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Durch die Untersberg-Ostwand: Hochthron-Klettersteig

400 Meter entlang der Ostwand schlängelt sich das Stahlseil raffiniert zum Gipfel des Berchtesgadener Hochthrons empor. Untersberg oder Hochthron – was denn jetzt? Genau gesprochen ist der Berchtesgadener Hochthron der bayrische Hauptgipfel des Untersberg-Massivs. Dieses ist das nördlichste der Berchtesgadener Alpen und liegt teils in Bayern, teils in Salzburg. Das Gegenstück zum Berchtesgadener Hochthron (1972 m) ist die höchste Erhebung auf österreichischer Seite, der sogenannte Salzburger Hochthron (1853 m). 

Auftakt zum Hochthron-Klettersteig

Der Drahtseilakt in der steilen Kalkwand schmiegt sich wunderbar an den natürlichen Fels. Je fundierter die Klettertechnik, desto zügiger können die ausgesetzten Phasen überwunden werden. Immer wieder bietet der Klettersteig die Möglichkeit, auf Tuchfühlung mit dem Felsgestein zu gehen, um Meter für Meter Seillänge hinter sich zu lassen. Die Hochthron-Ferrata spricht jedenfalls den sportlichen Klettersteiggeher an, da sie mit C/D durchaus schwierig bewertet ist und über keinen Notausstieg verfügt.

Der Berg
Berchtesgadener Hochthron
1972 Meter
Bayern, Marktschellenberg
Klettern
Hochthron-Klettersteig (D)
Zustieg: 2,5 h
Abstieg: 3 h
Dauer: 2 h
ca. 390 Höhenmeter im Steig

Anfahrt: Man fährt auf der A10 bis zur Ausfahrt Salzburg Süd, dann in Richtung Berchtesgaden bis Marktschellenberg. Bei der Kirche geht es rechts über eine alte Steinbrücke in den Ort. Nach ca. 200 m zweigt die Straße links zum Ortsteil Ettenberg ab. Über die schmale Ettenberger Straße erreicht man nach ca. 5 km den kostenlosen Wanderparkplatz Hinterrossboden und damit den Ausgangspunkt der Tour. Alternativ kann man von München und der A8 kommend die Ausfahrt Bad Reichenhall nehmen. Über Bad Reichenhall und Berchtesgaden gelangt man ebenfalls nach Marktschellenberg.

Knock-out Kriterium Zustieg

Wir starten am Parkplatz in Ettenberg oberhalb von Marktschellenberg im bayrischen Land. Zunächst marschieren wir auf einem breiten Forstweg, später auf einem Wandersteig in Schleifen aufwärts durch den Wald. Mit 2,5 Stunden ist der Hochthron-Klettersteig sehr zustiegsintensiv, ein erster Warnschuss an alle, die nicht über die notwendige Kondition für diese Tour verfügen. Wir treten aufs Gas und erreichen die idyllisch gelegene Scheibenkaser-Hütte (nicht bewirtschaftet) in der vorgegebenen Zeit (1450 m). Die imposante Untersberg Süd- und Ostwand spielt zweifelsohne die Hauptrolle auf der Bühne des Almkasers. Wir passieren die Holzhütte und folgen dem bezeichneten, leicht ansteigenden Weg, bis letztendlich der Grubenpfad abzweigt. Anschließend durchqueren wir ein Latschenfeld und stapfen über ein Schuttfeld zum Anseilplatz, welcher in einer Nische der steilen Felswand liegt. Das Stahlseil fest umschlungen, starten wir in voller Montur beim Einstieg auf 1580 m.

Scheibenkaser_Alm
Auge in Auge mit der mächtigen Südostwand des Untersberges, welche vom Hochthron-Klettersteig durchzogen wird. Bei genauem Hinsehen kann man bereits die kühnen Kletterer in der Wand erkennen.

Kühne Felsakrobatik am Stahlseil

Bereits die erste Zickzack-Passage im Schwierigkeitsgrad B/C und C trennt die Spreu vom Weizen. Wenn dir hier bereits die Beine schlottern, solltest du jedenfalls umkehren. Über eine luftige Kante gelangen wir zum „Gamsband“, eine harmlose Querung der Plattenrampe, bevor uns die nächste Hürde auf die Probe stellt: der sogenannte „Pfeiler“. Mithilfe zahlreicher künstlicher Tritte und dem Einsatz von Armkraft können wir die glatte und exponierte Wand bezwingen. Das „Genusswandl“ macht seinem Namen alle Ehre. Mit relativ einfachen Zügen, meist zwischen A und B, erreichen wir die Schluchtrinne, welche wir ungesichert durchsteigen (Hierbei ist auf Altschneefelder zu achten.)

Panoramablick für Adrenalinjunkies

Über die Schluchtrampe (B) nähern wir uns dem Aushängeschild des Klettersteigs, dem Fotoquergang (C). Unter den frei schwebenden Fußsohlen bietet sich ein Paradeblick auf die wilden Spitzen des Watzmanns. Mit festem Griff am Stahlseil kannst du hier ein paar kühne Erinnerungsfotos schießen. Ein kurzer A/B-Abschnitt bringt uns zur anspruchsvollsten Kletterpassage der Tour. Das Stück von der „Hanglschuppe“ über die vertikal verlaufende „Rauhe Welt“ bis zum Latscheneck ist eine ziemlich harte Nuss und hat durchaus seine Tücken. Hier muss der Klettersteiggeher an mehreren aufeinanderfolgenden C/D-Passagen seine fitte Muskulatur sowie Nervenstärke unter Beweis stellen. Wir meistern diese Artistennummer und werden mit einer kurzen Verschnaufpause belohnt. Kurz vor dem Ausstieg wartet noch einmal eine letzte C-Stelle, von der wir uns aber nicht mehr abschrecken lassen. Weitere zwei Stunden sind vergangen, als wir den Ausstieg des Klettersteigs erreichen. Geschafft!

Gipfelsieg: am höchsten Punkt des Untersberges 

Angekommen am Gipfelplateau können wir bereits das Gipfelkreuz erspähen. Es befindet sich nur wenige Meter von der Ausstiegsstelle entfernt. Über unseren Köpfen ziehen Alpendohlen ihre Kreise. Wir genießen den wunderbaren Ausblick auf Watzmann, Hochkalter, Hochkönig, Steinernes Meer, Hohes Brett und Hohen Göll. Nach einer kurzen Rast und ein paar Schnappschüssen spazieren wir gemütlich über Latschenfelder zum Stöhrhaus, welches wir nach nur 10 Minuten erreichen. Die auf 1894 Metern Höhe gelegene Hütte lädt zu einer längeren Pause ein. Ein perfekter Zeitpunkt, um die hausgemachten Speisen zu verkosten. Beim Genuss der Schmankerl behalten wir die imposante Bergszenerie stets im Augenwinkel. Schlussendlich ist die Zeit reif und wir denken an den Abstieg. Hierfür kannst du zwischen zwei Varianten wählen.

Gipfel_Hochthron
Nach rund zwei Stunden in der Felswand erreichen wir den Ausstieg des Klettersteigs.

Gipfelkreuz Hochthron Berchtesgaden

Untersberg_Hochthron
Am Plateau angekommen, zeigt sich eine atemberaubende Gipfellandschaft.
Salzburger Hochthron Klettersteig
Das Drahtseil des Hochthron-Klettersteigs führt elegant durch die steile Felswand und endet am höchsten Gipfel des Untersberg-Massivs. Da der Klettersteig mehrere ausgesetzte Passagen hat, ist er nicht für Anfänger geeignet.
Stöhrhaus
Unweit des Gipfels liegt das Stöhrhaus, eine Berghütte des Deutschen Alpenvereins, die zur Einkehr lädt.

Die erste Möglichkeit zum Abstieg ist der Normalweg. Dieser führt über den Stöhrweg zur Leiterl-Scharte (1629 m) und weiter zur Abzweigung des Roßlandersteigs, welcher dich zurück zum Scheibenkaser bringt. Von hier aus kannst du auf dem vertrauten Weg zum Ausgangspunkt absteigen.

Abstieg über das Mittagsloch

Eine weitere Variante für den Abstieg ist das sogenannte Mittagsloch. Das Felsloch liegt nur wenige Minuten unterhalb des Stöhrhauses und wird seit der Errichtung des Hochthron-Klettersteigs immer häufiger begangen. Bereits beim Einstieg wird explizit darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um einen schwierigen, alpinen und teilweise ungesicherten Steig handelt. Diese Abstiegsvariante erfordert Kletterkönnen im schrofigen Gelände (ca. 1+) sowie das Tragen eines Helmes aufgrund von Steinschlaggefahr.

Zunächst führt eine Leiter in die Höhle, deren Boden meist nass und daher rutschig ist. Die Höhle ist nicht sehr tief, sodass jedenfalls ein wenig Tageslicht hineinfällt. Am Ende der Höhle leiten Seilversicherungen (ca. Schwierigkeit B) weiter hinab zum beeindruckenden Wandfuß der Untersberg-Südwand. Zu den Füßen der Felswände quert man eine dünne Wegspur durch Schrofengelände und Geröll. Letztlich gelangt man zurück zum bekannten Scheibenkaser. Ich habe diese Abstiegsvariante selbst getestet und es bevorzugt, mein Klettersteigset anzulegen, sofern es Seilversicherungen gibt. Wer nicht die nötige Erfahrung im Gepäck hat, sollte hier keinesfalls absteigen.

Beide Varianten dauern übrigens gleich lange, rund 3 Stunden sollte man mindestens für den Weg zurück zum Parkplatz einplanen.

Einkehrmöglichkeiten:

Fazit der Tour: Der Hochthron-Klettersteig zählt zu den populärsten Klettersteigen im Berchtesgadener Raum. Wenn man die Genuss-Ferrata in aller Ruhe durchsteigen möchte, sollte man die Wochenenden meiden. Die Schwierigkeit dürfte für erfahrene Klettersteiggeher kein Problem darstellen, jedoch muss die Gesamtlänge der fordernden Tour (reine Gehzeit von 7,5 Stunden) berücksichtigt werden. Eine Übernachtungsmöglichkeit gibt es beispielsweise auf dem Stöhrhaus.

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