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Dreigestirn im Salzkammergut: Gennerhorn, Gruberhorn und Regenspitz

Endlich ist es so weit. Mit jedem Schritt schieben sich die hölzernen Balken zunehmend ins Blickfeld. Die Latschenfelder lichten sich und geben die Aussicht auf die sanften Berghänge frei. Die Anstrengung des Aufstiegs verblasst schlagartig. Erfasst von einem Gefühl der Freiheit, Ehrfurcht und Erhabenheit, geraten für einen kurzen Augenblick alle Alltagssorgen in Vergessenheit. Die Welt scheint sich um meinen kleinen Beobachtungsposten zu drehen. Meine Augen verlieren sich in der endlosen Weite. Bei dem Gedanken, aus eigener Kraft hier hoch gelaufen zu sein, empfinde ich eine tiefe Zufriedenheit. Mit Stolz erfüllt stehe ich einfach still, während mein Herzschlag zusehends langsamer wird. 

Ein Fest für Gipfelsammler

Sammeln war schon immer eine Leidenschaft von mir. Waren es früher Münzen oder Glückwunschkarten, so sind es heute Gipfelkreuze. Endlich oben am Gipfel zu stehen, ist ein Gefühl mit Suchtpotenzial. Während mir die Welt zu Füßen liegt, überschwemmen Endorphine meinen Körper. Es ist ein Ausbruch aus dem selbstproduzierten Kokon des Alltags, bei dem man plötzliche eine andere Perspektive auf die Dinge bekommt. Mehrgipfel-Touren sind daher ein besonderes Erlebnis für mich, weil man dieses berauschende Hochgefühl in kurzen Abständen immer wieder durchleben darf.  

BergGennerhorn, Gruberhorn und Regenspitz
1735 m, 1732 m und 1675 m
Hintersee, Salzburg
WandernSchwierigkeit: mittel
Dauer: 6 Stunden
Länge: 14 Kilometer
Aufstieg/Abstieg: 1200 Höhenmeter
Höhenprofil & Karte
HütteHinterleit’n Hütte (Gruberalm)
Grubenbachhütte (Gruberalm)
Mayerlehenhütte (Gruberalm)
Posch’n Hütte (Genneralm)
Reithütte (Genneralm)
AnfahrtParkplatz Lämmerbach
Zum Google Maps Routenplaner

Gennerhorn: „Wie steil ist das denn?“

Der erste Gipfel des Tages, das Gennerhorn, zeigt sich von seiner steilen und felsigen Seite. Anfangs noch moderat, wird der Anstieg über die Ostflanke zusehends schweißtreibender. Ich erinnere mich daran, dass ich im vergangenen Jahr einen Bericht über eine Skitour hier hoch gelesen habe. Nun wird mir klar, warum diese als „schwierig“ eingestuft wurde. Wenn ich mich schon in Bergschuhen hier hoch quäle, habe ich größten Respekt vor allen, die dies auf zwei Brettern tun. Auf Zehenspitzen gehend, versuche ich im rutschigen Schotter Halt zu finden. „Jetzt kann es ja nicht mehr weit sein“, motiviere ich mich, als wir vom Fels in die Latschenfelder wechseln. Und tatsächlich stehen wir kurze Zeit später unter dem ersten Gipfelkreuz. 

Genneralm
Nach einer Wanderung durch den Wald erreicht man die malerische Genneralm, wo verschiedene Hütten zur Einkehr laden.
Ausblick auf die Genneralm
Rund um die Genneralm finden sich zahlreiche schöne Gipfelziele, die ich besonders gerne in der Übergangszeit erkunde.
Ostseite Gennerhorn
Auch wenn er von der Ferne aus betrachtet nicht so steil wirkt, so ist der Osthang des Gennerhorns kein Zuckerschlecken.

Rezept zum Glücklichsein

Und da ist es wieder, dieses Gipfelgefühl. Plötzlich tun mir meine Beine nicht mehr weh und ich spüre, wie die Glückshormone ins Blut schießen. Jegliche Anspannung weicht aus meinem Körper, während ich in einem Gefühl der Unendlichkeit versinke. Am liebsten würde ich diesen Moment in die Länge ziehen, ihn nie wieder aufhören lassen. Die Sicht ist heute ungetrübt und meine Augen hüpfen von einem Punkt zum nächsten. Ich setze mich auf die Holzbank und lasse meinen Blick über die Gipfel von Dürlstein, Hoher First, Trattberg, Schlenken, Schmittenstein, und Königsberger Horn schweifen. Die angezuckerten Spitzen des Tennengebirges, von Hochkönig und Göllmassiv erheben sich in weiterer Ferne. Doch die Zeit steht nicht ewig still und so erreichen immer mehr Wanderer unsere kleine Oase der Ruhe. Zeit, weiterzugehen.

Panorama vom Gennerhorn
Die Aussicht vom Gennerhorn ist durch seine exponierte Lage absolut fabelhaft.

Gruberhorn: Warteschlange zum Gipfel

Der Abstieg vom Gennerhorn über den Westhang ist eine unerwartete Rutschpartie. Vom Schnee durchfeuchtete Wurzeln und spiegelglatte Felsen lassen meine Euphorie verblassen und stellen mich auf eine harte Geduldsprobe. Zögerlich suche ich nach geeigneten und sicheren Tritten. Die Situation ruft Unbehagen in mir hervor. „So macht das wirklich keinen Spaß!“, verschaffe ich meinem Ärger Luft. Zeitgleich drängen immer mehr Wanderer an uns vorbei, die das Gennerhorn von dieser Seite besteigen. Als wir endlich den Sattel erreichen, sind meine Nerven ziemlich strapaziert. Der Anblick von unzähligen Gruppen, die sich vom Sattel in Richtung Gruberhorn aufmachen, verdirbt mir die Freude. Wenn ich eines nicht leiden kann, sind es Menschenmassen am Berg. Ich versuche meine Enttäuschung mehr schlecht als recht hinunterzuschlucken. Der schmale Pfad auf das Gruberhorn führt zunächst durch Latschenfelder und später über Schrofengelände, plattige Fels- sowie Holzstufen nach oben. 

Ausblick vom Gruberhorn
Vom Gruberhorn zieht sich der Grat in nord-weststliche Richtung weiter zum Regenspitz.
Die Osterhorngruppe versprüht einen besonderen Reiz. Dazu trägt auch die fulminante Weitsicht bei.

Worum es wirklich geht

Weil sich am Gipfel unzählige Wanderer tummeln, suchen wir uns ein weniger hektisches Plätzchen inmitten der Latschen. Fernab vom Trubel komme ich ein bisschen zur Ruhe und blende das Tohuwabuhu um mich aus. Hier oben fühle ich mich dem Himmel so nah. Man spürt, wie klein man im Vergleich zur gewaltigen Natur ist. Allmählich verfliegt die Anspannung und ich erlebe wieder jene Klarheit des Denkens, die nirgendwo sonst möglich ist. Während ich abseits im Gebüsch sitze, wird mir bewusst, dass mich die Jagd nach dem Gipfelkreuz manchmal durchaus ermüdet. Dabei sind es genau jene stillen Momente im Zwiegespräch mit sich selbst, die die Faszination des Bergsteigens ausmachen.  

Blick auf das Gennerhorn vom Gruberhorn
Vom Gruberhorn gesehen scheint das Gennerhorn nur einen Katzensprung entfernt.

Regenspitz: Abschalten und Auftanken

Als sich die Scharen am Holzkreuz lichten, schieße ich dennoch mein obligatorisches Foto. Der Verbindungsgrat zwischen Gruberhorn und Regenspitz ist nicht sonderlich schwierig, hat aber einige ausgesetzte Stellen, bei denen man vorsichtig sein sollte. Um zum Regenspitz zu gelangen, umgehen wir zwei Felstürme und erreichen über eine Stufe zuerst die Scharte und dann den Gipfel. Hier ist der Name nicht Programm, denn statt Regen serviert uns der Dritte im Bunde ein herrliches Panorama. Schafberg, Osterhorn, Wieserhörndl, Tennen- und Hagengebirge, Hoher Göll und Untersberg schaffen ein Gefühl von Grenzenlosigkeit. Endlich finde ich jenen Ruhepol, nach dem ich mich so sehr gesehnt hatte. Ich atme tief ein und sauge die Energie dieses Moments auf. Die Zeit scheint für einige Minuten stillzustehen. Ein Glück, das man nicht in Worte fassen kann. Ein Erlebnis, bei dem mir das Herz aufgeht. Kostenlos und nur hier oben zu finden. 

Grat zum Regenspitz
Der Grat zwischen Gruberhorn und Regenspitz geizt nicht mit seinen Reizen und punktet mit tollen Blicken auf die umliegende, sanfte Bergwelt.
Regenspitz Gipfel
Der Regenspitz mit seinen beiden Felshöckern ist unser letztes Gipfelziel.
Sonne Regenspitz
Ein Bankerl, auf dem ich stundenlang in die Ferne blicken könnte ohne auch nur einen einzigen Gedanken an die Sorgen im Tal zu verschwenden.
Regenspitz
Ich riskiere einen letzen Blick, bevor wir uns zum Abstieg bereit machen.

Die gesamte Tour im Überblick:

  • Parkplatz Lämmerbach (830 m) – Genneralm (1279 m): 1 Stunde 15 Minuten
  • Genneralm – Gennerhorn (1735 m): 1 Stunde 20 Minuten
  • Gennerhorn – Gruberhorn (1732 m): 50 Minuten
  • Gruberhorn – Regenspitz (1675 m): 45 Minuten
  • Regenspitz – Feichtensteinalm (1243 m): 50 Minuten
  • Feichtensteinalm – Gruberalm (1036 m): 50 Minuten
  • Gruberalm – Parkplatz Lämmerbach: 45 Minuten

Fazit zur Tour: Die Überschreitung von Gennerhorn, Gruberhorn und Regenspitz ist ein Klassiker und darum äußerst beliebt. Es gibt zahlreiche Einkehrmöglichkeiten auf der Genner- und Gruberalm, sodass auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt. Obwohl sämtliche Gipfel unter der 2000-Meter-Marke liegen, lassen sich durchaus Kilometer und Höhenmeter sammeln. Die Ausblicke von den Gipfeln sind weitläufig und laden zum Verweilen ein. Ich bin vor allem in der Zwischensaison gerne in der Osterhorngruppe unterwegs, da man hier noch anspruchsvolle Touren machen kann, wenn andernorts bereits der Schnee vom Himmel fällt. Wer Menschenmassen meiden möchte, sollte allerdings unter der Woche oder sehr früh unterwegs sein.

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