Search

Auf den Manlitzkogel: Abwechslungsreiche Skitour bei Saalbach-Hinterglemm

Es gibt Skitouren, die ihren Reiz nicht auf den ersten Metern preisgeben, sondern ihn Schritt für Schritt entfalten. Touren, die nicht sofort alles zeigen, sondern mit jedem Höhenmeter an Tiefe gewinnen. Die Tour auf den Manlitzkogel ist für mich genau so ein Tag in den Bergen: still, weit und von einer Schönheit, die sich langsam aufbaut.

Schon beim Start liegt diese besondere Klarheit in der Luft, die einen Wintermorgen in den Bergen so unverwechselbar macht. Die Kälte ist präsent, aber nicht schroff – eher belebend. Während ich die Ski anschnalle und in die langsam erwachende Landschaft blicke, denke ich mir: „Genau so soll ein Tourentag beginnen.“ Noch ist alles zurückhaltend. Kein Wind, kein Laut, nur das leise Gleiten der Felle über den Schnee und das ruhige Wissen, dass vor mir Stunden liegen, in denen sich der Tag ganz den Bergen überlassen darf.

Ein sanfter Auftakt entlang der Almstraße

Zunächst führt die Route vom Schwarzachergraben entlang der Almstraße Richtung Ellmaualm. Es ist ein angenehmer, beinahe unaufgeregter Beginn – und gerade das gefällt mir. Der Körper findet ohne Hast in seinen Rhythmus, die Schritte werden gleichmäßig, der Atem ruhig. Es ist diese erste Phase einer Tour, in der man nicht nur in Bewegung kommt, sondern auch innerlich ankommt. Oft bin ich in solchen Momenten gedanklich noch halb im Tal. Doch mit jedem Meter wird es leiser im Kopf. Ich ziehe die kalte Luft tief ein und denke: „Jetzt beginnt der eigentliche Tag.“

BergManlitzkogel
2247 Meter
Saalbach-Hinterglemm, Salzburg
Skitourmittelschwere Skitour
Dauer: 4,5 Stunden
Länge: 11 Kilometer
Aufstieg/Abstieg: 1000 Höhenmeter
Hangrichtung: Nord
Höhenprofil & Karte
AnfahrtParkmöglichkeiten entlang der Almstraße im Schwarzachengraben
Zum Google Maps Routenplaner

Wo der Wald die Schritte dämpft

An der Haarnadelkurve verlasse ich die Straße und folge dem Almweg auf der rechten Seite des Grabens. Von hier an verändert sich die Stimmung spürbar. Der Weg führt zunächst durch den Wald und sofort wird die Szenerie sanfter, dichter, beinahe intimer. Das Licht fällt gedämpft zwischen die Bäume, der Schnee liegt weich auf den Ästen und alles wirkt für einen Moment wie aus der Zeit gefallen. Es ist kein spektakulärer Abschnitt – aber gerade darin liegt seine Schönheit. Mit jedem Schritt stellt sich mehr Ruhe ein. Ich nehme die feinen Dinge wahr: das matte Schimmern des Schnees im Schatten, die klare Kälte auf der Haut, die Spur, die sich gleichmäßig durch den Wald zieht. Und dann beginnt sich das Gelände zu öffnen.

Manlitzkogel_Skitour_Saalbach
Zu Beginn verläuft die Route angenehm entlang der Almstraße in Richtung Ellmaualm, bevor die Spur in den Wald abzweigt.

Almgelände, Weite und dieses leise Glück des Unterwegsseins

Nach dem Wald weitet sich die Landschaft und der Weg führt über freie Almflächen weiter. Das Gelände bleibt hier noch sanft, beinahe fließend. Ich bleibe kurz stehen, drehe mich um und denke: „Jetzt zeigt die Tour langsam ihr Gesicht.“ Solche Übergänge liebe ich – wenn sich aus dem geschützten Waldraum plötzlich eine offene, lichtdurchflutete Landschaft entfaltet. Die Hänge werden weiter, der Blick freier und dieses schlichte Glück des Unterwegsseins stellt sich ein, das ich in den Bergen so sehr suche. Hier ist nichts forciert. Kein steiler Kraftakt, kein übertriebener Ehrgeiz. Nur dieser stetige Rhythmus des Aufstiegs. Fell auf Schnee. Atemzug für Atemzug. Schritt für Schritt hinein in eine immer großzügiger werdende Bergwelt.

Manlitzkogel_Skitour_Bergtour
Mit jedem Höhenmeter wird die umliegende Bergwelt imposanter.

Ein Platz voller Winterruhe

Die Stoffen-Grundalm liegt friedlich und beinahe entrückt in dieser weiten Schneelandschaft. Solche Almen berühren mich im Winter besonders. Im Sommer sind sie Orte des Lebens und der Bewegung, jetzt wirken sie ruhig, fast in sich gekehrt, als würden sie unter der Schneedecke schlafen. Ich bleibe kurz stehen und lasse den Blick über die verschneiten Dächer und die sanften Hänge dahinter wandern. „Was für ein stiller, schöner Ort“, geht es mir durch den Kopf. Keine spektakuläre Kulisse im vordergründigen Sinn – aber eine Landschaft mit Tiefe, mit Ruhe, mit Atmosphäre. Solche Plätze sind für mich nie nur Zwischenstationen. Sie geben einer Tour ihre Seele.

Manlitzkogel_Skitour_Almhuette
Schon nach kurzer Zeit taucht die erste Almhütte im Weiß der Landschaft auf.

Ab der Grundalm zieht die Route weiter unter der Stoffenwand hinauf Richtung Stoffen-Hochalm. Schon auf diesem Abschnitt verändert sich die Landschaft, die mich umgibt. Die Formen werden markanter, die Hänge klarer und aus den sanften Almflächen wird nach und nach eine winterliche Berglandschaft mit schärferen Konturen. Rücken und Mulden treten deutlicher hervor, erste Felsen ragen aus dem Schnee, an den Geländekanten haben sich kleine Wechten gebildet. Die Schneeflächen wirken weiter und zugleich gezeichneter, darüber heben sich die Flanken der umliegenden Berge scharf und kühl vom Himmel ab. Bis hierher war vieles weich und fließend. Jetzt zeigt sich rundherum immer deutlicher der hochwinterliche Charakter der Berge.

Manlitzkogel_Skitour_Aufstieg
Ab der Stoffen-Hochalm präsentiert sich die Bergwelt zunehmend eindrucksvoll, mit weiten Schneeflächen und felsdurchsetzten Hängen.

Durch das Kar zur Stoffenscharte

Oberhalb der Alm wird das Gelände zunächst wieder sanfter. Im Kar zieht die Route recht flach Richtung Stoffenscharte. Für mich ist das einer der eindrucksvollsten Abschnitte dieser Tour. Ein winterliches Kar hat eine besondere Stimmung. Die Hänge rahmen den Raum, der Schnee liegt in klaren Linien im Gelände und alles wirkt weit, hell und in sich geschlossen. Ich komme hier in diesen wunderbaren Zustand, in dem alles einfach fließt. Schritt. Atem. Blick. Schnee. Mehr braucht es in diesem Moment nicht. Auf solchen Passagen habe ich oft das Gefühl, dass sich die Tour plötzlich von selbst trägt. Nicht, weil es körperlich leichter wird, sondern weil alles einen Rhythmus bekommt, der fast etwas Meditatives hat. Die Bewegung wird fließender, der Atem gleichmäßiger, der Blick richtet sich immer wieder hinauf zur Scharte, welche spürbar näher rückt.

Manlitzkogel_Skitour_Pulverschnee
Der Manlitzkogel ist einer dieser Berge, die nicht sofort alles zeigen – und genau das macht ihn so reizvoll.

Wo der Berg ein anderes Gesicht zeigt

Mit der Stoffenscharte verändert sich die Tour spürbar. Jenseits davon quert die Spur die mittelsteilen Westhänge des Manlitzkogels und mit einem Mal ist man anders unterwegs. Das Gelände verlangt mehr Aufmerksamkeit, die Schritte werden bewusster, der Blick tastet den Hang genauer ab. Kleine Formen und Übergänge treten stärker hervor und was eben noch vor allem weit und winterlich wirkte, zeigt nun mehr Struktur, mehr Richtung, mehr alpinen Charakter. Man merkt: Ab hier beginnt ein anderer Abschnitt der Tour.

Ich bleibe kurz stehen und lasse den Blick über die Hänge gleiten. Der Schnee ist hier nicht mehr einfach nur Fläche, sondern zeigt Bewegung, Wind und Form. Kleine Verfrachtungen, gezogene Linien, feine Übergänge – alles wird lesbarer. Und mit jedem Meter wächst die Vorfreude auf den Gipfelbereich.

Manlitzkogel_Skitour_Winter
Ich genieße dieses Gefühl, fast allein durch die endlose, verschneite Landschaft unterwegs zu sein.

Wo der Hang noch einmal anzieht

Jenseits der Scharte werden die mittelsteilen Westhänge des Manlitzkogels in einer ansteigenden Querung passiert, ehe die Route vor der sogenannten „Zehetner Stange“ kurz steil zum Westgrat hinaufführt. Es ist dieser Abschnitt, in dem die Beine spürbar arbeiten und gleichzeitig die Vorfreude auf den Gipfel noch einmal wächst. Ich mag diese Momente sehr: wenn der Körper gefordert ist und der Kopf gleichzeitig ganz ruhig wird. „Komm, jetzt noch sauber rauf“, flüstere ich zu mir selbst. Sorgfältig setze ich die Ski in die Spur, verlagere das Gewicht, drücke mich aus den Beinen und arbeite mich Kehre um Kehre nach oben. Die Bewegungen werden kleiner, kontrollierter, präziser. Mehr braucht es nicht. Kein großes Pathos. Nur Rhythmus, Konzentration und dieses stille Wissen, dass der Grat jetzt nah ist.

Manlitzkogel_Skitour_Ausblick
In der Ferne zeigen sich die Hohen Tauern, Gipfel an Gipfel gereiht.
Manlitzkogel_Skitour_Bergwelt
Ich kann meine Augen kaum von den gigantischen Bergen lösen, die sich mächtig in den Himmel erheben.

Der finale Anstieg über den Grat

Der weitere Anstieg führt über zwei Gratbuckel hinauf zum Gipfelstock. Der Grat wird schmaler, die Spur zieht sich näher an die Kante und an manchen Stellen hängt der Schnee als Wechte darüber hinaus. Es ist einer dieser Abschnitte, auf denen ich automatisch aufmerksamer werde. Der Tritt wird sauberer, das Tempo etwas bedachter, die Gedanken enger bei dem, was direkt vor mir liegt. Vieles, was weiter unten noch nebenbei mitgelaufen ist, verliert hier oben an Bedeutung.

Ich gehe weiter und merke, wie wenig es plötzlich braucht. Wind. Schnee. Ein paar Meter Spur. Die Hänge fallen zu beiden Seiten ab, vor mir zieht sich der Grat in sanften Wellen weiter zum Gipfelstock. Immer wieder bleibe ich mit dem Blick an kleinen Formen im Schnee hängen, an der Kante, an den Linien, die der Wind hineingezeichnet hat. Es ist kein dramatischer Abschnitt, aber einer, der einen ganz bei sich hält. Alles andere tritt für einen Moment zurück.

Nördlich des Gipfels führt die Route noch durch eine breite, muldenartige Senke. Nach dem schmaleren Grat wirkt dieser Abschnitt fast wie ein kurzes Durchatmen. Das Gelände öffnet sich wieder ein wenig, der Blick wird freier und ich merke sofort: Jetzt ist es nicht mehr weit. Über den flacheren nordostseitigen Zustieg erreiche ich schließlich die letzten Meter zum Gipfel. Ich gehe bewusst langsam, schaue immer wieder rundum und merke, dass ich genau diesen Moment festhalten möchte.

Manlitzkogel_Skibergsteigen
Je länger ich durch diese Winterwelt unterwegs bin, desto mehr habe ich das Gefühl, ganz im Moment anzukommen.

Wenn der Blick keine Worte braucht

Oben am bekreuzten Gipfel des Manlitzkogels bleibe ich erst einmal einfach stehen. Ich sage nichts. Ich fotografiere nicht sofort. Ich schaue nur. Der Atem geht noch ruhig nach, als würde auch er erst langsam ankommen. Und dann entfaltet sich dieses Panorama in seiner ganzen Größe: die Hohen Tauern, die Zillertaler Alpen, der Wilde Kaiser, die Steinberge und das Steinerne Meer, dazu der Dachstein. Ein Rundumblick, der nicht laut beeindruckt, sondern schlichtweg überwältigt. „Unglaublich“, denke ich mir.

Es ist einer dieser Gipfelmomente, in denen sich nicht nur die Aussicht öffnet, sondern auch innerlich etwas weit wird. Ich lehne mich kurz ans Gipfelkreuz, lasse den Blick über die Bergketten wandern und spüre dieses tiefe, stille Glück, das für mich das eigentliche Geschenk eines solchen Tages ist. Vielleicht ist genau das das Schönste an solchen Touren: Dass man oben nicht das Gefühl hat, etwas „geschafft“ zu haben, sondern eher, dass man für ein paar Minuten Teil von etwas Größerem sein darf.

Manlitzkogel_Skitour_Schwarzachengraben
Am Gipfel liegt diese weite, klare Bergwelt plötzlich vollständig vor mir.

Die schönste Linie führt talwärts

Irgendwann kommt der Moment, in dem ich mich vom Gipfel lösen muss. Ich werfe noch einen letzten Blick über die Bergketten, richte die Bindung und denke mir: „Jetzt darf es leicht werden.“ Die ersten Meter verlangen noch einmal Konzentration, vor allem im Gipfelbereich und entlang des Grates. Doch sobald ich wieder in die offenen Hänge komme, löst sich die Spannung. Die Ski greifen, die Schwünge werden flüssiger und aus der konzentrierten Aufstiegsbewegung wird plötzlich etwas Spielerisches.

Gerade weil ich auf demselben Weg zurückfahre, fühlt sich die Landschaft jetzt fast neu an. Das weite Kar, die Almen, der Wald – alles wirkt vertraut und doch anders. Im Aufstieg war da Erwartung und Konzentration, in der Abfahrt wird daraus Freude, Leichtigkeit und dieses tiefe Glück, das nach einem gelungenen Gipfel ganz von selbst entsteht. Als ich an der Stoffen-Hochalm und später an der Stoffen-Grundalm vorbeikomme, schaue ich noch einmal zurück nach oben und denke: „Schon verrückt, dass ich da gerade oben war.“ Durch den Wald und hinaus auf die Almstraße klingt die Tour langsam aus. Mit jedem Meter Richtung Tal wird die Umgebung wieder weicher – und gleichzeitig bleibt innerlich noch lange diese klare, ruhige Weite des Tages zurück.

Manlitzkogel_Skitour_Glemmtal
Noch einmal nehme ich die Berge bewusst in mich auf, bevor ich die Ski in den Schnee setze und mich auf den Rückweg mache.

Eine Tour, die sich Zeit nimmt

Fazit zur Tour: Der Manlitzkogel ist eine Skitour, die vor allem durch ihre stimmige Dramaturgie lebt. Vom ruhigen Einstieg über die stillen Almflächen und das weite Kar bis hin zum alpinen Gipfelgrat entwickelt sich die Tour Schritt für Schritt. Nichts wirkt überladen, nichts aufgesetzt – vielmehr entfaltet sich der Berg langsam und genau das macht seinen Reiz aus. Auch die Abfahrt fügt sich stimmig in dieses Gesamtbild ein. Entlang des Aufstiegswegs zurückzufahren ist jederzeit möglich und landschaftlich bereits sehr lohnend. Wer jedoch sichere Verhältnisse antrifft, findet deutlich abwechslungsreichere Möglichkeiten.

Besonders reizvoll ist die steile Einfahrt in die Osthänge oder – etwas defensiver gewählt – die Abfahrt etwas südlich vom Gipfel ins Manlitztal. Von dort folgt ein kurzer Gegenanstieg in die Scharte zwischen Manlitzkogel und Rabenkopf. Anschließend eröffnet sich eine ausgesprochen schöne Abfahrt: zunächst durch eine mittelsteile Rinne, dann über weitläufige, gleichmäßig geneigte Hänge entlang des freien Nordrückens des Manlitzkogels. Der untere Abschnitt führt schließlich über einen steileren, schütter bewaldeten Nordhang hinunter zur Schwarzache. Nach einer passenden Bachquerung erreicht man auf einem leicht ansteigenden Almweg wieder die Stoffen-Grundalm und gelangt von dort über den bekannten Anstiegsweg zurück zum Ausgangspunkt.

Write a response

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Close
Close