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Klein, aber oho: Bergtour auf den Sparber

Vorsichtig tapse ich eine Sprosse nach der anderen hinauf. Plötzlich geht alles viel leichter von der Hand. Vor ein paar Monaten saß mir noch ein Kloß im Hals, als ich dieselbe 12 Meter lange Eisenleiter nach oben kletterte. Ein Blick nach unten? Undenkbar! Heute bringt mich nichts ins Wanken. Nicht einmal der stürmische Föhnwind, der mir um die Nase bläst. Es ist Mitte Oktober. Die Blätter sind längst nicht mehr grün, sondern leuchten orange, rot und gelb. Ich drehe meinen Oberkörper und blicke auf die Landschaft. Die Bäume sind mit buntem Laub geschmückt. Die Natur feiert ein Fest der Farben und wir in wenigen Minuten den Gipfelsieg.

Lokalmatador am Wolfgangsee

Mit seinem zweigipfeligen Felshorn macht er dem berühmten Schafberg Konkurrenz, der gleich gegenüber auf der anderen Seite des Wolfgangsees ruht. Auch wenn ringsum alle Gipfel höher sind, so weiß der Sparber ihnen die Schau zu stehlen. Erhobenen Hauptes steht er zwischen Bleckwand und Rettenkogel und beweist, dass man nicht der Größte sein muss, um von sich Reden zu machen.

BergSparber
1502 Meter
Strobl, Salzburg
WandernSchwierigkeit: mittel
Dauer: 3,5 Stunden
Länge: 6 Kilometer
Aufstieg/Abstieg: 820 Höhenmeter
Höhenprofil & Karte
EinkehrGasthof Kleefeld
AnfahrtParkplatz beim Gasthof Kleefeld
Zum Google Maps Routenplaner

Zwischenstopp auf der Dürntalalm

Die großen Kulleraugen des Hirsches folgen uns auf Schritt und Tritt. Ich beobachte die Kinder, wie sie begeistert das Futter an die majestätischen Tiere verteilen. Die Freude steht ihnen ins Gesicht geschrieben. In solchem Momenten möchte man am liebsten wieder selbst Kind sein. Wir wandern vorbei am Gehege des Wildparks beim Gasthof Kleefeld, bis uns der Weg schließlich in den Wald hineinführt. Anfangs noch gemütlich über eine Schotterstraße, folgt schließlich ein steiler Waldpfad in Kehren zur Dürntalalm. 827 Höhenmeter in zwei Stunden lassen den Schweiß aus den Poren strömen. Ich bemühe mich, mein Tempo zu finden und lieber langsam, dafür kontinuierlich, die Serpentinen hochzusteigen. 

Herbst Wanderung Sparber
Der Herbst serviert uns ein kunterbuntes Naturschauspiel.

Ein lachendes und ein weinendes Auge

Der Waldboden ist kunstvoll mit verschiedenfarbigen Blättern tapeziert. Plötzlich höre ich ein Geräusch. Ich zucke instinktiv zusammen. Mein Puls schlägt Purzelbäume. Mein Herz flattert. Das Laub wirbelt zu Boden und erzeugt ein Rascheln, das so klingt, als würde sogleich ein wildes Tier hinter dem Busch hervorspringen. „Kein Grund zur Sorge“, sage ich mir. 

Das stille Vergehen in dem farbigen Reich ist jedes Jahr aufs Neue betörend. Ich genieße die melancholische Stimmung und die Einsamkeit an diesem frühen Morgen. Ein wenig Wehmut macht sich dennoch breit. Denn so langsam drängt sich der Gedanke ins Bewusstsein, dass die Wandersaison bald vorüber ist und der Winter bereits an die Türen klopft.

Der Boden ist feucht und matschig, die Felsbrocken aalglatt. Auch auf der Alm ist der Wanderweg bereits so durchnässt, dass wir lieber querfeldein über die Wiese marschieren. Am Ende der Alm folgt eine letzte, fordernde Passage den Wald hinauf. Über Wurzelgeflecht und laubbedeckte Erde nähern wir uns dem Fels. Ich bin überrascht, wie leicht mir der Aufstieg heute fällt. Kein Krampf, kein Brennen in den Waden. Zur Abwechslung fühlen sich meine Sohlen kurz vor Schluss nicht an, als wären sie aus Blei gegossen. Der Erfolg verpasst meinem Ego einen Schub und versetzt mich in ein tiefes Gefühl innerer Zufriedenheit. Übermütig sprinte ich über die verzweigten Wurzeln der knorrigen Bäume und jauchze vor Vergnügen. 

Ausblick Aufstieg Sparber
Langsam lichtet sich der Wald und wir erhaschen erste Blicke auf den Wolfgangsee und den Schafberg.

Endspurt im Fels

Ein Stahlseil und ein paar Eisenleitern warten bereits darauf, uns zum Gipfel zu geleiten. Ich bin erleichtert, dass es wenigstens hier trocken und der Fels griffig ist. Trotzdem denke ich jeden Schritt voraus und mustere den Untergrund mit Argusaugen. Nach der langen Himmelsleiter sind es nur mehr wenige Meter zum Nord- und Hauptgipfel des Sparbers. Einsam reckt sich das Holzkreuz vor dem Panorama des Wolfgangsees in die Höhe und trotzt dem warmen Sturm. Und obwohl ich heuer bereits hier oben war, ist es wie ein zweites Kennenlernen. Die Farben, das Wetter, die Menschen, mit denen man diese Augenblicke teilt. Ein Gipfel ist niemals derselbe – egal, wie oft du ihn besteigst. Bei jedem Besuch wird er eine andere Facette von sich preisgeben und dich aufs Neue in seinen Bann ziehen. 

Sparber Leiter
Leitern und Seile helfen über die letzten Felsbarrieren zum Gipfel des Sparbers hinweg.

Das Bergelixier

Der Wolfgangsee, einst türkis schimmernd, hat sich in einen azurblauen Mantel gehüllt. Bleckwand, Rettenkogel, Rinnkogel und Schafberg türmen sich im Umkreis auf. Hier oben scheinen alle Alltagssorgen vergessen. Der Gedankenraum ist frei und empfänglich für das berauschende Panorama. Die Fesseln des Alltags lösen sich von den Handgelenken. Die Unruhe im Kopf hat sich längst gelegt, die Atmung verlangsamt. Ich genieße die Stille, nur unterbrochen vom Pfeifen der Luft, die sich um meinen Körper windet. Mein Blick verliert sich in den endlosen Weiten des Salzkammergutes. Plötzlich werde ich aus meiner Gedankenblase gerissen, als zwei Wanderer zu uns auf den Gipfel stoßen. Wir nehmen dies zum Anlass, zum Abstieg aufzubrechen und den Gipfel frei zu machen. Beflügelt von den Eindrücken und mit einem breiten Grinsen marschiere ich zum Ausgangspunkt hinab und freue mich auf die wohlverdiente Einkehr.

Sparber Salzkammergut
Der Sparber ist das felsige Pendant zum Schafberg.
Ausblick vom Sparber Salzkammergut
Eine grandiose Sicht zum Wolfgangsee und auf das Salzkammergut sind der Lohn des steilen Anstieges.
Gipfelkreuz Sparber
Die Tour auf den Sparber erfreut sich meist großer Beliebtheit. Nur der frühe Vogel hat den Gipfel für sich alleine.
Sparber-Gipfelkreuz
Am höchsten Punkt des Matterhorns im Salzkammergut.

Fazit zur Tour: Die Wanderung auf den Sparber eignet sich ideal als Halbtagestour und bietet trotz kurzen Aufstiegs ein fulminantes Panorama auf den Wolfgangsee und das Salzkammergut. Die steile Felshaube am Ende der Wanderung verlangt jedoch Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sowie eine gewisse Erfahrung im Fels. Bei Nässe oder Schnee wird von einer Begehung generell abgeraten. Seilsicherungen und ausgesetzte Leitern bringen Abwechslung in die kurze, aber knackige Bergtour.

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