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Die Felswand ruft: der Gebirgsvereins-Klettersteig

Die steil nach Süden abfallenden Felswände sind namensgebend für die Hohe Wand westlich von Wiener Neustadt. Zwischen Teppichen aus Gemüsefeldern und Ackerland, umspielt von einer sanften Hügellandschaft, ragen plötzlich bis zu 1000 Meter hohe Felsabbrüche in die Höhe. Während Paragleiter vom Plateau in den Himmel steigen und Wanderer durch den Naturpark streifen, tummeln sich in der Senkrechten zahlreiche Kletterer und Klettersteiggeher.

Ein Eldorado für Klettersteigfreunde

Rund 15 Klettersteige in diversen Schwierigkeitsstufen führen auf das Hochplateau des Karststockes – da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Einer davon ist der Gebirgsvereins-Klettersteig mit der Schwierigkeit C/D (oftmals auch als „D“ eingestuft, was meiner Ansicht nach jedenfalls zutrifft). Seit seiner Eröffnung im Mai 2013 entwickelte sich der anspruchsvolle Via Ferrata schnell zu einem der beliebtesten Klettersteige im südlichen Niederösterreich. Wir starten die Tour beim Parkplatz „Seiser Toni“, einer derzeit geschlossenen Wanderpension, in Grünbach am Schneeberg.

Der Berg
Hohe Wand
1132 Meter
Niederösterreich, Grünbach am Schneeberg 
Klettern
Gebirgsvereins-Klettersteig (D)
Zustieg: 30 min.
Abstieg: 1 h
Dauer: 1,5 h
ca. 200 Höhenmeter im Steig

Anfahrt: Von der Süd-Autobahn A2 kommend, nimmt man die Ausfahrt Richtung Wiener Neustadt West und fährt über die Bundesstraße B26 bis nach Grünbach am Schneeberg. Bei der Dorfkirche biegt man rechts in die Wandstraße ab und hält sich an der nächsten Gabelung weiter rechts, um auf den Josefweg zu gelangen. „Seiser Toni“ ist auf mehreren Wegweisern angeschrieben. Der Weg führt immer steiler durch den Wald hinauf zum Gasthof Seiser Toni. Hier muss man aufpassen, da die meisten Parkplätze gebührenpflichtig sind. Ein Ticket kann beim Parkautomaten vor Ort gelöst werden (Adresse: Theresiastollen 1, 2732 Hohe Wand). 

Gebirgsvereinssteig Klettern
Nur ein kurzes Stück geht es gemächlich voran, bis man die steile „Gelbe Wand“ erreicht.
Übersicht der Klettersteige auf der Hohen Wand
  • Drobilsteig (A)
  • Große Klause (A)
  • Leiterlsteig (A)
  • Springlessteig (A)
  • Völlerin (A)
  • Wagnersteig (A)
  • Zischkasteig (I-)
  • Kleine Klause (Naturfreundesteig) (A/B)
  • Hanselsteig (B)
  • Währingersteig (C)
  • Steirerspur (C)
  • Gebirgsvereins-Klettersteig (D)
  • Wildenauersteig (D)
  • ÖTK-Klettersteig (vormals HTL-Steig) (E)
  • Blutspur (E)

In der Vertikalen auf die Hohe Wand 

Vom Parkplatz des Gasthofes folgt man der Forststraße in Richtung Osten (rechts halten) und zweigt schließlich links auf einen unmarkierten Steig ab. Über diesen marschiert man bergaufwärts bis zur Forststraße, quert diese und wandert weiter bis zum blau markierten Wandfußsteig. Wir halten uns rechts auf dem Wandfußsteig und erreichen nach rund 5 bis 10 Minuten den Einstieg zum Gebirgsvereins-Klettersteig (dieser beginnt dort, wo der Zustieg zum Wildenauer-Klettersteig/Turmsteig abzweigt).

Wir starten in erdigem Gelände mit einer kurzen Steilstufe (B/C) und gelangen bereits nach kurzer Zeit über einen Rücken zur 60 Meter hohen, fast senkrechten Weningerwand (C/D und D). Meine Beine trachten nach geeigneten, natürlichen Tritten im Fels, da die Wand nur mit wenigen Eisenklammern gespickt und vorwiegen natürlich belassen ist. Tiefblicke die abschüssige Felswand hinab sind inklusive. Nach der ersten kräftezehrenden Passage ist nun auch die Armmuskulatur auf Betriebstemperatur. Der Ausstieg aus der Wand wird mit einem eindrucksvollen Schneebergblick belohnt. Arme und Beine dürfen eine wohlverdiente Pause einlegen, denn nun führt die Strecke kommod über einen schmalen Grat (A/B) bis zur wackeligen Seilbrücke. Weniger wagemutig, dafür umso vorsichtiger setze ich Schritt für Schritt auf die eisernen Sprossen der Hängebrücke. Das Stahlseil fest umschlungen, versuche ich, die starken Schwingungen auszutarieren und manövriere hinüber zur gegenüberliegenden Seite.

Beim Überwinden der abschüssigen Felswände ist mentale Stärke und gute Kondition gefragt.
Am Plateau haben wir eine fabelhafte Aussicht auf die markante Felsformation der Hochfallwand. Es ist sogar möglich, die Kletterer am Wildenauersteig zu beobachten.

In der Abwechslung liegt die Würze

Ohne Verschnaufpause schnellt der Adrenalinpegel weiter in die Höhe. Sprosse für Sprosse erklimmen wir die steile Pannoniawand, bis wir schließlich das gemütliche Kyselak-Plätzchen mit dem Gipfelbuch erreichen. Wir gönnen uns eine kurze Rast und Trinkpause, bereits Auge in Auge mit unserer nächsten Prüfung. Die ambitionierte Headwall appelliert an die Kraftreserven in Armen und Beinen, welche man sich bis hierhin noch aufgespart haben sollte. Wer den Überhang hinter sich gelassen hat, gelangt schlussendlich zum Ausstieg des rassigen Klettersteigs. Vom Plateau aus genießen wir das herrliche Panorama über das Wiener Becken.

Ein bisschen erschöpft, aber glücklich, nachdem wir uns am Klettersteig ausgetobt haben.

Unweit vom Ausstieg des Klettersteiges, nur 10 Gehminuten entfernt, befindet sich das Hubertushaus. Aussichtsreich über den Felsflanken der Hohen Wand gelegen, kann man hier an sonnigen Tagen eine wunderbare Weitsicht bis zum Neusiedlersee erleben. Um unsere Kalorienspeicher wieder aufzufüllen, probieren wir uns durch die leckere Hausmannskost. Unsere Wahl für den Abstieg fällt auf den Springlessteig, einen mit Stahlseil gesicherten A-Klettersteig.

Weitere Abstiegsvariante: Einkehr bei der Wilhelm Eichert-Hütte und Abstieg über den Wagnersteig

Einkehrmöglichkeiten:

Fazit der Tour: Der Gebirgsvereinssteig ermöglicht es, die steilen Flanken der Hohen Wand auf spektakuläre Weise zu erklimmen. Man sollte jedoch mit dem Fels vertraut sein und Klettersteig-Erfahrung mitbringen, da es definitiv kein Anfängersteig ist. Die prächtige Fernsicht und die abwechslungsreiche Gestaltung des Steigs rechtfertigen seine Popularität.

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