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Piran: venezianische Altstadtromantik an der slowenischen Küste

Ich sitze auf einem großen Steinblock entlang der Uferpromenade. Eine leichte Brise weht mir ins Gesicht. Es liegt ein bekannter Duft in der Luft. Ein besonderer Mix aus Fisch, Salz und Sonnencreme weckt Erinnerungen an meinen letzten Aufenthalt am Meer. Zwei turbulente Jahre sind seither vergangen. Meine Haare tänzeln im Wind. Ich schließe die Augen und genieße den Moment. Es fühlt sich herrlich unbeschwert an. Frei wie die Möwen, die über meinem Kopf ihre Kreise ziehen. Meine Blicke wandern zum Hafen, wo die Schiffe ungeduldig auf und ab wippen. Und zu den bunten Häusern mit den typischen Fensterläden, die man im Süden oft sieht. Piran ist ein Ensemble von slowenischer Gelassenheit, italienischer Baukunst und südländischem Flair. Ein Kleinod, das wie ein Gesamtkunstwerk eines genialen Architekten erscheint. Und doch erzählt jede Gasse, jedes Gebäude und jeder Winkel seine eigene Geschichte.

Wissenswertes

Piran im Überblick

Piran liegt im äußersten Südwesten Sloweniens an der adriatischen Küste auf dem slowenischen Teil der istrischen Halbinsel. In Piran leben insgesamt 4150 Einwohner (Stand 2015) zu denen sich im Sommer unzählige Touristen gesellen. Die Amtssprachen in Piran sind Slowenisch und Italienisch. Die Nachbarstadt Portorož ist ein beliebter moderner Ferienort, in dem vor allem Badegäste nächtigen. Die Währung Sloweniens ist seit 2007 der Euro.

Der Name „Piran“ wird von manchen Historikern auf das griechische Wort „Pyros“, Feuer, zurückgeführt und soll sich auf ein Leuchtfeuer beziehen, welches in der Antike auf der Landzunge brannte, um den Schiffen den Weg zu weisen. 178 vor Christus wird die istrische Halbinsel von den Römern erobert, die Piran der römischen Kolonie „Aquileia“ unterstellen. Als das römische Imperium Ende des 5. Jahrhunderts untergeht, wird eine dichtere Besiedlung des Gebietes eingeleitet. Im 7. Jahrhundert steht Piran unter byzantinischer Herrschaft und die urbane Entwicklung der Stadt nimmt ihren Lauf, sodass „Piranium“ erstmals schriftlich erwähnt wird. In der Zeit des Mittelalters ist Piran von unterschiedlichsten Regentschaften geprägt. So wird Piran 788 Teil des Frankenreiches, 843 in das Italienische Königreich eingegliedert und 952 Bestandteil des Heiligen Römischen Reiches, genauer gesagt des Herzogtums Bayern. Zu Zeiten des Mittelalters spielt Piran eine bedeutsame Rolle als Umschlagplatz für Salz, Wein, Öl, Getreide, Holz und Eisen.

Besonders prägend ist jedoch die jahrhundertelange Zugehörigkeit Pirans zu Venedig, welches Ende des 13. Jahrhunderts die Kontrolle über die Küstenstadt übernimmt. Während der venezianischen Herrschaft, die bis Ende des 18. Jahrhunderts anhält, erreicht Piran seine Blütezeit und erzielt hohe Erträge durch den Salzhandel. Noch heute gibt es in Piran jährlich ein Salzfest. Im 19. Jahrhundert fällt Piran an die Habsburger, die Istrien nach dem Ersten Weltkrieg jedoch an Italien abtreten müssen. 1945 wird Piran von der jugoslawischen Armee befreit und 1954 Jugoslawien angegliedert.

Die beste Reisezeit

Piran kann grundsätzlich ganzjährig besucht werden, wobei die beste Reisezeit von Mai bis September ist. Im Juli und August ist nicht nur Ferienzeit und Piran ziemlich voll, es herrschen auch die höchsten Temperaturen des ganzen Jahres. Wenn du sommerlicher Hitze und Touristenmengen wenig abgewinnen kannst und ein wenig flexibler bist, würde ich dir Mai, Juni oder September empfehlen.

Anreise und Transport vor Ort

Die nächsten Flughäfen sind der 80 Kilometer entfernte Ronchi die Legionari (Triest/Italien) sowie der Flughafen Jože Pučnik Ljubljana, der etwa 140 Kilometer entfernt ist. Zugreisende können über den Bahnhof im nahegelegenen Koper anreisen und von dort mit dem Bus nach Piran weiterfahren.
Buslinien verkehren sowohl zwischen den slowenischen Städten (Informationen zu den lokalen Buslinien und den Buslinien nach/aus der Hauptstadt Ljubljana) als auch zwischen Piran und den Nachbarländern Italien (Informationen zu den Buslinien nach/aus Italien) und Kroatien (Informationen zu den Buslinien nach/aus Kroatien). Darüber hinaus kann man beispielsweise mit dem Busunternehmen Flixbus direkt nach Portorož reisen.

Autofahrer müssen darauf achten, dass Parken in der Altstadt von Piran lediglich den Anwohnern vorbehalten ist. Touristen müssen ihr Auto vor den Toren der Stadt in einer der großen Parkgaragen stehenlassen. Wir haben das Auto in der Garage Fornače geparkt und sind von dort zu Fuß in die Stadt gelaufen (ca. 15 Minuten Gehzeit). Alternativ kannst du auch den Gratis-Busshuttle nutzen. Hier findest du alle Infos zu den Parkhäusern.

Wie viel Zeit sollte man für Piran einplanen?

Da wir Piran auf der Durchreise nach Kroatien besucht haben, hatten wir nicht allzu viel Zeit in der Stadt. Es ist leicht machbar, alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt an einem Tag zu besichtigen. Empfehlenswert ist sicherlich, mindestens eine Nacht zu bleiben, um einen entspannten Abend in einem der vielen Lokale verbringen und die Atmosphäre der Stadt genießen zu können.

Sehenswürdigkeiten

Tartini-Platz

Schon der Campanile, der markante Glockenturm, erinnert unweigerlich an das berühmte Pendant in Venedig. Beinahe 500 Jahre, von 1283 bis 1797, gehörte Piran zur Venezianischen Stadtrepublik. Ich schlendere über den Tartini-Platz mit seinen auffallenden Palazzi, dem neoklassizistischen Rathaus, der Stadtgalerie und dem mit reichen Steinverzierungen geschmückten Venezianerhaus. Mit einem Eis in der Hand setze ich mich auf die Steinbank und blicke auf die riesige Bronze-Statue des berühmten Geigenvirtuosen und Komponisten Guiseppe Tartini. Er war es, der diesem pittoresken Platz seinen Namen gab und dessen Geburtshaus an der Ostseite des Hauplatzes steht. Weitere wichtige Gebäude am Stadtplatz sind der der Justizplast und die Kirche Sveti Peter. Zudem gibt es ein kleines und charmantes maritimes Heimatmuseum sowie ein Aquarium, das sich auf die lokale Unterwasserwelt spezialisiert hat.

Da die meisten Menschen an diesem heißen Tag an den Stränden Abkühlung suchen, genieße ich die Dolce Vita in aller Seelenruhe. Schließlich wird es doch ein wenig zu warm und wir beschließen, zu einem der besten Aussichtspunkte der Stadt, dem Campanile, und der dazugehörigen Georgskathedrale hochzusteigen.

Piran_Tartiniplatz
Ein leckeres Eis erfrischt an heißen Sommertagen.
Piran_Tartini-Platz
Die venezianischen Wurzeln verleihen dem Städtchen seinen charmanten Charakter.
Tartiniplatz_Piran
Reiche Steinverzierungen und ein romantischer Eckbalkon im gotischen Ziel kennzeichnen das „Venezianerhaus“, welches ein Händler für seine Geliebte errichten ließ. Die Inschrift „Lassa pur dir“ („Lass sie reden“) verrät, dass der Herr nicht viel auf das Gerede der Leute gab.

Kathedrale St. Georg

Oben angekommen gibt bereits die Aussichtsplattform vor der Georgskirche einen prächtigen Blick auf die Bucht von Triest frei. Über 140 Stufen führen auf den höchsten Punkt des fast 47 Meter hohen Turms. Die Luft ist ein wenig stickig. Schweißperlen sammeln sich auf meiner Stirn. Mein Herz klopft. Die Abenteuerlust lockt uns Stufe um Stufe nach oben. Es ist die verheißungsvolle Sehnsucht nach dem Neuen, dem Unbekannten. Schließlich sehe ich den Himmel und überwinde die letzte Holzstufe hinauf auf das Plateau.

Der Ausblick auf das rote Dächergewirr, den leergefegten Tartini-Platz, die historischen Stadtmauern und das azurblaue Meer ist atemberaubend. An der äußersten Spitze des Kaps, der sogenannten Punta, steht der Leuchtturm. An seiner Stelle soll früher ein Feuer gelodert haben, welches den griechischen Schiffen zur Orientierung diente, und schließlich der Stadt ihren Namen gab (griech. „pyros“ = Feuer). Meine Augen versuchen so viele Details wie möglich zu erfassen. Die Fernsicht reicht bis nach Italien und Kroatien. Was für ein herrlicher 360-Grad-Anblick! Eine Perle an der Adria – das ist Piran unbestritten.

Der Eintritt in den Glockenturm beträgt 2 Euro pro Person. Im Sommer ist er täglich von 8:00 bis 20:00 Uhr geöffnet (Stand 2021).

Piran-Glockenturm-Panoramablick
Das Herzstück der Stadt, der Tartini-Platz, aus der Vogelperspektive
Piran_Slowenien
Die Georgskathedrale steht auf einer kleinen Anhöhe. Auch von hier hat man eine reizvolle Ansicht der Altstadt Piran.
Aussichtsturm_Piran_Altstadt
Piran
In Piran trifft eine salzige Meeresbrise auf venezianisches Flair.
Piran_Blick-vom-Campanile
Piran_Campanile_Stufen
Blick auf das Uhrwerk des Turmes
Piran-Tipps
Die bezaubernde Altstadt Pirans liegt direkt am türkisblauen Meer. Am Hügel thront die historische Stadtmauer.

Nach dem Besuch des Turmes werfen wir noch einen Blick in die Domkirche des Heiligen Georg mit insgesamt sieben Marmoraltären sowie Gemälden von italienischen und holländischen Malern. Wann genau die Kirche errichtet wurde, ist ungewiss. Sicher ist jedoch, dass sie im 14. Jahrhundert geweiht und im 17. Jahrhundert im Stil des venezianischen Barocks verändert wurde. Der Campanile wurde zwischen 1600 und 1615 gebaut. Im Anschluss an den Besuch der Kirche schlendern wir durch das schmale Altstadtlabyrinth.

Altstadt mit Uferpromenade und Franziskanerkloster

Pastellfarbene Häuser mit hölzernen Fensterläden und eisernen Balkonen stehen dicht an dicht in den engen Gassen. Üppige Steinornamente und -verzierungen schmücken die bunten Fassaden. Die frisch gewaschene Kleidung baumelt über unseren Köpfen an der Wäscheleine. Schließlich erreichen wir die Uferpromenade Prešernovo nabrežje. Hier kann man in einem der zahlreichen Restaurants und Cafés mit Blick auf das Meer den Hunger stillen. Während sich die einen am abwechslungsreichen Gastronomieangebot laben, wagen die anderen einen kühnen Sprung ins erfrischende Nass. Denn unweit der Uferstraße befindet sich auch einer der Stadtstrände Pirans. Am Ende der Promenade gelangt man erneut zum Hafen, wo die Schiffe im sanften Takt des Meeres schaukeln. Bevor wir zur Stadtmauer marschieren, machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Minoritenkloster des heiligen Franziskus. Es wurde höchstwahrscheinlich noch vor 1301 gegründet und wird seither von Franziskanern bewohnt. Besonders sehenswert ist der quadratische Renaissancekreuzgang im Innenhof.

Piran_Uferpromenade
Die quirlige Uferpromenade lädt zum Verweilen ein.
Piran-Haeuser

Stadtmauer

Auf der Anhöhe „Mogoron“ im südöstlichen Teil Pirans thronen mehrere gut erhaltene Wehrtürme der alten Stadtmauer. Darüber hinaus blieben bis heute insgesamt sieben Stadttore erhalten. Diese befinden sich an verschiedenen Plätzen in der historischen Altstadt. Die Mauerreste auf dem Hügel über Piran sind noch gut erhalten und können besichtigt werden. Eine Mauer zum Schutz wurde erstmals im 7. Jahrhundert des frühen Mittelalters errichtet. Da sich die Stadt immer weiter ausdehnte, musste diese mehrmals versetzt werden. Die heutige Stadtmauer stammt aus den Jahren von 1470 bis 1533. Bei deinem Besuch spazierst du entlang des 200 Meter langen Mauerstücks und genießt die herrliche Aussicht auf die Altstadt. Neben dem Campanile zählt die Stadtmauer zu den besten Fotospots. Auf der Website findest du alle Informationen zu den aktuellen Öffnungszeiten und Preisen.

Piran_Aussichtspunkt-Stadtmauer
Eine Kulisse wie auf der Postkarte
Piran_Stadtmauer-Aussicht
Für diesen Anblick haben sich die Schweißperlen des Aufstiegs gelohnt.

Strände in Piran

Vorneweg: Piran ist keine klassische Badedestination. Es gibt zwar ein paar Strandabschnitte in der Stadt, allerdings sind diese nicht wirklich reizvoll. Wer in der Nähe von Piran einen Badeurlaub plant, sollte auf das benachbarte Portorož ausweichen. An folgenden Plätzen kannst du in Piran baden:

  • Strand Fornače: Kies, Beton und Felsen säumen den Strand Fornače, der sich südlich des Hafens in Richtung Portorož befindet. 
  • Stadtstrand Piran: In der Nähe des Hafens liegt ein Betonstrand, von dem aus man über Leitern ins Meer einsteigen kann.
  • Strand Punta: Unweit des Leuchtturms gibt es einen weiteren Betonstrand mit gutem Eingang ins Meer.
  • Strand Fiesa: Piran und der Vorort Fiesa sind durch einen ruhigen und schönen Strandabschnitt miteinander verbunden, der bis zur Bucht von Fiesa reicht. In Fiesa gibt es darüber hinaus zwei Badeseen.

Essen und Trinken

Die Küche in Piran ist vor allem mediterran geprägt. Aufgrund der direkten Lage am Meer sind Fisch und Meeresfrüchte besonders frisch und beliebt. Apropos Meer: unmittelbar an der Uferpromenade befinden sich unzählige empfehlenswerte Restaurants.

Essen und Trinken in Piran:

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