Lost in paradise: am bayrischen Königssee

Ein bisschen schockiert bin ich doch über die zahlreichen asiatischen Touristen am Ticketschalter der Bootsanlegestelle. Obwohl das Wetter nicht gerade nach Bootsausflug schreit, sind die Sitzplätze im Boot schneller weg als warme Semmeln. Somit heißt es erst einmal Warten auf das nächste freie Boot und dabei starre ich die asiatische Reisegruppe in unserer Warteschlange wohl genauso sehr an wie sie meinen Chihuahua. Hier stehen wir nun um 10 Uhr morgens am traumhaft schönen Königssee im bayrischen Nationalpark Berchtesgaden.

Eine Bootsfahrt über den Königssee

Eine Bootstour vom Ortsteil Königssee bis nach Salet/Obersee ist ein Klassiker (und scheinbar auch fixer Bestandteil jedes Europa-Rundreise-Programms asiatischer Reiseveranstalter). Ein bisschen fühle ich mich an Hallstatt erinnert, wobei ich asiatische Touristen immer ziemlich amüsant und liebenswert finde. Für satte 18 Euro pro Person und 3 Euro für den Hund sitzen wir schließlich alle im selben Boot in Richtung Salet (Tipp: wenn man schöne Fotos machen möchte, sitzt man in Fahrtrichtung am besten auf der rechten Seite).

Anfahrt: Bundesautobahn A8 München-Salzburg bis Ausfahrt Bad Reichenhall, dann nimmt man die B20 bis zum Königssee. Der Parkplatz liegt im Ortsteil „Königssee“ in Schönau am Königssee (Adresse: Seestraße, 83471 Schönau am Königssee).

Bildergebnis für bootsfahrt königssee plan

Etwa 1 Stunde dauert die Fahrt mit dem stilechten Holzboot entlang des smaragdgrünen Gebirgssees, der mich vom ersten Moment an verzaubert hat. Wissenswertes zum See und den umliegenden Gipfeln gibt es vom Bootsführer gratis dazu. Ob man zuhören möchte oder nicht, kann man selbst entscheiden, einige interessante Infos bleiben dennoch hängen. Der Bootstrip ist zwar sehr touristisch, aber welche Attraktion besichtigt man schon im Alleingang? Und trotz all der Menschen um mich genieße ich die gemütliche Fahrt.

 

Mit dem Boot entlang des Königssees

DSC_0130

St. Bartholomä mit Watzmann-Ostwand im Hintergrund

Bilderbuchkulisse St. Bartholomä

Der Königssee ist nicht umsonst so gut besucht. Vorbei geht es an gewaltigen Felswänden immer weiter entlang des Sees, der mit einer Länge von 8 km und einer Tiefe von 192 km das ganze Jahr über konstant eines ist: kalt (für Menschen wie mich, die erst bei brühend heißem Duschwasser so richtig entspannen können und am liebsten in 36 Grad wohl temperiertem Thermalwasser planschen, nicht ganz das Richtige)Besonders eindrucksvoll sind die Wände und Nebengipfel des Watzmann, die wir mit dem Boot passieren. Mit seinen 2713 Metern Höhe ist er der zweithöchste Berg Deutschlands.

Und schließlich ist es soweit. Ein Highlight unserer Bootstour liegt in Sichtweite, denn auf der Hälfte der Strecke kommen wir endlich bei St. Bartholomä vorbei, das Wahrzeichen des Königssees. Ich bin aufgeregt wie ein kleines Kind und drücke pausenlos auf den Auslöser meiner Kamera (was ich spätestens zu Hause beim Aussortieren von hunderten identen Bilder bereue 😀 )Die Wallfahrtskirche, welche nur mit dem Boot erreichbar ist, stammt aus dem 12. Jhdt. und liegt auf einer Halbinsel. Die Kirche ist zwar klein, gehört aber zu den meistfotografierten Motiven in Deutschland. Neben der Kirche steht ein ehemaliges Jagdschlösschen, das heute als Gasthaus dient und die knurrenden Mägen der Touristenscharen stillt. Als wir in St. Bartholomä anlegen, leert sich sogleich die Hälfte des Bootes, mein Freund und ich bleiben jedoch sitzen, da wir die Kirche nicht unbedingt von Innen sehen müssen.

DSC_0123

Von Salet bis zur Fischunkelalm – Wanderung um den Obersee

Noch ein halbes Stündchen später sind wir letztlich an unserem Ziel angelangt, in Salet unweit des Obersees. Hier heißt es aussteigen, denn der Obersee liegt ca. 1 km entfernt vom Königssee, beide Seen waren ursprünglich einmal miteinander verbunden.

Die TourWanderschuh Icon.jpg

Wanderung zur Fischunkelalm, ca. 45 min.
einfache Wanderung
familienfreundlich

ca. 75 Höhenmeter
ca. 2,3 km

Von der Bootsanlegestelle führt ein flacher Wanderweg entlang der rechten Uferseite des Obersees zur Fischunkelalm. Der Wanderweg ist vielmehr ein Spaziergang, auch unsere asiatischen Mitwanderer bestreiten ihn problemlos in Sandalen, im Plisseerock mit Designertasche oder ganz verrückt in eigenwilligem Kostüm mit Hut (in meinem schlichten Sportoutfit fühle ich mich verglichen mit den asiatischen Damen beinahe etwas underdressed 😀 ). Insgesamt benötigt man 45 Minuten zur Fischunkelalm

Schon nach kurzer Zeit gelangen wir an den ersten Foto-Hotspot. Vor der urigen Hütte mit bombastischem Hintergrund will selbstverständlich jeder ein Foto machen. Also warte ich, bis der Steg einen kurzen Moment lang frei ist und werfe mich in Pose. Da auf dem Obersee keine Boote verkehren, ist die Wasseroberfläche meist vollkommen ruhig. Ich war beeindruckt von der Spiegelung der umliegenden Felswände im Wasser, so etwas habe ich noch nie zuvor in dieser Form gesehen (Photoshop könnte es nicht besser hinbekommen).

DSC_0177.jpg

DSC_0154

DSC_0187.jpg

Brotzeit auf der Fischunkelalm 

Nach gefühlten 1000 Bildern bei der ersten Hütte im See geht es ein längeres Stück durch den Wald sowie einige steilere Stufen hinauf und hinab zur Fischunkelalm. Mein Magen macht sich langsam bemerkbar und ich bin bereits voller Vorfreude auf eine richtig deftige Hüttenmahlzeit (denn bei einem knurrenden Magen werde auch ich zur Diva). Die Blockhütte auf der Fischunkelalm liegt romantisch zwischen den Felshängen, einsam und nur umgeben von zahlreichen grasenden Kühen. Und weil es hier auch wirklich nichts anderes als Kühe gibt, ist auch die Speisekarte äußerst spärlich. Im Angebot waren lediglich ein paar belegte Brote (und ich esse leider keine Butter- oder Speckbrote) bzw. frische Buttermilch und ich muss zugeben, ich war enttäuscht (mein Gesicht hat mit Sicherheit Bände gesprochen, als mir klar wurde, dass sich unser warmes Mittagessen mit einem Schlag in Luft aufgelöst hatte. Ausreichend Proviant sollte man einfach immer dabei haben, aber im Nachhinein ist man ja meistens schlauer).

Dennoch ist der Blick von der Alm absolut fantastisch und wenn ich Kühe sehe, ist die Welt sowieso wieder in Ordnung. Von der Fischunkelalm kann man noch eine halbe Stunde zum höchsten Wasserfall Deutschlands, dem Röthbachfall mit 470 Metern, wandern. Der Rückweg ist leider derselbe Weg wie der Hinweg, da auf der anderen Uferseite des Sees kein Gehweg existiert, sondern die Felswände direkt ins Wasser abfallen. Zurück bei der Bootshaltestelle bekam ich endlich mein heißersehntes Mittagessen im nahegelegenen Restaurant. Mit dem nächsten Boot ging es auch schon wieder zurück. Während der Fahrt konnten wir unsere Augen kaum mehr offen halten. Drei Stunden Wandern und so viele Eindrücke hinterlassen eben Spuren.

Der Obersee wie auch die Bootstour sind garantiert kein Geheimtipp, aber dennoch ein unglaublich schönes Naturerlebnis, das ich auf jeden Fall empfehlen würde. Mit ausreichend Essen im Gepäck macht die Wanderung dann auch noch mehr Freude 😉

DSC_0202.jpg

DSC_0210

DSC_0228.jpg

Blick von der Fischunkelalm

DSC_0217

Bei der Fischerhütte nahe der Fischunkelalm war überraschenderweise gar nichts los.

DSC_0219.jpg

DSC_0235

Wasserfall unweit der Fischunkelalm 

DSC_0242.jpg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s