Wo die Kunst auf der Straße liegt – Welcome to George Town!

George Town ist die Hauptstadt der Insel Penang an der Westküste Malaysias und war für mich mein persönliches Highlight. Die Stadt ist ein Schmelztiegel der Kulturen und wurde 2008 zu Recht zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Ich habe vier Tage in dieser wunderbaren Stadt verbracht und möchte euch nun meine TOP 10 in George Town vorstellen.


Gewohnt habe ich übrigens im The Frame Guesthouse, das ich auch uneingeschränkt weiterempfehlen kann. Super Zimmer, toller Service, sehr nette Menschen und perfekte Lage. 

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1) Richtig gut frühstücken

Eine wahre Erlösung für europäische Gaumen sind die zahlreichen unglaublich guten Cafés in George Town. Bei jedem Gang zum Hostel-Frühstück hegt man einen Funken Hoffnung, eine bestimmte Sache bloß nicht am Tisch zu finden: Toast. Toast mit Butter, Toast mit Nutella bzw. Erdnussbutter oder im Worst Case Toast mit absolut undefinierbarer noch nie mit einer Frucht in Berührung gekommener Marmelade. Wir hatten sie alle. Alle Varianten an Toast, die man sich nur vorstellen kann. Irgendwann hat man eine gewisse Toast-Sperre, es erinnert immer mehr an das bunte Ess-Papier aus Kindertagen. Jedenfalls ist George Town ein wahres Paradies für Frühstückfans. Wir hatten das Glück, direkt neben einem sehr guten Café zu wohnen, in dem wir jeden Morgen wie Gott in Frankreich gespeist haben. Frischgepresster Saft, alle Arten von (europäischen) Backwaren und ein unschlagbares Apple-Crumble-Joghurt haben stets für einen perfekten Start in den Tag gesorgt.

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Mein absoluter Café-Tipp: The Mugshot Café (302 Chulia Street)

2) Besuch eines typischen Morning-Markets

Wer nah am Alltagsleben der Einheimischen sein möchte, sollte sich auf jeden Fall in das bunte Markttreiben stürzen. Hier ist man mittendrin statt nur dabei, also rein ins Getümmel! An unserem ersten Tag haben wir den Morning Market in den Seitengassen der Campbell Street besucht. In Asien kauft man auch gerne ein neues Paar Baumwollunterhosen, Plastikgeschirr oder wie in meinem Fall einen neuen Adapter für die Steckdose am Markt. Die Artikel sind zwar eher von günstigerer Qualität (ein bisschen wie im heimischen 1-Euro-Shop), aber man bekommt alles, was man so braucht (oder irgendwann gebrauchen könnte). Wenn man so über den Markt schlendert, fühlt man sich ein bisschen wie im zarten Kindergartenalter, als man Mama am Rockzipfel gezogen hat und andauernd gefragt hat „Was ist das?“ Plötzlich kommt mir meine heimische Auswahl an Obst- und Gemüsesorten recht spärlich vor. Klar, gibt es auch bei uns gut sortierte Märkte, aber kaum jemand erledigt seine Alltagseinkäufe am Markt – ganz anders in Asien. Etwas schockierend für europäische Maßstäbe ist die Aufbewahrung von Fleisch. Ich glaube zwar nicht, dass beim Street Food etwas passiert wäre, aber ich bleibe dann doch lieber bei den vegetarischen Alternativen. Auch, weil Fleisch in Asien wirklich alles ist, inklusive Fett, Knochen, etc. Es ist hier eben keine Wohlstandsgesellschaft, in der man das zarte Brustfleisch und die Flügerl vom gut gemästeten Henderl aussortiert und den Rest wegwirft.

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Auf dem Markt entdeckt man immer wieder Neues, in diesem Fall den sogenannten Javaapfel.

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Neben der Aubergine liegt die sogenannte Lotuswurzel (hellbraune Knolle mit Löchern), welche häufig in der asiatischen Küche verwendet wird

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Auf dem Markt gibt es ein reichliches Angebot an frischem Seafood.

3) Kauf dir eine richtig bequeme Hose und stell dir die Elefantenfrage

Wer in Asien war, schlägt früher oder später unweigerlich bei den weiten bunten Hosen zu. Die gehen hier weg wie die warmen Semmeln und sind in den meisten Läden zu finden. Superbequem, in Einheitsgröße und mit den verschiedensten (manchmal die Grenze des guten Geschmacks überschreitenden) Mustern – wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Probieren darf man fast nie – es gilt Alles oder Nichts. Einen 50:50 Joker wie bei Armin Assinger gibt es leider nicht. Wobei man sagen muss, dass eigentlich jeder in eine der Hosen passt (was nicht immer vorteilhaft ist). Ich selbst habe mittlerweile schon drei Exemplare gekauft. Beim Preis von 3 bis 5 Euro pro Hose nötigt das Schnäppchen-Gewissen fast zum Kauf (das Argument „der heimische Sommer kommt ja auch bald wieder“ zieht immer). Jedenfalls muss man sich beim Muster die Gretchenfrage stellen: Elefanten – ja oder nein? Nach einiger Zeit in Asien fällt auf, dass beinahe jeder zweite westliche Tourist eine Hose mit Boho-Elefantenprint trägt. Aber irgendwie sieht das auch nur im Urlaub gut aus. Zuhause hat es dann so einen Möchtegern-Aussteiger-Touch à la „Ich habe gerade 3 Wochen im Ashram in Indien verbracht oder in den Tempeln von Angkor Wat und dieser Spirit lebt in meiner Hose weiter“. Fazit: Ich habe mich auf die Seite der Elefanten-Hosen-Gegner geschlagen (obwohl ich Elefanten sehr mag), auch weil ich das Muster nicht so schön finde und es noch ganz andere tolle Motive gibt. Das Hippie-Image ist somit ruiniert, aber das Leben ist nunmal kein Ponyhof. 

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4) Lass dir ein Henna-Tattoo malen

Nachdem ich schon beim Elefanten-Hosenmuster gepasst habe, musste ich beim Henna-Tattoo mitmachen. Ich liebe einfach diese indischen Motive und da ich zu feig für ein echtes Tattoo bin, habe ich mir in Little India ein Henna-Tattoo für wenige Euro malen lassen. Es dauert lediglich 5 Minuten und hält ca. 1 bis 2 Wochen. Ich war richtig traurig, dass es schon so bald wieder weg war. Witzigerweise haben mich danach einige Leute angesprochen, ob ich in Indien war. Scheint also durchaus authentisch zu sein.

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Das Henna-Tattoo kann in man in den Farben Schwarz oder Rot machen lassen (hier seht ihr es in Schwarz, später habe ich auch ein Henna-Tattoo am Fuß in Rot machen lassen, das hat mir farblich fast noch besser gefallen)

5) Geh auf Street Art-Jagd!

Street Art und George Town sind ein eingeschworenes Team – wie Pech und Schwefel. Im Rahmen des Mirrors George Town Projects im Jahr 2012 wurde der litauische Künstler Ernest Zacharevic mit den Kunstwerken an den Häuserwänden beauftragt. Seither haben auch zahlreiche andere, oft einheimische, Künstler die Straßen von George Town in ein Freilicht-Kunstmuseum verwandelt. Das Aufspüren und Posieren mit den Wandgemälden macht unglaublich viel Spaß. Das wohl meist fotografierte Motiv ist „Little Children on a Bicycle“ (siehe Titelbild). Man muss schon ziemlich gewieft und ohne Rücksicht auf Verluste sein, um zwischen den Scharen an Touristen einen kurzen intimen Moment mit dem Bild erleben zu dürfen. Dieser ist auch gleich wieder vorbei, sobald sich der nächste Kandidat auf den Fahrradsattel schwingen will. Man sollte auf jeden Fall ausreichend Zeit für einen Street Art Rundgang einplanen, denn einige der Werke liegen ein Wegstück auseinander. Zusätzlich zu den Bildern an der Wand gibt es in der ganzen Stadt lustige Karikaturen aus Stahl, die ebenfalls von der Stadtverwaltung in Auftrag und von der Firma „Sculpture at Work“ gefertigt wurden.

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6) Besuche den Kek-Lok-Si Tempel

In einem Vorort von George Town, Air Item, liegt der Kek-Lok-Si Tempel, welcher übersetzt „Tempel des höchsten Glücks“ bedeutet und Malaysias größter buddhistischer Tempel ist. Nachdem man zahlreiche Stufen überwunden und Souvenirverkäufer erfolgreich abgewimmelt hat, gelangt man endlich zur 30m hohen Pagode Ban Po Thar, auch „Pagode der zehntausend Buddhas“ genannt. Die Pagode ist ein siebenstöckiges Gebäude, das Baustile verschiedener buddhistischer Länder in sich vereinigt: die Basis gilt als chinesisch, der Mittelbau der thailändischen und die Spitze der burmesischen Architektur entlehnt. Auf dieser Ebene befinden sich auch mehrere Tempelräume. Mit einer Gondelbahn (mit der man wegen der erlösenden Klimaanlage am liebsten in Dauerschleife fahren würde) geht es nach ganz oben, wo eine 36,5 Meter hohe Bronzestatue von Kuan Yin thront, welche erst 2002 eingeweiht wurde (der Tempel befindet sich noch immer im Ausbau). Es dauert zwar rund 40 Minuten, um von der Innenstadt George Towns zum Tempel zu gelangen, aber er ist jedenfalls einen Besuch wert.

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Pagode der zehntausend Buddhas

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Das Anzünden von Räucherstäbchen ist Teil des buddhistischen Rituals. Ihnen wird eine reinigende Wirkung zugesprochen.

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Für eine geringe Spende kann man sich Bänder mit verschiedensten Wünschen aussuchen und diese im Tempel aufhängen.

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Posing mit Micky Mouse

7) Probiere das leckere Street Food!

Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht! Wer so denkt, ist in Penang mit Sicherheit an der falschen Adresse. Die Insel ist bekannt wie ein bunter Hund – nicht nur für selbige an den Hauswänden der Stadt, sondern auch für ihr außergewöhnlich leckeres Street Food. Wir hatten leider den Eindruck, dass sich noch immer wenige europäische Touristen an das Street Food heranwagen. Natürlich ist vieles ungewöhnlich, man kennt die asiatischen Gerichte nicht, die Zubereitung an den kleinen Küchenwägen sieht spektakulär aus und das Essen inmitten zahlreicher fremder Menschen an den Straßen der Stadt ist eben eine neue Erfahrung. Sorgen um die körperliche Gesundheit braucht man sich jedoch keine machen. Wenn man etwas nicht kennt, sollte man einfach neugierig nachfragen. Wer nicht fragt, bleibt dumm – das hat uns ja schon die Sesamstraße gelehrt. Bei der riesigen Auswahl an Essensständen ist garantiert für jeden etwas dabei, Sonderwünsche werden gerne berücksichtigt. Die besten Street Food Locations sind in Chinatown (wo wir praktischerweise gewohnt haben) in der Lebuh Chulia oder auch in der Lebuh Kimberley. Und das Beste zu guter Letzt: Das Essen ist nicht nur gut, sondern mit 1 bis 2 Euro pro Hauptgericht extrem günstig! Hier kann man richtig reinhauen und gibt trotzdem nichts aus.

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Schon die Zubereitung der Speisen ist eine Attraktion.

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Unweigerlich muss man an den Ständen halten und den Köchen gespannt zusehen. 

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Bei den Street Food-Ständen isst man garantiert authentisch.

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Patricia, Mareen (wir haben uns in den Cameron Highlands angefreundet) und ich beim abendlichen Street Food

8) Peranakan Mansion, Khoo Kongsi & Masjid Kapitan Keling

Punkt 8 auf meiner Liste sind drei besonders schöne Bauwerke der Stadt. Die Peranakan Mansion zeigt das Leben der Peranakans (auch Babas genannt), der chinesischen Oberschicht aus dem 19. Jahrhundert. Das mintgrün gestrichene Haus inmitten von Little India sticht sofort ins Auge. Die Villa ist eine Art Museum, in dem man unterschiedliche, mit originalen Antiquitäten und Möbeln eingerichtete Zimmer, besichtigen kann. Mir hat sie sehr gut gefallen, weil die Räume wirklich authentisch sind und man einen guten Einblick in die opulente Lebensweise der damaligen Bewohner bekommt. Zum Haus gehört auch ein kleiner Tempel.

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Als die ersten Immigranten aus der Provinz Hokkien in China nach Penang kamen, ließen sie herrliche Clanhäuser erbauen. Khoo Kongsi ist eines davon und wurde von dem wohlhabenden Familienclan der Khoos erbaut. Der Tempel ist mit aufwändigen Schnitzereien, Steinreliefs und Wandbildern verziert und heute noch sehr gut erhalten. Die Besichtigung dauert höchstens 20 Minuten, kostet nicht viel und lohnt sich! Ein kleines Stück China inmitten von George Town sozusagen.

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Falls ich es noch nicht erwähnt habe: Der Islam ist Staatsreligion in Malaysia. Daher hat auch George Town eine bedeutsame Moschee zu bieten. Die Masjid Kapitän Kling Moschee wurde von Penangs ersten Siedlern indisch-muslimischer Herkunft erbaut

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9) Lass den Abend in der Reggae Mansion ausklingen!

An unserem letzten Abend haben wir uns einen Abschieds-Cocktail in der Reggae Mansion (381, Lebuh Chulia) gegönnt. Eigentlich ist die Mansion ein Backpacker Hostel, das eine ganz nette Bar mit Live-Musik im Erdgeschoss beherbergt. Hier kann man den Abend auf der Terrasse ausklingen lassen und die angeschwollenen Füße nach 20 km Fußmarsch entspannt hochlegen.

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10) Ceep calm and enjoy George Town!

George Town ist eine Stadt zum Bummeln, Genießen und Schlendern. Am besten entdeckt man die schönsten Seiten zu Fuß, vorbei an den malerischen Kolonialhäusern und versteckten Gässchen mit netten kleinen Shops. Hier noch ein paar Eindrücke aus unseren Citywalks.

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