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Grünstein-Klettersteig: wenn der Watzmann ruft

Schönau am Königssee, Ramsau, Bischofswiesen. In den Berchtesgadener Alpen dominieren die Klassiker. Wen es in den südlichsten Zipfel Bayerns verschlägt, der bewegt sich wahlweise zwischen exorbitanten Felswänden und dramatischen Seenlandschaften. Es scheint, als würde man sich mitten in einem romantischen Landschaftsgemälde befinden.

Schmelztiegel der Naturliebhaber

Und tatsächlich: Die Schönheit von Berchtesgaden zog schon in der Vergangenheit zahlreiche Maler und Künstler in die Gegend. Während Caspar David Friedrich, Ferdinand Waldmüller, Wilhelm Busch und Karl Rottmann die Bergszenerie im 19. Jhdt. auf ihren Leinwänden verewigten, erzählte Ludwig Ganghofer von Land und Leuten in seinen Heimatromanen. Inspirierte Künstler hinter Staffeleien trifft man am Wegesrand heute eher selten. Vielmehr hat der Wandertourismus die Oberhand gewonnen. Die Landschaft hat längst nichts von ihrer Faszination verloren. Auch heute locken die monumentalen Gipfel des Watzmanns und der smaragdgrüne Königssee Naturfreunde aus aller Welt ins Berchtesgadener Land.

Wiedersehen in Schönau

Wir parken unser Auto am großen, kostenpflichtigen Parkplatz in Schönau am Königssee. Es ist mein zweiter Besuch in Schönau, mehr von meinem ersten Aufenthalt könnt ihr hier lesen.

BergGrünstein
1304 Meter
Schönau am Königssee, Bayern
KlettersteigGrünstein-Klettersteig (C bis E)
Zustieg: 45 Minuten
Abstieg: 1,5 Stunden
Kletterzeit: 2,5 bis 3 Stunden
Steighöhe: 470 Höhenmeter
Gesamthöhe: 750 Höhenmeter
HütteGrünsteinhütte
Kühroint Hütte
AnfahrtKostenloser Parkplatz
Zum Google Maps Routenplaner

Das Wetter will sich heute nicht recht entscheiden, was es uns bieten möchte. Umso besser, denn darum wuselt es zur Abwechslung nicht vor lauter Bergsteigern und Seehungrigen. Die Wolken hängen schwer über dem Tal nahe des Königssees. Nur hin und wieder blitzen vereinzelt Sonnenstrahlen hindurch. Wir wählen den Weg in Richtung Bobbahn und gehen an der Schifffahrtsstation vorbei. Über den Bach folgen wir dem Wegweiser zum Grünstein. Unter tropischen Luftverhältnissen kämpfen wir uns den steilen Schotterweg hinauf. 45 Minuten später stehen wir bereits durchgeschwitzt vor dem Einstieg zum Klettersteig. Links geht es zum der Isidor-Steig, rechts beginnt die schwerere Hotelroute. Der Zustieg zur Räuberleiter zweigt schon etwas früher ab. Alternativ kann man auch gemütlich auf den Grünstein wandern (die Tourenbeschreibung findet ihr hier)

Der kleine Unscheinbare: Klettertour auf den Grünstein

In einer der berühmtesten Berglandschaften Deutschlands wirkt er etwas verloren. Weder groß, noch mächtig oder gar schicksalsträchtig wie der König Watzmann. Mit seinen 1304 m steht der Grünstein im Schatten des 2714 m hohen Gebirgsstockes der Berchtesgadener Alpen. Und doch ist er mittendrin. Ein Bankerl lädt zur Gipfeljause, ein Logenplatz mit Blick auf die Gipfelbühne: Hoher Göll, Hohes Brett, Untersberg, Hochkalter, Lattengebirge und Watzmann.

Wer in den Genuss des atemberaubenden Ausblicks am Grünstein-Gipfel kommen möchte, muss zunächst 470 Höhenmeter im Klettersteig überwinden. Das Besondere: der Grünstein-Steig bietet für jedes Können verschiedene Routen – von Klettersteigfrischlingen bis zu erfahrenen Berggämsen.

Grünstein Klettersteig Fels
Kurz vor dem Gipfel kann man bereits erahnen, dass sich der Aufstieg gelohnt hat.
Gipfel Grünstein Königssee
Mehrere Holzbänke am Gipfel laden dazu ein, die spektakuläre Aussicht zu genießen. Besonders ins Auge sticht der Blick zum Watzmann. Aber auch die anderen Berge wie Schlafende Hexe, Berchtesgadener Hochthron, Hoher Göll, Hohes Brett, Schneibstein sowie der Jenner versetzen den Betrachter ins Staunen.
Kreuz Grünstein Königssee
Das Kreuz am höchsten Punkt des Grünsteins vor der imposanten Bergkulisse.

Alle Wegen führen zum Grünstein-Gipfel

1. Der Isidor-Steig (Schwierigkeit C): Für gemächliche Klettersteig-Geher und Neulinge ist der Isidor-Steig die richtige Wahl. Hier überwindet man mäßig steile Wandbereiche (B/C), bis man zur wackeligen Hängebrücke gelangt. Weiter geht es über das Fotoloch und eine kurze C-Passage hinweg in Richtung Laxerbankerl – immer mit Blick hinunter zum Königssee und dem Watzmann im Rücken. Dank einiger grasiger Abschnitte zum Verschnaufen ist der Isidor-Steig ein perfekter Einstieg in die Saison.

2. Die Hotelroute (Schwierigkeit E): Nichts für Ungeübte! Die Hotelroute zeigt gleich zu Beginn, was sie kann und fordert ihren Krafttribut. Sie startet knackig an der Einstiegswand mit mehreren C/D- und D-Passagen. Das teilweise überhängende Klammerwandl (C bis D) überwunden, gelangt man zur Schlüsselstelle (E), ein stark überhängender Felsblock. Wer diesen gemeistert hat, darf zur Belohnung über die Hängebrücke in Richtung Isidor-Variante schreiten.

3. Die Räuberleiter (Schwierigkeit D/E): Wer sich richtig auspowern möchte, kann dies in der Räuberleiter tun. Erfahrene Klettersteig-Geher und Ehrgeizler müssen auf den zusätzlichen 40 Höhenmetern ihre Muskelkraft unter Beweis stellen. Die Räuberleiter mündet schließlich in die Hotelroute.

4. Die Intersport-Renoth-Gipfelwand (Schwierigkeit E): Noch immer Kraftreserven? Wer kurz vor dem Gipfel noch motiviert ist und keine Probleme bei Räuberleiter/Hotelroute hatte, kann sich hier noch einmal austoben. Denn eine Extraportion Klimmzüge und gute Kletter-Technik sind nötig, bis der Gipfel endlich in Sichtweite ist.

Ich entscheide mich schließlich für die leichteste Isidor-Variante, da es mein erster Klettersteig nach meiner Kreuzband-Operation ist. Zudem sollte man trittsicher und ausdauernd sein, da der Steig insgesamt 2,5 bis 3 Stunden dauert (ohne Zu- und Abstieg).

Grünstein Klettersteig Karabiner im Fels
Kurz inne halten und den traumhaften Blick vom Klettersteig hinab zum Königssee genießen. Dem unbeständigen Wetter sei Dank bleibt der Steig an diesem Tag ungewöhnlich ruhig.

Vom Grünstein zur Kührointalm

Mitten im Herzen des Nationalparks Berchtesgaden liegt die verträumte Kührointalm. Pure Idylle mit Blumenwiesen, friedlich grasenden Kühen und ein atemberaubender Blick auf den kleinen Watzmann. Die Kührointalm (1410 m) liegt etwa 1,5 Stunden Fußmarsch durch den Wald vom Grünstein entfernt. Im Angesicht des Watzmann-Hochecks lädt die gemütliche Berghütte zum Verweilen und dem ein oder anderen Schmankerl ein. Wer möchte, kann hier auch eine Nacht in den Bergen verbringen, um zum Beispiel zum Watzmann aufzusteigen.

Kührointalm
Die Kührointalm wirkt wie einem Fotoroman entsprungen, eine perfekte Symbiose aus wilden Felswänden und friedlicher Almidylle bei Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang bei der Achenkanzel

Die Felsen leuchten in dunklem Orange. Die Sonne legt sich langsam über die Gipfel des Steinernen Meers und des Watzmann-Gebirges. Mit geschultem Auge erkennt man die weltberühmte Kirche St. Bartholomä neben dem einstigen Jagdschloss der Stiftsherrn von Berchtesgaden. Hoch oben auf der Archenkanzel (1346 m) hat man einen unfassbaren Weitblick auf zwei Drittel des Königssees. Der berühmte Aussichtspunkt liegt etwa 30 Minuten Fußweg von der Kührointalm entfernt. Wir erreichen das verträumte Plätzchen recht spät am Abend. Stille, nur ein paar Vögel zwitschern im Wald. Besser hätte der Tag nicht enden können. Es wird Zeit für den Abstieg, welcher ca. 2,5 Stunden von der Archenkanzel zum Parkplatz dauert. Im Dunkeln geht es durch den Wald hinab ins Tal – inklusive der ein oder anderen Schrecksekunde bei Geräuschen wilder Tiere. Abenteuerlust nennt sich das wohl (und wenn dann sogar der McDonald’s vor der Nase zusperrt, wird’s wirklich Zeit, nach Hause zu fahren).

Die gesamte Tagestour noch einmal im Überblick:

  • Parkplatz Schönau – Klettersteig Einstieg: 45 Minuten
  • Grünstein Klettersteig: 2,5 bis 3 Stunden
  • Grünstein Gipfel – Kührointalm: 1,5 Stunden
  • Kührointalm – Archenkanzel: 30 Minuten
  • Archenkanzel – Parkplatz Schönau: 2,5 Stunden
Archenkanzel
Die Archenkanzel ist nicht umsonst ein heißer Tipp: von hier genießt man 700 Meter über dem Königssee einen tollen Rundumblick.
Archenkanzel Ausblick
Ein atemberaubender Tiefblick auf St. Bartholomä und die jäh abbrechenden Felswände – die Archenkanzel ist ein Aussichtspunkt der Extraklasse.
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