ist stets geprägt vom Kontrast zwischen britischer Kolonialherrschaft und moderner Skyline. Vom Colonial District sind wir dann zum Merlion, dem Wahrzeichen der Stadt gegangen. Der Name der Figur, die am Singapore River liegt, kommt von den beiden Worten „mermaid“ und „lion“. Hier sammeln sich die Touristenmassen und kämpfen um die heiß begehrten Fotoplätze. Gehen war übrigens unsere Hauptbeschäftigung. Bis zu 22 km jeden Tag. Und ich hab mir im Vorfeld Sorgen um mein Workout gemacht. Im Anschluss haben wir für 1 Nacht im Marina Bay Sands eingecheckt. Das Hotel ist eines der teuersten der Stadt und bekannt für seinen Infinity Pool. Der Pool ist wirklich atemberaubend, das Zugpferd des Hotels. Man muss für sich selbst entscheiden, ob man dafür über 400 Euro für ein Doppelzimmer ausgeben will, in dem nicht mal ein Frühstück inkludiert ist. Alles in allem ein schönes Hotel, aber extrem überlaufen und man wird eher abgefertigt, als dass individueller Service geboten wird. Bei 2500 Betten drängte sich mir unweigerlich ein Vergleich mit der Bettenburg des AKH Wien auf. Nichtsdestotrotz – der Pool im 57. Stock mit Blick auf die Skyline von Singapur war einfach mega und bereut habe ich es nicht.

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Emerald Hill Road

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St. Andrew’s Cathedral im Colonial District

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Auch die National Gallery ist im Kolonialstil gebaut

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Das Wahrzeichen der Stadt, der Merlion

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Das Marina Bay Sands, nicht mehr wegzudenken aus der Skyline Singapurs

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An absolutely crazy experience

Am letzten Tag mussten wir uns vom Luxus verabschieden und haben die Gardens by the Bay besucht. Auf 101 Hektar Parkanlage kann man tropische Pflanzen aller Art bestaunen. Auch hier zeigt sich wieder das hohe Preisniveau der Stadt. 16 Dollar haben wir für ein Conservatory bezahlt (es gibt insgesamt zwei). Da wir nicht wussten, welches sehenswerter ist, haben wir den netten Herren am Ticketschalter gefragt. Dieser hat unsere Erwartungen ordentlich geschürt und uns eine „absolutely crazy experience“ im Flower Dome versprochen. Na dann, auf ins crazy Abenteuer. Man muss sagen, dass die Außenanlage wirklich tropisch und beeindruckend ist. Die beiden riesigen mit Glas eingehausten Biotope, in denen ich gespannt auf die crazy Pflanzen war, jedoch weniger. Fairerweise möchte ich erwähnen, dass wir nur eines der beiden Glashäuser, den Flower Dome (immerhin das größte Glasgewächshaus der Welt!), besucht haben. Sollten sich im anderen Conservatory crazy Szenen abgespielt haben, so sind mir diese leider entgangen. Crazy waren jedenfalls die Asiaten, die beim Anblick von Pelargonien und Gänseblümchen komplett in Ekstase verfallen sind. Fast erschlagen wird man dabei von Selfiesticks – im Kampf um das beste Selfie war jedes Opfer recht und man war bereit, bis zum Äußersten zu gehen. Wir waren eher enttäuscht, denn wir hatten uns tropische Blumen und Gewächse erwartet. Die Hoffnung auf ein tropisches Pflanzenerlebnis haben wir aber noch nicht aufgegeben, die nächste Station heißt deshalb Cameron Highlands und Mossy Forrest, aber mehr dazu gibts im nächsten Beitrag.

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Die Gardens by the bay bei Nacht

5 Gedanken zu „Klein, aber oho: zu Gast im kleinsten Staat Südostasiens, ein Besuch in Singapur

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