On the road to Mandalay – where the hell are we?

Mandalay – die zweitgrößte Stadt Burmas hat Frank Sinatra sogar zu einem eigenen Song inspiriert. Wo er diese Inspiration gefunden hat? Tja, das frage ich mich auch, denn Mandalay  – so schön verträumt der Name klingen mag – war irgendwie nicht so ganz das Gelbe vom Ei. Nach einer aufregenden Tour durch die Tempel von Bagan am Vortag sank der Unterhaltungswert plötzlich rapide ab.

In Mandalay war ich nicht nur auf der Suche nach dem ein oder anderen sehenswerten Highlight, auch meine Motivation ging erst mal auf Tauchstation. Irgendwie wollte es nicht so recht klappen mit mir und dieser Stadt – weder eine Liebe auf den ersten, noch auf den zweiten oder dritten Blick. Fast wie eine Affäre, aus der einfach nicht mehr werden will.

Wasser marsch! Wie ich das Water Festival in Mandalay (üb)erlebte

Ich besuchte Mandalay zum Zeitpunkt des burmesischen Neujahrsfestes, auch Water Festival oder Thingyian genannt, welches immer zur heißesten Zeit Mitte April stattfindet. Hier kann man einmal im Jahr wieder ungeniert Kind sein während sich das vernünftige Erwachsenen-Ich langsam aber sicher vom Acker macht. Mehrere Tage feiern die Menschen ausgelassen und bespritzen sich gegenseitig mit Unmengen an Wasser. Wer jetzt an ein bisschen Wasserspritzerei im Garten denkt, der liegt falsch. Mit Kübeln, Wasserpistolen und Schläuchen wird man erbarmungslos mit Wasser übergossen (wer nicht nicht aussehen will, als käme er frisch vom Wet-T-Shirt-Contest, sollte weiße Kleidungsstücke lieber getrost im Schrank lassen). Die Burmesen glauben, dass das Wasser die Sünden wegspült und man so gereinigt in das neue Jahr starten kann. Während den Feierlichkeiten gibt es auch Umzüge, bei denen die Einheimischen auf Ladeflächen stehend durch die Stadt fahren, während von allen Seiten laute Musik dröhnt (am liebsten Gangnam Style von Psy) und sie von den Menschen an den Straßenrändern geduscht werden. Auch mir hat das Fest sehr viel Spaß gemacht, die Bewohner der Stadt haben uns herzlich aufgenommen und mit uns gefeiert. Allerdings hat es auch einen kleinen Nachteil: man kann einfach nicht mehr auf die Straße gehen, ohne klitschnass zu werden. Das hat mich ehrlich gesagt nach einiger Zeit doch ein wenig genervt, denn beim Abendessen sitze ich schon ganz gerne im Trockenen (zumindest kleidungstechnisch 😉 ). Apropos Essen! Das gab es während des Festivals auch nur mäßig und wer mich kennt, der weiß, dass ich Eines auf den Tod nicht ausstehen kann: einen knurrenden Magen! Dann sinkt meine Stimmung garantiert unter den Gefrierpunkt – selbst bei über 40 Grad Außentemperatur. Denn während der drei Tage, in denen das Festival stattfindet, haben alle Restaurants, Supermärkte und Shops geschlossen. Jeder hat Urlaub. Sogar im Hotel gingen irgendwann die Lebensmittel aus. Und meine Kontenance ging ungefähr zeitgleich verloren, als mir das der Kellner nach ewiger Wartezeit im nicht mehr wirklich nüchternen Zustand mitzuteilen versuchte, dass es mit dem Essen für heute wohl nichts mehr wird. Trotz allem bleibt das Festival sicher ein Erlebnis, das ich für immer in Erinnerung behalten werde – denn die nächste Wasserschlacht dieser Art werde ich so bald nicht wieder erleben. 

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What to do in Mandalay?

Was die Sehenswürdigkeiten der Stadt betrifft, so konnte mich Mandalay nicht wirklich überzeugen. Mehr schlecht als recht haben wir ein Attraktion nach der anderen auf unserer Liste im viel zu teuren Taxi (zum Schutz vor Wasserattacken) abgeklappert – immer in der Hoffnung, es wird doch noch besser. Aber da verhielt es sich ganz wie beim Liebesleben der nichts so prickelnden Affäre – das wird auch nicht besser, je mehr man verkrampft daran werkt und verzweifelt hofft. Naja – nichtsdestotrotz hatten wir drei Tage in Mandalay, die gefüllt werden wollten. 1-2 Tage hätten jedoch völlig ausgereicht, um alles Wichtige zu sehen. Wer Lust auf einen Ausflug hat, kann auch die nahegelegene U-Bein Bridge, die längste Teakholzbrücke der Welt in Amarapura besuchen, mir blieb leider keine Zeit dazu.

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Kuthodaw Paya 
Mandalay Palace
Mandalay Hill
Shwenandaw Kyaung Kloster 
U-Bein Bridge 

Das größte Buch der Welt – Kuthodaw Paya

Wenn man das „größte Buch der Welt“ versprochen bekommt, erwartet man sich klarerweise etwas Imposantes. Also machten wir uns auf, die Kuthodaw Pagode, mit deren Bau im Jahr 1857 unter König Mindon begonnen wurde, zu besuchen. Das größte Buch der Welt ist nicht wirklich EIN Buch, sondern vielmehr gibt es dort 729 weiße Pagoden (buddhistisches Bauwerk, das Buddhas Lehre symbolisiert) zu sehen. In jeder befindet sich eine Marmortafel, auf denen der Pali-Kanon, die heilige Schrift des Buddhismus über das Leben und die Lehre Buddhas, eingemeißelt ist. An der Erstellung der Marmorinschriften waren mehr als 200 Steinmetze bis 1868 beteiligt. Alle Tafeln zu alle lesen dauert etwa 6 Monate (Die Mühe habe ich mir dann doch nicht machen wollen.) Ein Besuch der Kuthadow-Pagode ist ganz nett, jedoch sieht jede der 729 Pagoden genau gleich aus und vielleicht hat das auch etwas die Spannung genommen. Trotzdem war der Besuch ganz nett.

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Inmitten der Anlage der Kuthadow-Pagode steht eine größere goldene Pagode, die Maha Lawka Marazein-Pagode

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Herstellung der traditionellen Thanaka-Paste, die als „Make-up“ und Schminke vorwiegend von Frauen getragen wird

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Der Königspalast und sein trauriges Ende

Die größte Sehenswürdigkeit von Mandalay ist zweifelsohne der Königspalast, den man auch unbedingt besuchen sollte. Ein Ticket kann man direkt beim Palast kaufen. Es kostet 10.000 Kyat und gilt auch noch für andere Sehenswürdigkeiten in Mandalay. Der Palast wurde in der Zeit von 1857 bis 1859 von König Mindon erbaut. Mandalay war seinerzeit die Hauptstadt des Landes und der Palast im traditionell burmesischen Palastdesign aus Teakholz gebaut. Wie viele Gebäude fiel leider auch der Palast den Kriegen zum Opfer. 1885 wurde der Königspalast von den Briten eingenommen und der amtierende König Thibaw samt seiner Frau ins indische Exil verbannt. Besonders verheerend waren die Brände im Zweiten Weltkrieg, der Palast, der ja aus Holz gebaut war, brannte komplett nieder. Der heutige Palastkomplex ist lediglich eine Rekonstruktion des Originals. Früher waren die Gebäude aus vergoldetem Schnitzwerk oder aus mit Glasmosaiken verziertem Teakholz und Ziegeln gebaut. Während der Plünderungen wurden die Edelsteine aus dem Marmorboden geklopft und die Juwelen aus dem Interieur geschlagen. Der Nachbau heute macht leider einen etwas billigen Eindruck. Echtes Blattgold wurde durch Bronzegold ersetzt, statt Ziegeln wurde Wellblech oder Beton verwendet, der Verputz bröckelt langsam aber sicher ab. In der Mitte der Anlage steht ein Wachturm, von dem man eine gute Aussicht auf den Königspalast mit seinen über 400ha hat. Ich fand es etwas schade, dass der frühere Glanz nicht mehr wirklich vorhanden ist. Bis auf ein paar königliche Erinnerungsstücke im Thronraum gib es auch keine Einrichtung oder Möbel, lediglich ein kleines Kulturmuseum zeugt von der alten Pracht. Hier hat wohl einfach das Geld gefehlt. Dennoch kann ich den Besuch des Palastes empfehlen – immerhin ist er meiner Ansicht nach das Interessanteste an der ganzen Stadt.

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Eingangsbereich zur Palastanlage

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Der Königspalast von Mandalay aus der Vogelperspektive

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Der Aufstieg des Grauens auf den Mandalay-Hill

Vom 236 m hohen Gipfel des Mandalay-Hills soll die Aussicht bei Sonnenuntergang besonders schön sein (das hat man uns jedenfalls gesagt). Also machten wir uns auf, die Stufen hinauf zum Gipfel zu erklimmen. Gott sei Dank habe ich nicht schon vorher gelesen, wie viele Stufen das sind, sonst wäre ich sofort wieder umgekehrt. Man geht einfach mal los – und geht – und geht – und geht. Irgendwann kommen leichte Zweifel auf („Wie lange dauert das denn noch? Ist es noch weit?“) Insgesamt führen drei verzweigte Treppenaufgänge und 934 Stufen (!!!) hoch auf die Aussichtsplattform. Man geht wieder einmal ohne Schuhe, der Boden ist diesmal wirklich ziemlich ekelhaft. Was da so alles an Dreck klebt, weiß ich nicht, aber das ist wohl besser so. Der Weg wird immer wieder durch Tempelhallen (mit großen Buddha- oder Mönchstatuen, ganz nett, aber nicht weltbewegend) unterbrochen. Zumindest gibt es steinerne Sitzbänke entlang der Treppen, aber wehe man setzt sich einmal hin – das Aufstehen fühlt sich dann so an, als ob man nach einer durchtanzten Nacht um 7 Uhr morgens wieder aufzustehen versucht. Außerdem gibt es überall kleine Stände, an denen man sich Imbisse oder Erfrischungen kaufen kann (die kann man auf dem nicht enden wollenden Weg auch gut gebrauchen). Ein bisschen kam mir der Aufstieg vor wie die unendliche Geschichte – immer wenn ich dachte, es ist endlich überstanden, fanden sich um die Ecke die nächsten Stufen. Gleichzeitig hab ich so extrem geschwitzt, denn es waren sicher wieder über 35 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit.

Kurz bevor ich die völlige Erschöpfung erreicht habe, kam die Erlösung und wir erreichten in leicht apathischem Zustand endlich den Gipfel. „Für so einen schweißtreibenden Aufstieg muss es sich doch gelohnt haben“, dachte ich. Naja, der Ausblick war – eine ziemliche Enttäuschung. Statt des tempelgesäumten Ausblicks blickte ich – auf einen Golfplatz. Sah für burmesische Verhältnisse ganz gut aus (sofern meine nicht vorhanden Golferkenntnisse das beurteilen können), aber – ein Golfplatz halt. Nicht ganz das, was ich erwartet hatte. Besser gesagt: Enttäuschung pur. Aber dann kam noch das Beste an der Sache: wir hätten gar nicht gehen müssen! Denn: es gibt auch eine asphaltierte Straße zum Gipfel. Mit (Sammel-)Taxis für 500 Kyat kann man sich hier rauf bringen lassen und erspart sich den schrecklichen Aufstieg über die Treppen des Grauens. Wer sich was beweisen will – der kann natürlich auch die Stufen wählen. Das einzig Gute an dem Ausflug: Geld haben wir hierfür keines bezahlt (nur für die Fahrt zurück, denn auf den Sonnenuntergang haben wir aus mangelnder Motivation schlussendlich verzichtet. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass wir da groß was verpasst haben – außer den Golfplatz in rotgetauchtem Licht vielleicht).

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Doch noch eine einzige schöne Ansicht von oben gefunden

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Aussichtsplattform am Mandalay-Hill

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Den Ausblick habe ich mir irgendwie anders vorgestellt. Die Spucke blieb mir zwar etwas weg, aber eher weil ich fast verdurstet bin für diesen Anblick.

VIP-Feeling beim Shwenandaw Kyaung Kloster

Als weißer, europäischer Tourist in Myanmar kann man sich auf eines gefasst machen: man ist eine kleine Attraktion und die Einheimischen lieben es, Fotos mit dir zu machen. Besonders „schlimm“ war es bei meinem Besuch des Shwenandaw-Klosters. Ein Foto nach dem anderen wurde geschossen. Und die Burmesen sind da durchaus kritisch – wenn das Foto nicht auf Anhieb passt, muss man eben so lange posieren, bis ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht ist (und man schon fast einen Krampf in der Gesichtsmuskulatur davonträgt). Mein lustigstes Foto der Reise ist wohl das mit einem Mönch vor dem Shwenandaw-Kloster. Für mich selbst waren die Mönche immer eine Attraktion für sich, aber siehe da – so schnell kann sich das Blatt wenden. Der Zugang zum buddhistische Kloster selbst ist ebenfalls in der Eintrittskarte enthalten, die man schon beim Königspalast löst. Das Bauwerk aus Teakholz stand früher im Kern des Königspalastes und gehörte zu den Privatgemächern von König Mindon. Das Kloster wurde schon zweimal gänzlich zerlegt und wieder aufgebaut. Zur Zeit des großen Brandes im Königspalast war es bereits außerhalb der Palastmauern ausgesiedelt worden, weshalb es das Feuer überstand. Besonders schön sind die üppig geschnitzten Holzpaneele, die Szenen aus dem Leben Buddhas zeigen. Die Decke im Hauptraum ist noch vergoldet, früher war sogar das ganze Bauwerk innen und außen vergoldet und mit Glasmosaiken verziert. 

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Alles in allem kann ich sagen, dass man durchaus einen Kurzstopp in Mandalay machen kann. Man sollte sich jedoch nicht allzu lange damit aufhalten. Neben dem Königspalast kann man auch einen Ausflug zu den zahlreichen Klöstern der Umgebung machen. Für mich ging es weiter in die ehemalige Hauptstadt Yangon – mehr dazu in einem eigenen Beitrag.

 

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