Zwischen Steiermark und Salzburg: Wanderung zur Kalkspitze

Girstrip Day 2! Auch im zweiten Teil meines Schladming-Abenteuers mit meiner besten Freundin geht es in luftige Höhen. Es gibt in Schladming nämlich einen ganz besonderen Berg, dessen Gipfel exakt entlang der Grenze der beiden Bundesländer Steiermark und Salzburg verläuft: die Kalkspitze – unser Ziel für Tag 2! Ein paar Nachwehen von der Wanderung am Vortag hoch zum Duisitzkarsee sind in meinen Beinen noch spürbar, aber nichtsdestotrotz freue ich mich schon auf unser zweites Abenteuer in den Schladminger Tauern!

Der Berggipfel-icon

Steirische Kalkspitze
2459 Meter
Steiermark, Schladming

Die TourWanderschuh Icon.jpg

Aufstieg ca. 2,5-3 h , insgesamt ca. 6 h
schwere Wanderung
ca. 991 Höhenmeter
ca. 10,73 km

Anfahrt: Von Schladming entweder über Rohrmoos oder über Pichl ins Preuneggtal. Ab der Strickbrücke geht es über die gebührenpflichtige Mautstraße zur Ursprungalm. Von Schladming fährt auch ein Bus direkt zur Ursprungalm.

Im Talschluss zwischen Steiermark und Salzburg

Der Wettergott schüttelt an diesem Tag abermals bewölkt erfrischendes Wetter aus dem Ärmel. Vor lauter Sorge, dass uns am Gipfel ein zu kühles Lüftchen um die Nase wehen könnte, kaufen meine Freundin Patricia und ich noch schnell eine wärmende Haube – mitten im August. Wer lange ausschläft, nach Herzenslust vom Frühstücksbuffet nascht und sich beim Shoppingbummel in den Sale-Angeboten verliert, darf sich nicht wundern, wenn er erst gegen Mittag zum Ausgangspunkt der etwa 6-stündigen Wandertour gelangt (eine exakte Beschreibung der Tour gibt es hier). Immerhin kleidertechnisch einwandfrei ausgestattet starten wir unsere Rundwanderung beim Parkplatz der Ursprungalm. Der erste Teil geht vorbei an den urigen Hütten der Ursprungalm auf dem Weg Nr. 771, hoch über das Rinderfeld und den Preuneggsattel zu den eindrucksvollen Giglachseen.

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„Spüre ich da einen Tropfen?“ Ausgerechnet in der ersten halben Stunde fallen  plötzlich Regentropfen vom Himmel. Meine schlimmsten Befürchtungen werden wahr und ich befürchte, dass wir die Tour nicht zu Ende gehen können. Glücklicherweise legt sich das Schauerspiel bereits nach 20 Minuten. Ich atme erleichtert auf. Die Kuhglocken bimmeln um uns herum, ich umklammere mit beiden Händen die Träger meines viel zu vollgepackten Rucksacks und stapfe Schritt für Schritt den Schotterweg hinauf. Der Weg zur Giglachseehütte ist stark frequentiert, viele Familien mit Kindern kommen hier hoch. Nach einer Dreiviertelstunde liegt die erste Etappe des Tages hinter uns und wir erreichen die malerisch gelegene Giglachseehütte (1955 m). 

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Blick auf die beiden Giglachseen 

Abstecher zu den Giglachseen

(entspricht einer zusätzlichen Stunde zur obigen Zeitangabe)

Ganz spontan beschließen wir, von der vorgegebenen Tour abzuweichen und einen Abstecher zur Ignaz-Mattis-Hütte zu machen, welche oberhalb des Großen Giglachsees liegt. Grund für diese Entscheidung war, dass wir befürchteten, die Seen nur im Vorbeigehen zu streifen, da der Weg zur Kalkspitze bereits in eine ganz andere Richtung abzweigte. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht, dass wir von oben einen noch viel schöneren Blick auf die beiden Seen haben würden. Es ist daher nicht unbedingt notwendig, eine Stunde hin und zurück zur Ignaz-Mattis-Hütte zu wandern, wenn man noch den fordernden Anstieg hoch zur Kalkspitze und eine insgesamt sehr lange Route vor sich hat. Dennoch waren wir von dem Zusammenspiel aus Nebelschwaden, den saftig grünen Hängen und den beiden tiefgrünen Seen beeindruckt. 

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Das Wetter hält – trotz dichtem Nebel über den Seen.

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In wildromantischer Landschaft liegt die Ignaz-Mattis-Hütte mit Blick auf das Giglachkar.

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Auf dem Rückweg zur Giglachseehütte genießen wir das tolle Panorama.

Von den Giglachseen zu den Gipfeln der Kalkspitze

Von der Giglachseehütte ist es noch einmal ein ganzes Stück bis zu den Gipfeln der Kalkspitze (wer noch in eine Hütte einkehren möchte, sollte sich jedenfalls bei der Giglachseehütte stärken). Denn nun beginnt der steile Part der Tour. Sehr gute Kondition, Erfahrung im alpinen Gelände und Trittsicherheit sind absolute Voraussetzung. Die Steirische Kalkspitze (2459 m) liegt genau vis à vis der höheren Lungauer Kalkspitze (2471 m) auf Salzburger Boden. Die beiden Gipfel bilden zusammen den südlichen Talschluss des steirischen Preuneggtals und werden durch die Akarscharte (2315 m) getrennt. 

Von der Giglachseehütte geht es entlang des Weges Nr. 702 stramm bergauf. Während der Ausblick mit jedem gewonnenen Meter schöner wird, werden die Tritte mit jedem erkämpften Höhenmeter schwerfälliger. Wir erklimmen den Znachsattel, der Ausgangspunkt für die Besteigung der Kalkspitze über die Akarscharte ist. Mittlerweile haben wir bereits die 2000m-Marke passiert (und das macht sich in den Waden bemerkbar!). Meter für Meter erarbeiten wir uns schweißtreibend den Gipfel, halten immer wieder inne, um den fantastischen Ausblick zu genießen und einige Fotos zu machen (die Foto-Pausen sind auch eine fantastische Gelegenheit, kurz zu verschnaufen)Rund 1-1,5 Stunden dauert es, bis wir schließlich auf der Akarscharte (2315 m) inmitten der beiden Gipfel stehen. Ihren Nahmen verdanken die Kalkspitzen übrigens dem Dolomitengestein und Kalk, aus dem sie bestehen.

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Vom Znachsattel blickt man auf die Giglachseen hinab.

Mein Blick schweift auf die winzig kleinen Menschen, die ich in der Ferne den schmalen Gipfelgrat erklimmen sehe. Eine halbe Stunde dauert es, jeweils auf den höchsten Punkt der Steirischen sowie der Lungauer Kalkspitze zu gelangen. Die Steirische Kalkspitze ist sehr steil und ausgesetzt, erfordert daher gewisse Bergerfahrung, die Lungauer Kalkspitze hingegen ist über einen Schuttrücken leicht zu begehen. Vom Gipfel der Kalkspitze hat man einen wunderschönen Rundblick auf die umliegenden Hohen Tauern, den Hochkönig, den Dachstein und den Hochgolling bis zu den Nockbergen im Süden. Ein Meer an Gipfeln, das einen umringt. Fasziniert blicke ich hoch zu dem mächtigen Gipfel, gleichzeitig meldet sich jedoch die Vernunftstimme und ich krame mein Handy aus der Jackentasche hervor. Es ist schon fast 16 Uhr und ein gutes Stück vom Weg liegt noch vor uns. Die Münze ist gefallen, rien ne va plus. Wir entscheiden uns gegen den Gipfelaufstieg, selbst wenn mir dabei ein wenig das Herz blutet. Das Risiko, nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit im Tal anzukommen, möchten wir trotz allem nicht eingehen. 

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Endlich zeigt sich auch ein bisschen die Sonne.

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In Richtung Akarscharte passieren wir die Baumgrenze und sind umgeben von massiven Felswänden.

Letzter Stopp, Oberhüttensee!

Meine Knie sind wahrlich kein Freund von Abstiegen. Ich komme mir bei jedem längeren Weg hinab vom Berg vor, als wären mir meine Gelenke bereits 80 Lebensjahre voraus. Obwohl ich mich um die richtige Tritttechnik bemühe, meine Knie schmerzen jedes Mal. So auch beim Abstieg von der Akarscharte entlang des Weges Nr. 702 zur Oberhütte (1845 m). Obwohl die Aussicht wirklich fantastisch ist, erscheinen mir die 500 Höhenmeter im Abstieg wie meine persönliche unendliche Geschichte. Als wir schließlich den Oberhüttensee nach einer Dreiviertelstunde Fußmarsch bergab erreichen, kann ich meinen wohlverdienten Topfenstrudel förmlich riechen. Die gleichnamige Oberhütte direkt am See bietet einen schönen Rastplatz, bevor die letzte Etappe bestritten wird – und die hat es noch einmal in sich!

Hier alle Einkehrmöglichkeiten auf der Route:

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Wir genießen diesen wunderschönen Gipfelblick, als wir in Richtung Oberhüttensee aufbrechen.

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Gipfel, soweit das Auge reicht.

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Der Magen knurrt, wir machen uns auf zur Oberseehütte.

Übers „Brotrinnl“ zurück zur Ursprungalm

Mit meinen Händen versuche ich mich zusätzlich am Gestein festzuhalten, mein Blick richtet sich nach oben, es geht nur mehr im Schneckentempo Stück für Stück vorwärts. Wer Höhenangst hat, sollte sich lieber nicht zu oft umdrehen, auch wenn es einem bei dem Blick nach unten die Sprache verschlägt. Durch’s sogenannte „Brotrinnl“ steigen wir mittlerweile extrem steil 200 Meter bergauf. Ohne Zuhilfenahme von beiden Händen ist das steile Stück nicht zu bewältigen. Endlich oben angelangt, fällt uns beiden ein Felsbrock vom Herzen. Nun heißt es dennoch, hurtig zurück zur Ursprungalm, denn am Horizont zeichnet sich bereits der Sonnenuntergang ab. Über die Kranzlhöhe wandern wir daher flotten Schrittes in Richtung Ursprungalm, ein recht gemütlicher Abstieg, den auch meine Knie mehr als schätzen.

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Sehr ausgesetzt ist der kurze Aufstieg übers „Brotrinnl“ von der Oberseehütte aus. 

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Kurze Rast auf saftigen Wiesen nach dem steilen Stück übers „Brotrinnl“.

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Kurze Verschnaufpause vor der letzten Etappe.

Lost in the woods – dem Ziel so nah und doch so fern

Und dann kam der Augenblick, den ich niemandem wünsche. Wir sind mittendrin, uns durch das letzte, recht unwegsame Waldstück zu kämpfen. Es geht durchs Gebüsch, hinweg über glitschige Bäche und entwurzelte Baumstämme den Berghang hinunter ins Tal (ich fühle mich wie Christoph Columbus auf dem Weg, die neue Welt zu entdecken). Den Parkplatz können wir bereits in der Ferne erspähen. Und dennoch passiert es ausgerechnet kurz vorm Ziel: wir verlaufen uns im Wald!

Plötzlich stehen wir in kniehohem Gras und können weder vor noch zurück. Der Boden unter meinen Füßen ist klitschnass und rutschig. Da mittlerweile auch schon die Sonne untergeht, überkommt mich ein kurzer Moment der Panik (anders als Mowgli oder Tarzan fühle ich mich im Dickicht nicht allzu heimisch und verdränge die Gedanken an eine unfreiwillige Nacht unter freiem Himmel). Eine halbe Stunde lang suchen wir nach dem richtigen Weg, bis wir endlich den verpassten Wegweiser entdecken. Glücklicher denn je erreichen wir schließlich die Ursprungalm und unser Auto, ich verwachse förmlich mit dem Autositz. Was für eine Wanderung, was für ein Tag! Mit jeder Menge schöner Erinnerungen im Gepäck brechen wir mitten in der Nacht unsere Heimreise nach Wien an. Tschüss Schladming, bis zum nächsten Mal!

2 Gedanken zu „Zwischen Steiermark und Salzburg: Wanderung zur Kalkspitze

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