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Tagestrip zur Insel Gozo: Unterwegs auf Maltas kleiner Schwester

Das Wasser schäumt, die Wellen brechen sich am Schiffsbug. Ein sanftes Schaukeln, die salzige Meeresbrise und Blicke, die sich in der Weite des Ozeans verlieren. Langsam rückt der Hafen von Mgarr näher. Gozo, die zweitgrößte Insel der Republik Malta, liegt direkt vor uns. Während unser Auto im Bauch des Schiffes weilt, steigt auf dem Deck die Vorfreude auf unsere Rundfahrt über die kleine, beschauliche Schwester Maltas. Die Gozitaner, wie sich die Einwohner der Insel selbst nennen, legen großen Wert auf ihre eigene Identität. Gozo gehört zwar zum Inselarchipel Maltas, hat aber einen viel besseren Boden und fruchtbareres Klima. Die Landschaft ist unverbauter, der Tourismus weniger präsent und die traditionelle maltesische Kultur noch allgegenwärtig. Eine Reise nach Gozo ist wie ein Sprung in eine andere Welt.

Wissenswertes

Gozo im Überblick

Auf Gozo leben circa 31.000 Einwohner. Die Fläche der Insel beträgt 67 Quadratkilometer. Von Küste zu Küste fährst du auf Gozo maximal 14 km. Die kleine Insel hat den Ruf, ursprünglicher und ruhiger als die große Nachbarinsel zu sein und hat vor allem landschaftlich und kulturell einige interessante Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Der Name Gozo ist seit dem 14. Jahrhundert gebräuchlich. Im Juli 1551 kam es zu einem schweren Angriff der Türken, welche alle rund 5000 arbeitsfähigen Bewohner als Sklaven nach Libyen verschleppten.

Gozo stellte zur damaligen Zeit einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar, da dort der sogenannte „Malteserschwamm“, eine Pflanze mit blutstillender Wirkung, geerntet wurde. Nach dem verheerenden Einfall der Türken ließ der Malteserorden die Befestigungsmauern der Insel verstärken. Bis zur Übernahme Napoleons blühte Gozo wieder auf, die Dörfer wurden besiedelt und zu Städten ausgebaut, neue Gebäude und zahlreiche Kirchen wurden errichtet. 

Anreise und Transport vor Ort

Die Überfahrt mit der Autofähre von Cirkewwa im Norden der Hauptinsel Malta nach Gozo dauert circa 20 Minuten. Wenn du kein Auto nach Gozo mitnimmst, kannst du auch die Gozo Fast Ferry von Valletta nutzen. Bei dieser Variante erreicht du die Insel Gozo nach rund 45 Minuten. Ich würde das Auto als Transportmittel jedoch unbedingt empfehlen, da du damit am flexibelsten bist. 

Schiff_Gozo
Mit der Autofähre setzen wir von der Hauptinsel Malta auf Gozo über.

Wie viel Zeit sollte man für Gozo einplanen?

Gozo kann entweder an einem einzigen Tag oder über mehrere Tage hinweg erkundet werden. Viele Touristen unternehmen lediglich einen Tagesausflug auf die Nachbarinsel Maltas. Ideal wären meiner Ansicht nach zwei Tage, um entspannt alle Highlights der Insel besuchen zu können.

Sehenswürdigkeiten

Hauptstadt Rabat (Victoria) und Zitadelle

Es dauert nur wenige Sekunden, bis ich den Kopf nach rechts wende. Unweit des Eingangsportales der Zitadelle steht die mächtige Kathedrale Santa Marija. Sie fesselt sofort meine Aufmerksamkeit. Mein Blick folgt den zahlreichen Stufen bis zu den zwei schwarzen Statuen, die das Haupttor bewachen. Entlang der Kalksteinfassade wandert er bis hoch zur Spitze des schlichten Barockbaus, der 1716 geweiht wurde. Baumeister der Kathedrale war der maltesische Architekt Lorenzo Gafà. 

Im Inneren des barocken Kirchenbaus werde ich plötzlich stutzig. Ich lege meinen Kopf weit in den Nacken und betrachte das Deckengemälde. An eine Kuppel kann ich mich gar nicht erinnern. Tatsächlich wäre dies überhaupt nicht möglich, denn die illusionistische Malerei zeigt das Innere einer Kuppel, die wegen fehlenden finanziellen Mitteln nie gebaut wurde. Hier hat sich der Künstler einen wahren Geniestreich erlaubt. 

Wir verlassen die Kathedrale und schlendern über die dicken Festungsmauern mit herrlicher Fernsicht über die Stadt. Die Zitadelle wurde auf einer Anhöhe oberhalb der Hauptstadt Rabat errichtet. Als ich durch die schmalen Gänge flaniere, streife ich mit meinen Fingerspitzen über die meterhohen Wände. Immer wieder kommen wir während unseres Rundganges an Brachflächen und Felstrümmern vorbei. Doch ein Teil der zerstörten Gebäude wurde im Auftrag der maltesischen Regierung umfassend restauriert. Mittelalterliche Häuser, kleine Paläste aus der Ritterzeit und sogar ein Gefängnis erzählen heute von der bewegten Geschichte der Zitadelle.

Schon in der Bronzezeit gab es hier erste Siedlungen. Über dem Tempel der Römer entstand im Mittelalter eine Burg, die durch den Angriff der Türken 1551 stark beschädigt und nie wieder völlig instand gesetzt wurde. Die Johanniter erweitern die Wehrburg lediglich um einige Bastionen sowie die Bauwerke am Platz vor der Kathedrale. Die Bewohner allerdings verließen die Zitadelle im 19. Jahrhundert. Heute kann man in der Anlage einige Museen wie das Kathedralenmuseum, das Gozo Nature Museum, das Gozo Museum of Archaeology sowie das alte Gefängnis besichtigen. Das Gran Castello Historic House vermittelt einen guten Eindruck der gozitanischen Alltagskultur.

Der Zugang zur Zitadelle ist übrigens kostenlos. Wenn du jedoch eines der Museen besichtigen möchtest, musst du natürlich ein Eintrittsgeld bezahlen.

Mein Tipp: Für eine Pause lohnt sich die Einkehr im Restaurant Ta‘ Rikardu innerhalb der Zitadelle. Besonders schön ist die Aussicht von der Terrasse im obersten Stockwerk.

Im Anschluss an den Besuch der Zitadelle kannst du durch die Straßen der Stadt schlendern. Die Hauptstraße Rabats ist die Republic Street mit zahlreichen Geschäften und Restaurants. Den Mittelpunkt bildet der Independence Square, ein beliebter Treffpunkt und Marktplatz.

Zitadelle_Gozo_Malta
Die maltesische Regierung ließ die Zitadelle von Gozo von 2007 bis 2014 aufwändig restaurieren.
Zitadelle_Gozo_Malta
Nach der Belagerung durch die türkischen Truppen begannen die Johanniterritter, die Zitadelle abermals zu befestigen, um Zuflucht und Verteidigung im Falle weiterer Angriffe zu gewährleisten.
Gozo_Zitadelle
Die Zitadelle bietet einen herrlichen Ausblick über die Insel.

Dwejra-Bucht mit Blue Hole, Inland Sea und dem eingestürzten Azure Window

Messerscharf erscheinen die senkrechten Wände der gelben Felsen in der Dwejra-Bucht. Die Naturgewalten erschufen hier eine Küstenlinie voll ungewöhnlicher Schönheit. Nicht selten donnern die Wellen mit voller Wucht gegen die aus Korallen- und Globigerinenkalk bestehenden Felsgestalten. Der Boden ist mit versteinerten Muscheln und Meeresschnecken übersät. 

Hauptattraktion der Bucht war früher das berühmte Azure Window, ein durch Natureinflüsse entstandenes Felsentor. Der markante Kalksteinfelsen war eine beliebte Filmkulisse und sogar in der Serie „Game of Thrones“ zu sehen. Am 8. März 2017 kam es jedoch zu einer Tragödie und die 50 Meter hohe Felsformation brach während eines schweren Sturmes in sich zusammen. Binnen kürzester Zeit verschlang die Gischt das einstige Wahrzeichen Maltas und Gozos. Seither klafft nicht nur an der Einsturzstelle, sondern auch im Herzen vieler Malteser eine schmerzhafte Lücke. 

Dwerja_Bucht_Gozo
Das berühmte Azure Window ist den Naturgewalten zum Opfer gefallen.

Doch auch ohne dieses Meisterwerk der Natur erfreut sich die zerklüftete und stark verkarstete Bucht großer Beliebtheit. Vor der Küste steht der sogenannte Fungus Rock, ein 20 Meter hoher eindrucksvoller Felsblock, auf dem eine schwammartige Pflanze wächst, die früher irrtümlich für einen Pilz gehalten wurde. Zu Zeiten der Ordensritter galt sie als Heilpflanze und wurde mitunter zur Blutstillung genutzt. Der damalige Großmeister lies sogar eine Art Seilbahn vom rund 50 Meter entfernten Ufer errichten, damit man die geernteten Pflanzen bequem transportieren konnte. Heute weiß man, dass der „Malteserschwamm“ über keinerlei heilsame Wirkung verfügt.

Eine weitere interessante Felsformation ist das „Blue Hole“. Was auf den ersten Blick wie ein felsiges Schwimmbecken im azurblauen Meer aussieht, ist in Wahrheit eine natürliche Felsformation, die in Form eines Schlotes bzw. eines aufrechten Rohres etwa 15 Meter ins Meer hinab reicht. Erst auf etwa 7 Metern Tiefe öffnet sich der Kamin zum offenen Meer. Korallen, Schwämme, Zackenbarsche, Makrelen und Algen im und rund um das Blue Hole machen es zu einem beliebten Tauchspot.  

Die kleinen, typisch maltesischen Luzzu-Fischerboote wippen am Seeufer. Sie warten auf Touristen, die zum Fungus Rock fahren möchten. Das Wasser schimmert in einem erdigen Grünton. Eine kleine Bar lädt zum Verweilen ein. Hohe Klippen trennen den kleinen Salzwassersee, Inland Sea genannt, vom offenen Meer. Eine natürliche Öffnung im Fels sorgt jedoch für einen ständigen Wasseraustausch. Der See und auch der Tunnel sind bei Tauchern äußerst beliebt.

Dwejra Bay_Inland Sea
Der Inland Sea ist ein natürlich entstandener Salzwassersee. Über einen Tunnel ist er mit dem Mittelmeer verbunden.

Mein Fazit: Für einen kurzen Zwischenstopp ist die Bucht auf jeden Fall zu empfehlen. Zugegeben habe ich mir aber etwas mehr erwartet. Den See fand ich optisch wenig ansprechend und auch sonst haben wir nicht viel Zeit gebraucht, um die Highlights gesehen zu haben. Der Ort ist außerem sehr touristisch. Ich kann mir gut vorstellen, dass man die Schönheit der Landschaft bei einer Wanderung fernab von den Hotspots besser genießen kann. Da wir die Fähre zurück nach Malta erwischen mussten, war dafür leider keine Zeit. Zum Wandertipp an der Dwerja-Bucht
Wenn du im Blue Hole schwimmen möchtest, einen Bootstrip zum Fungus Rock einplanst oder einen Tauchgang unternehmen willst, solltest du einen längeren Stopp an der Dwejra-Bucht einkalkulieren.

Ramla Bay

Meine Zehen vergraben sich im orangerot leuchtenden, feinkörnigen Sand. Es ist ein befreiendes und wohliges Gefühl. Das sanfte Meeresrauschen ist wie Musik. Die zarte Farbe des Strandes und das kräftige Türkisblau des Meeres ergeben eine beeindruckende Farbkombination. Die Sonne kitzelt die Haut. Das Wasser ist ganz klar. Wie ein Fenster zur Unterwasserwelt. Kalt und prickelnd. Links und rechts wird die idyllische Bucht von sanften Hügellandschaften eingerahmt. Die Ramla Bay zählt sicherlich zu den schönsten Stränden auf Gozo und ist dementsprechend beliebt. Dein Auto kannst du kostenlos entlang der Straße zur Ramla Bay parken.

Unweit der Bucht befindet sich die Tal-Mixta Cave mit spektakulärer Aussicht. Man überblickt die gesamte Ramla Bay und das Ramla-Tal. Die Höhle wird häufig mit der Calypso Cave verwechselt, welche sich auf der anderen Seite der Ramla Bay befindet. Wenn du die Höhle besuchst, respektiere die Natur und hinterlasse keinen Müll. Du erreichst die Höhle am einfachsten mit dem Auto.

Strand_Ramla_Bay
Der Strand der Ramla Bay ist sicherlich der schönste auf Gozo.
Ausblick_Ramla_Bay
Der Strand der Ramla Bay ist bekannt für seinen rötlich-goldenen Sand.
Ramla_Bay
Die Ramla Bay liegt im Nordosten der Insel Gozo. Sie ist etwa 500 Meter lang und 50 Meter breit. Während der Hauptsaison gibt es am Strand eine kleine Snackbar und einen Liegestuhlverleih.
Höhle_Ramla_Bay
Von der Höhle blickt man direkt auf die Ramla Bay, das fruchtbare Ramla-Tal und den Strand.

Salzpfannen entlang der Xwejni-Bucht

Ihre unregelmäßige, bizarre Form erinnert an ein Schachbrett. Die flachen gelben Bassins, die man in der in der Xwejni-Bucht in Qbjjar westlich des Touristenortes Marsalforn findet, sind sogenannte Salzpfannen. Sie stammen aus dem 18. Jahrhundert und dienen seither der Salzgewinnung. Dabei sammelt sich Meerwasser in den Pfannen, welches von der Sonne getrocknet wird und einen weißen Rückstand hinterlässt. Wer die Einheimischen bei ihrer Arbeit beobachten möchte, sollte in den Sommermonaten vorbeikommen. 
Anreise zu den Salzpfannen mit dem Auto: Zum Google Maps Routenplaner

Salzpfannen_Gozo
Die Salzgewinnung in der Xwejni-Bucht geht bereits auf die Römerzeit zurück.
Gozo_Salzpfannen
Im Sommer kann man dabei zusehen, wie die feuchte Salzmasse zunächst zusammengekehrt und im Anschluss getrocknet und gemahlen wird.
Malta_Gozo_Salzpfannen
Aus der Entfernung erinnern die Salzpfannen an Pfützen.

Weitere Highlights auf Gozo

Wenn du noch etwas Zeit übrig hast, kann ich dir noch folgende Sehenswürdigkeiten empfehlen:

  • Die Tempel von Ggantija geben einen spannenden Einblick in die Megalithkultur Maltas. Die Anlage stammt aus der Zeit von 3600 vor Christus und ist damit die älteste Kultstätte des gesamten Inselarchipels. 
  • Die Ta‘ Pinu Basilika ist der berühmteste Wallfahrtsort für Malteser und liegt etwa 700 Meter entfernt vom Ort Għarb.
  • Auf Gozo gibt es zahlreiche Tauchschulen, die Kurse und begleitete Tauchgänge zu den schönsten Tauchplätzen anbieten.
  • Gozo hat mit Ausnahme der Ramla Bay kaum attraktive Strände zu bieten. Wenn du dich aber dennoch nach Erholung und einem Sprung ins kühle Nass sehnst, kannst du in der Marsalforn-Bucht, der Ħondoq-Bucht oder auch der Xwejni-Bucht baden. 

Essen und Trinken

Neben der maltesischen Küche gibt es auch gozitanische Spezialitäten wie Ġbejna, ein typisch gozetanischer Käse aus Schafs- oder Ziegenmilch. Auch Ftira ist ein beliebter Snack aus gozitanischem Brot, das üblicherweise mit Füllungen wie Sardinen, Thunfisch, Kartoffeln, frischen Tomaten, Zwiebeln, Kapern und Oliven gegessen wird. 

Essen und Trinken auf Gozo:

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