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Krummbachstein: der stille Bruder des Schneebergs

In der Bergwelt Niederösterreichs herrscht ein Duopol. Zwei Zweitausender. 2076 und 2007 Meter hoch. Zusammen wachen Schneeberg und Rax über ein gigantisches Massiv bestehend aus unzähligen Bergspitzen zwischen 1800 und 2076 Metern. Und obwohl weniger gerühmt als die beiden Riesen, finden sich darunter wahre Perlen des Wandersports.

Außenseiter mit unterschätzten Qualitäten 

Teil dieser „Rax-Schneeberg-Gruppe“ ist auch der Krummbachstein. Mit 1602 Metern Seehöhe liegt er in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schneeberg, von welchem ihn nur der sogenannte Krummbachsattel trennt. Die abwechslungsreiche Tour führt durch schluchtenähnliche Gräben, geruhsame Wälder und raue Felslandschaften hoch auf den ausgesetzten Gipfel.

Der Berg
Krummbachstein
1602 Meter
Niederösterreich, Reichenau an der Rax
Die Tour
Aufstieg Krummbachstein ca. 3 h, insgesamt ca. 6 h
mittelschwere Wanderung
ca. 1050 Höhenmeter
ca. 14,1 km
Höhenprofil & Karte

Anfahrt: Mit dem Auto auf der Semmering-Schnellstraße (S6) bis Abfahrt Gloggnitz, dort Richtung Gloggnitz abbiegen und das Ortsgebiet in Richtung Payerbach-Reichenau durchqueren. Parkmöglichkeiten befinden sich an der Kreuzung der beiden Straßen Schneebergweg und Peter-Altenberg-Gasse (Schneebergweg 1/Peter-Altenberg-Gasse 2-8, 2651 Reichenau an der Rax). 

Wo einst die Holzknechte schufteten

Wir starten unsere Wanderung auf einem kleinen Parkplatz im Schneedörfl bei Payerbach. Dem Wegweiser folgend, marschieren wir zunächst entlang des Schneebergweges und dringen schließlich tiefer in den Wald vor. Die Strecke verläuft mit konstanter, gemächlicher Steigung durch die vom jüngsten Regen durchfeuchteten Wälder. Das Aroma des Waldes, ein Mix aus erdigen und holzigen Gerüchen, gespickt mit der ein oder anderen blumigen Note, steigt uns in die Nase.

Schließlich erreichen wir den Mariensteig, eine kurze, unschwere Felspassage. Wir lassen den Steig hinter uns und durchschreiten nun die wasserlose Felsenklamm „Eng“, einen schluchtenartiger Einschnitt zwischen Gahns und Feichtaberg. Hier herrschte bis in die 1950er Jahre geschäftiges Treiben. Die geschlägerten, massigen Baumstämme wurden anno dazumal entlang einer 7 Kilometer langen Holzriese talabwärts befördert. Ein Teil der historischen Transportrinne wurde renoviert und erinnert an die einst beschwerlichen Waldarbeiten. Wir kehren der Eng den Rücken zu und kommen zu einer Weggabelung, bei der wir linker Hand in Richtung „Naturfreundehaus Knofeleben“ abbiegen.

Servus die Wadln: Aufstieg über den Promischkagraben

Durch den sogenannten Promischkagraben (Mitterberggraben) geht es stetig ziemlich steil inmitten von Lärchen- und Fichtenbäumen bergauf. Bisher kam uns die Tour sehr leicht vor, doch zum ersten Mal wird unsere Atmung schneller. Schweißperlen zieren meine Stirn angesichts der zunehmenden Steigung gepaart mit dem schwülen Klima. Höhenmeter für Höhenmeter kämpfen wir uns durch den abschüssigen Steig und werden schließlich belohnt. Der Wald lichtet sich und wir erspähen bereits das Naturfreundehaus Knofeleben am Ende des Forstweges. Zeit für eine Mittagspause!

Kurz innehalten und die Schönheit der Natur genießen.

Naturfreunehaus Knofeleben: aus Schutt und Asche wieder aufgebaut

Wenn ich etwas schätze, dann ist es eine gute Küche. Im Naturfreundehaus Knofeleben (1250 m) wird ein Mix aus modernen und traditionellen Speisen aufgetischt. Momentan ist Bärlauch-Zeit, was sich auch in der Speisekarte widerspiegelt. Wir ordern eine Portion Bärlauch-Pasta. Die Qualität der Speisen ist herausragend und müssten wir nicht noch den Gipfel erklimmen, hätte ich mir zum Abschluss noch einen hausgemachten Strudel mit Vanillesauce gegönnt. Die Hütte ist übrigens erst 2012 neu eröffnet worden, da sie im Jahr zuvor infolge eines elektrischen Schadens völlig niedergebrannt war. Gut genährt machen wir uns auf, um auf den Gipfel zu steigen.

Ein Stopp beim Naturfreundehaus Knofeleben ist absolut empfehlenswert, denn hier werden köstliche Gerichte kredenzt.

Gipfelweg auf den Krummbachstein

Um auf den höchsten Punkt des Krummbachsteins zu gelangen, nehmen wir nicht den Forstweg, sondern biegen Richtung Westen in den Wald hinein. Die letzte Gehstunde bis zum Gipfel ist steil und zunehmend wandelt sich der lichte Fichtenwald in eine bizarre Landschaft aus Felsen und Geröll. Über den schroffen Felsenkamm kommen wir zum Vorgipfel, von welchem wir bereits das kleine Metallkreuz erspähen können. Nur mehr wenige Felsstufen und wir haben den Gipfelsieg in der Tasche. Hochwechsel und Semmeringberge im Süden, Raxalpe im Westen, Großer Sonnleitstein sowie Hochschneeberg im Norden – vom Krummbachstein genießt man eine umfassende Rundsicht auf die umliegenden Berge. Und das schönste: wir sind ganz alleine hier oben.

An der Waldgrenze angekommen, können wir erstmals einen Blick bis hinab ins Tal erleben.

Am einsamen Gipfelkamm werden wir mit einer bombastischen Aussicht überrascht.

Darf’s ein bisschen Abwechslung sein?

In der Ferne und zwischen dem mittlerweile dichten Wolkenmeer können wir sogar die Zahnradbahn am Schneeberg erkennen. Da ich ein großer Fan von Rundtouren bin, nehmen wir den Abstiegsweg in Richtung Alpenfreundehütte und dann weiter zum Alpeck. Diese Variante ist weniger ausgesetzt und führt uns gemütlich durch duftende Latschenwälder sowie über sanfte Wiesenhänge, bis wir abermals ein langes Stück über den Lackabodengraben durch den dichten Wald zurücklegen. Schlussendlich passieren wir den bekannten Abzweiger und kehren zum schluchtartigen Abschnitt zurück. Der Rest des Weges ist ident mit dem Aufstiegsweg, wenn auch die Sonne uns mittlerweile verlassen hat und stattdessen einige Regentropfen vom Himmel fallen.

Am Gipfel angekommen, ist uns das Wetter leider nicht mehr wohlgesinnt. Nichtsdestotrotz lassen wir uns die Gipfelfreude nicht nehmen.
Stolz thront das markante Metallkreuz am obersten Zipfel des Krummbachsteiner Gipfels.

Fazit zur Tour: Die Wanderung auf den Krummbachstein ist eine vielseitige Tour, die durchaus fordernd ist. Anders als bei Rax und Schneeberg muss man selbst die Beine in die Hand nehmen, um den Gipfel zu erklimmen. Daher ist der Krummbachstein deutlich weniger besucht und noch ein wahrer Geheimtipp in den Wiener Alpen.

Einkehrmöglichkeiten:

 

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