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Bagan: unterwegs im Reich der tausend Tempel

Es gibt viele Gründe, die Koffer (oder in meinem Fall den Rucksack) zu packen und nach Myanmar zu reisen. Zu meinen Beweggründen zählte es, einen der schönsten Sonnenuntergänge über der alten Königsstadt Bagan zu erleben. Schon die Bilder im Internet haben mich begeistert und von da an wollte ich diesen faszinierenden Ort unbedingt mit eigenen Augen sehen. Und wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, bin ich meistens nicht mehr davon abzubringen – aber ich kann euch sagen, es hat sich gelohnt!

Morgenstund hat Gold im Mund?

Es ist kurz vor fünf Uhr morgens an unserem ersten Tag in Bagan und stockfinster, aber dafür ist die Temperatur noch nicht so unerträglich, wie wir sie im Laufe des Tages noch erleben sollten (in der heißesten Jahreszeit April klettert das Thermometer gerne auf bis zu 45 Grad). Ich kann es kaum glauben, dass wir endlich in Bagan angelangt sind. Auf eine ewig lange Busfahrt zum Hotel Razagyo in Nyaung U (die geschäftige Stadt liegt etwa 10 km von Bagan entfernt; alternativ kann man auch in Neu-Bagan oder Alt-Bagan nächtigen) am Vortag folgte eine umso kürzere Nacht. Noch vor Sonnenaufgang versammelt sich die gesamte Reisegruppe vor der Hotelanlage. Meine Augenlider sind schwer wie Blei und ich kann den Anweisungen unserer Reiseleiterin nur mit viel Mühe folgen. Doch die Vorfreude auf einen wunderschönen Sonnenaufgang lässt die Spannung steigen und erweckt meine müden Glieder langsam zum Leben.

Alles Wissenswerte zur Anreise, unserem Hotel und Reiseinformationen findest du übrigens im Reiseguide.

Bagan-Sonnenaufgang
Ich bekomme Gänsehaut, als sich der rote Feuerball langsam über die Tempelspitzen schiebt.

Das passende Fortbewegungsmittel in Bagan

Mit über 41 km² ist das archäologische Gebiet von Bagan nicht zu Fuß zu bewältigen. Umso erwartungsvoller bin ich hinsichtlich der E-Bike-Fahrt, welche unsere Reiseleiterin am Vortag bereits angekündigt hatte. Das vermeintliche Fahrrad entpuppt sich jedoch als Elektro-Roller und mein Blick ist ziemlich verdutzt, als mir klar wird, dass die gemütliche Fahrradfahrt wohl ins Wasser fällt. Die erste Proberunde mit dem Zweirad erinnert mich unweigerlich an meine erste Fahrstunde, als ich gar kein Gefühl für die Wirkung einer Vollbremsung hatte und meine Fahrlehrerin ordentlich durchgerüttelt wurde. Man muss zu meiner Verteidigung jedoch hinzufügen, dass meine fahrbaren Untergestelle bis zu diesem Tag stets vier Reifen hatten. Anfangs fahre ich im Schneckentempo und so wackelig, als hätte ich am Vortag vier Tequila gekippt. Mit der Zeit wird es jedoch besser und bald wagt sich der Zeiger meines Tachometers sogar an das Höchsttempo heran. Nach einigen Kilometern habe ich tatsächlich Spaß am Rollerfahren und ein Gefühl von „born to be wild“, während wir durch die sandigen Wege von Old Bagan düsen. Einen Führerschein braucht man übrigens nicht, nur etwas Mut und Geschick.

Mopedfahren-Bagan
Aufgrund der Größe von Bagan empfiehlt es sich, einen Roller zu mieten.

Wenn sich die Sonne über Bagan erhebt

Am Tempel angelangt, parken wir unsere Roller und erklimmen sogleich die Stufen, um auf die höchste Etage zu gelangen (Prinzipiell kann man nicht auf jeden Tempel klettern. Einige der Tempelanlagen sind abgesperrt, andere haben gar keine Treppen nach oben.) Je nach Größe des Tempels ist die Besteigung mehr oder weniger abenteuerlich. Der Tempel an diesem frühen Morgen hat lediglich eine sehr enge und finstere Treppe, welche hinauf auf das Dach des Heiligtums führt. Nur mit dem Licht des Handys ist es möglich, weder auszurutschen, noch sich den Kopf zu stoßen. Mit ausreichend Geschick und Akrobatik bahnen wir uns einen Weg entlang der schmalen Gänge, bis wir schließlich einen wunderbaren Aussichtspunkt auf dem obersten Geschoss erreichen (Bei manchen Tempeln muss man aufpassen, da sich Schlangen oder Fledermäuse in den düsteren und engen Treppenschächten aufhalten können.) Endlich an unserem Ziel angelangt, harren wir geduldig bis zum Sonnenaufgang aus. Meine Erwartungen sind hoch und ich zähle unruhig die Minuten. Und dann ist es plötzlich soweit.

Auf einmal taucht die aufgehende Sonne die gesamte Tempellandschaft in gelb-rotes Licht, ein unbeschreiblich schöner Blick auf das Wunder Bagan. Da sitze ich nun, in der Abgeschiedenheit jener uralten Tempelstadt, ein Moment, in dem keiner der Anwesenden etwas zu sagen wagt und jeder seine persönlichen Gedanken zu diesem Augenblick sammelt. Ein Moment, in dem man das Gefühl hat, von oben auf die Welt zu blicken, die sich in ihrem bezauberndsten Antlitz präsentiert. Ein Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit, von Glück und Ehrfurcht, von innerer Ruhe und Friede. Jeglicher Stress und alle Probleme weit weg. Ein Moment, der mir ewig in Erinnerung bleiben wird.

Sonne-über-Bagan
Besonders der Sonnenaufgang über der endlosen Pagodenlandschaft ist ein unvergessliches Erlebnis jeder Myanmarreise.

Das Wunder Bagan 

Wie bereits erwähnt ist Bagan eine alte Königsstadt mit über 2000 erhaltenen Tempeln aus Ziegelsteinen und Gipsputz. 230 Jahre lang (mit der Beginn der Thronbesteigung König Anawrahtas im Jahr 1044 bis 1287, als die Mongolen in Bagan einfielen) wurden stetig neue Tempel und Pagoden gebaut, sodass neben der Stadt (die Holzbauten aus dem 11. bis 13. Jahrhundert gibt es heute leider nicht mehr) 4000 buddhistische Tempel entstanden. Die Hauptstadt wuchs zu einer der größten Städte des Mittelalters an. Durch Überschwemmungen, Plünderungen, Vernachlässigung und zahlreiche Erdbeben, besonders verheerend war jenes im Jahr 1975, wurden jedoch viele der Sakralbauten zerstört. Nach unzähligen Restaurierungen ist eine gefährdete archäologische Städte übrig geblieben, die aber nicht an ihrer Faszination eingebüßt hat.

Warum Bagan kein Weltkulturerbe ist 

Bagan ist zwar die wohl bedeutendste Sehenswürdigkeit Myanmars, aber bis heute nicht Weltkulturerbe. Warum? Viele der Gebäude wurden nach Lust und Laune „restauriert“ – alles nicht im Sinne von Denkmalschützern. Einige der Tempel werden bis heute genutzt, sodass die Menschen Buddhastatuen und alles andere so reparieren, wie sie es für richtig halten. Seit 1996 steht Bagan auf der Vorschlagsliste zum UNESCO-Welterbe. Ein UNESCO-Titel würde noch mehr Leute nach Bagan locken und die Wirtschaft beleben. Doch wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, ob das überhaupt geschehen sollte. Die Regierung jedenfalls ist bemüht, endlich die gewünschte Auszeichnung für Bagan zu erhalten. Verdient hätte es dieser einmalige Ort allemal.

Bagan
Eine endlose Weite, gespickt mit unzähligen Tempelspitzen, kennzeichnet die Tempelstadt Bagan.

Wichtige Infos zum Aufenthalt in Bagan

Wie vieles im Leben ist auch ein Besuch in Bagan nicht umsonst. Als Besucher muss man ein Ticket für 25 000 Kyat (14,40 Euro) lösen, welches fünf Tage ab Ausstellungsdatum gültig ist. Die Gebühr wird direkt am Flughafen oder am Bootsanleger kassiert. Busse halten an einem extra dafür eingerichteten Check-Point an der Landstraße. Mit dem Ticket in der Tasche kann es dann auch schon losgehen. Obwohl wir einen Umgebungsplan dabei hatten, war es gar nicht so einfach, die gekennzeichneten Tempel zu finden. Ich hatte mir das jedenfalls einfacher vorgestellt – auch weil die Burmesen scheinbar nicht viel von guten Wegweisern halten. In der nachfolgenden Karte habe ich dir die schönsten Tempel markiert.

Thatbinnyu-Tempel
Mit einer Höhe von 63 Metern ist der Thatbyinnuyu Pahto Bagans höchster Tempel. Errichtet wurde er 1144, seine Terrassen werden von 539 Jatakas (Geschichten aus Buddhas vergangenen Leben) gesäumt. Das Betreten der inneren Durchgänge ist Besuchern verboten.

Das Areal ist einfach unfassbar groß und da wir zu Neujahr in Bagan sind, haben wir auch mit den Menschenmassen bei den angesehensten Tempeln zu kämpfen. Doch wer suchet, der findet und mit der Zeit klappt es auch mit der Orientierung. Wie bei jedem Tempelbesuch muss man auch in Bagan auf entsprechende Bekleidung (Schultern und Beine bedeckt) achten. Am besten trägt man Flip Flops, denn die Schuhe müssen immer vor Betreten des Tempels ausgezogen werden – egal wie dreckig der Boden auch sein mag (garantiert nichts für Sauberkeitsfanatiker; am Abend darf man dann Tonnen an Staub und Sand umso gründlicher wieder abwaschen).

Bagan-Myanmar
Meist aus Ziegelstein errichtet, stammen die Tempel aus dem 12. und 13. Jahrhundert nach Christus. Bei über 40 Grad Außentemperatur machen wir uns auf Erkundungstour durch diese märchenhafte Stätte.
Bagan-Panorama
Mit einer Ausdehnung von 40 Quadratkilometern gehört Bagan zu den größten Kulturdenkmälern der Erde. Aus der Ebene am Flussufer des Irrawaddy ragen unzählige Stupas und Pagoden in den Himmel.
Bagan-Sightseeing
Shwesandaw Paya
Der überwältigende Shwesandaw Paya bietet einen großartigen Panoramablick, ist bei Sonnenuntergang jedoch sehr überfüllt. Der goldene Stupa enthält der Überlieferung zufolge vier Strähnen von Buddhas Haar, im Komplex wird überdies eine Zahnreliquie von Buddha aufbewahrt.
Treppen zum Tempel
Der Shwesandaw Paya gilt als Tempel schlechthin für den Sonnenuntergang. Geheimtipp ist er aber schon länger keiner und daher oftmals sehr überfüllt.
Ausblick-vom-Tempel
Jeder Tempel ist ein Unikat für sich und begeistert mit filigranen Details und imposanten Buddhastatuen im Inneren.
Dhammayazika Paya Tempel Bagan
Der imposante Dhammayazika Paya liegt etwas abseits der anderen Tempelanlagen.
Blick-auf-Bagan
Dhammayangyi-Tempel
Der Dhammayangyi-Tempel in Bagan wurde unter König Narathu um 1170 als Sühne für die Ermordung seines Vaters Alaungsithu gebaut und ähnelt in seiner Architektur stark dem Ananda-Tempel.
Buddhafiguren in Bagan
In der westlichen Vorhalle des Dhammayangyi-Tempels sitzen zwei Buddha-Statuen nebeneinander.

Wie viel Zeit man einplanen sollte

Für einen Aufenthalt in Bagan plant man am besten zwei bis drei Tage ein. Wir hatten nur einen ganzen Tag, um die Gegend zu erkunden und mussten daher ein ziemlich dichtes Programm durchziehen. Ich würde empfehlen, den Fokus nicht nur auf die großen Tempel zu legen. Vor allem eine Fahrt zwischen den kleinen und abgelegenen Tempeln vermittelt echtes Entdecker-Flair. Außerdem kann man dort den Sonnenauf bzw. -untergang in aller Ruhe genießen. Abseits der Hauptstraße macht es einfach unglaublich Spaß, mit dem Roller über Stock und Stein der versteppten Landschaft zu fahren und sich wie zu Zeiten des alten Königreichs zu fühlen. Für mich war Bagan jedenfalls ein Highlight meiner Reise durch Myanmar. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt, nur wäre ich gerne etwas länger geblieben.

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