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Lost in paradise: am bayrischen Königssee

Zugegeben bin ich ein wenig überrascht, als ich die zahlreichen asiatischen Touristen am Ticketschalter der Bootsanlegestelle erblicke. Obwohl das Wetter nicht gerade nach Bootsausflug schreit, sind die Sitzplätze in den traditionellen Holzbooten ratzfatz belegt. Hier stehen wir nun um 10 Uhr morgens am traumhaft schönen Königssee im bayrischen Nationalpark Berchtesgaden. 

Eine Bootsfahrt über den Königssee

Eine Bootstour vom Ortsteil Königssee bis nach Salet/Obersee ist ein Klassiker (und scheinbar auch fixer Bestandteil jedes Europa-Rundreise-Programms asiatischer Reiseveranstalter). Ein bisschen fühle ich mich an Hallstatt erinnert, wobei ich asiatische Touristen immer sehr amüsant und liebenswert finde. Für satte 18 Euro pro Person und 3 Euro für den Hund sitzen wir schließlich alle im selben Boot in Richtung Salet (Tipp: wenn man schöne Fotos machen möchte, sitzt man in Fahrtrichtung am besten auf der rechten Seite).

Etwa eine Stunde dauert die Fahrt mit dem stilechten Holzboot entlang des smaragdgrünen Gebirgssees, der mich vom ersten Moment an verzaubert. Wissenswertes zum See und den umliegenden Gipfeln gibt es vom Bootsführer gratis dazu. Ob man zuhören möchte oder nicht, kann man selbst entscheiden, einige interessante Infos bleiben dennoch hängen. Der Bootstrip ist zwar sehr touristisch, aber welche Attraktion besichtigt man schon im Alleingang? Und trotz all der Menschen um mich genieße ich die gemütliche Fahrt.

SeeObersee
620 Meter (Südufer)
Schönau am Königssee, Bayern
WandernSchwierigkeit: leicht
Dauer: 1,5 Stunden
Länge: 2,3 Kilometer
Aufstieg/Abstieg: 75 Höhenmeter
Höhenprofil & Karte
EinkehrFischunkelalm
Gasthaus Saletalm
AnfahrtParkplatz bei der Touristeninformation
Zum Google Maps Routenplaner
St Bartholomae
Die Halbinsel mit der Wallfahrtskirche St. Bartholomä ist nur per Schiff bequem erreichbar. Zu Fuß ist sie lediglich über lange, teils hochalpine Wege zugänglich.

Bilderbuchkulisse St. Bartholomä

Der Königssee ist nicht umsonst so gut besucht. Vorbei geht es an gewaltigen Felswänden immer weiter entlang des Sees, der mit einer Länge von 8 km und einer Tiefe von 192 km das ganze Jahr über konstant eines ist: kalt (für Menschen wie mich, die erst bei brühend heißem Duschwasser so richtig entspannen können und am liebsten in 36 Grad wohl temperiertem Thermalwasser planschen, nicht ganz das Richtige)Besonders eindrucksvoll sind die Wände und Nebengipfel des Watzmann, die wir mit dem Boot passieren. Mit seinen 2713 Metern Höhe ist er der zweithöchste Berg Deutschlands.

Und schließlich ist es soweit. Ein Highlight unserer Bootstour liegt in Sichtweite, denn auf der Hälfte der Strecke kommen wir endlich bei St. Bartholomä vorbei, dem Wahrzeichen des Königssees. Ich bin aufgeregt wie ein kleines Kind und drücke pausenlos auf den Auslöser meiner Kamera. Die Wallfahrtskirche, welche nur mit dem Boot erreichbar ist, stammt aus dem 12. Jhdt. und liegt auf einer Halbinsel. Die Kirche ist zwar klein, gehört aber zu den meistfotografierten Motiven in Deutschland. Neben der Kirche steht ein ehemaliges Jagdschlösschen, das heute als Gasthaus dient und die knurrenden Mägen der Touristenscharen stillt. Als wir in St. Bartholomä anlegen, leert sich sogleich die Hälfte des Bootes, mein Freund und ich bleiben jedoch sitzen, da wir die Kirche nicht unbedingt von Innen sehen müssen.

Von Salet bis zur Fischunkelalm – Wanderung um den Obersee

Ein weiteres halbes Stündchen vergeht, bis das Boot das Ufer in Salet unweit des Obersees ansteuert. Nun heißt es aussteigen, denn der Obersee liegt ca. 1 km entfernt vom Königssee. Die beiden Seen waren ursprünglich einmal miteinander verbunden.

Von der Bootsanlegestelle führt ein flacher Wanderweg entlang der rechten Uferseite des Obersees zur Fischunkelalm. Der Wanderweg ist vielmehr ein Spaziergang. Unsere asiatischen Mitfahrenden bestreiten ihn problemlos in Sandalen, im Plisseerock mit Designertasche und eigenwilligem Kostüm mit Hut. Insgesamt benötigt man rund 45 Minuten zur Fischunkelalm. 

Schon nach kurzer Zeit gelangen wir an den ersten Foto-Hotspot. Vor der urigen Hütte mit bombastischem Hintergrund will selbstverständlich jeder ein Foto machen. Also warte ich, bis der Steg einen kurzen Moment lang frei ist und werfe mich in Pose. Da auf dem Obersee keine Boote verkehren, ist die Wasseroberfläche meist vollkommen ruhig. Ich bin beeindruckt von der Spiegelung der umliegenden Felswände im Wasser, so etwas habe ich noch nie zuvor in dieser Form gesehen (Photoshop könnte es nicht besser hinbekommen).

Ausflug Königssee2
Vom Königssee durch einen Moränenwall seit einem Bergsturz im Jahre 1172 getrennt, ist der Obersee der kleine Bruder des Königssees.
Obersee-Spiegelung -im-Wasser
Beinahe surreal erscheint die Spiegelung der mächtigen Felswände an der Wasseroberfläche.

Brotzeit auf der Fischunkelalm 

Nach gefühlten tausend Bildern bei der ersten Hütte im See geht es ein längeres Stück durch den Wald sowie einige steilere Stufen hinauf und hinab zur Fischunkelalm. Mein Magen macht sich langsam bemerkbar und ich bin bereits voller Vorfreude auf eine deftige Hüttenmahlzeit. Die Blockhütte auf der Fischunkelalm liegt romantisch zwischen den Felshängen, einsam und nur umgeben von zahlreichen grasenden Kühen. Und weil es hier auch wirklich nichts anderes als Kühe gibt, ist auch die Speisekarte äußerst spärlich. Das Angebot umfasst lediglich ein paar belegte Brote (und ich esse leider keine Butter- oder Speckbrote) bzw. frische Buttermilch und ich muss zugeben, ich war enttäuscht (mein Gesicht hat mit Sicherheit Bände gesprochen, als mir klar wurde, dass sich unser warmes Mittagessen mit einem Schlag in Luft aufgelöst hatte. Ausreichend Proviant sollte man einfach immer dabei haben, aber im Nachhinein ist man ja meistens schlauer).

Dennoch ist der Blick von der Alm absolut fantastisch und wenn ich Kühe sehe, ist die Welt sowieso wieder in Ordnung. Von der Fischunkelalm kann man noch eine halbe Stunde zum höchsten Wasserfall Deutschlands, dem Röthbachfall mit 470 Metern, wandern. Der Rückweg ist leider derselbe Weg wie der Hinweg, da auf der anderen Uferseite des Sees kein Gehweg existiert, sondern die Felswände direkt ins Wasser abfallen. Zurück bei der Bootshaltestelle bekam ich endlich mein heißersehntes Mittagessen im nahegelegenen Restaurant. Mit dem nächsten Boot geht es auch schon wieder zurück. Während der Fahrt können wir unsere Augen kaum mehr offen halten. Drei Stunden Wandern und so viele Eindrücke hinterlassen eben Spuren.

Fazit zur Tour: Der Obersee wie auch die Bootstour sind garantiert kein Geheimtipp, aber dennoch ein unglaublich schönes Naturerlebnis, das ich auf jeden Fall empfehlen würde. Mit ausreichend Essen im Gepäck macht die Wanderung auch noch mehr Freude.

Obersee-Blick-Wanderung
Eine relativ einfache Wanderung inmitten malerisch schöner Lanschaft führt uns zur abgelegenen Alm am Obersee. Der Blick haftet dabei stets auf dem klaren See, der von den mächtigen Felswänden eingekesselt wird.
Alm-Obersee
Die geschützte Lage und der Umstand, dass keine Boote auf dem See verkehren, führen dazu, dass die Wasseroberfläche meist vollkommen ruhig und die Spiegelungen im Obersee besonders deutlich sind.
Koenigssee-Obersee-beruehmte-Huetten
An Rande des Sees liegt die märchenhafte Holzhütte.

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