Von Salz und Asiaten – auf welche Klischees man in Hallstatt trifft

Hallstatt – eine Marktgemeinde mit gerade einmal 757 Einwohnern im oberösterreichischen Salzkammergut. Eingebettet in eine unbeschreiblich schöne Landschaft zwischen Hallstätter See und Dachsteinmassiv. Klingt nach „Jeder kennt Jeden“ und Bauerndorf. Beschaulich, verschlafen und – wie so oft – verregnet. Das war auch mein erster Eindruck von Hallstatt, als wir auf dem Parkplatz anhielten.

Wenige Stunden später hätten wir unseren Platz meistbietend weitervermieten können, doch so früh am Morgen ist selbst in Hallstatt noch nicht viel los (an einem schönen Tag strömen bis zu 4000 Besucher in den 800-Seelen-Ort). Wir waren gespannt, ob die Hallstatt-Klischees hielten, was sie versprachen. Und wahrhaftig – da waren sie! Die ersten Asiaten kamen uns schon am Parkplatz entgegen. Der Ort ist weltberühmt, meine Erwartungen waren hoch. Wenn sich schon die Chinesen die Mühe machen, hierherzukommen, dann muss man sich das doch mal mit eigenen Augen ansehen.

Hallstatt ist eben nicht nur Aushängeschild des Österreich-Tourismus und Weltkulturerbe. Hallstatt ist ebenso Statussymbol für tausende asiatische Touristen (genauer gesagt etwa 100.000 pro Jahr). Ein Kronjuwel im Fotoalbum zahlreicher Chinesen, Japaner, Taiwanesen und Südkoreaner (und weil China nicht nur bei Luxushandtaschen Meister im Kopieren ist, wurde 2012 in der Provinz Guangdong tatsächlich ein Stück Alpenidylle geschaffen: Hallstatt originalgetreu nachgebaut – inklusive See und Kirche).

Auch wenn ich kein einziges Mal von einem Selfie-Stick erschlagen wurde – ja, ich muss zugeben, die Quote asiatischer Besucher ist in Hallstatt recht hoch. Aber ich mag Asien, also was soll’s. Außerdem waren es nicht unbedingt mehr Menschen als an jeder anderen Touristenattraktion. Im Vergleich dazu habe ich in der Getreidegasse in Salzburg oder bei meiner ersten Führung im Schloss Schönbrunn schlimmere Beklemmungszustände durchlebt.

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Typisches Bild in Hallstatt

Wie die Kulisse eines Heimatfilms

Mir kommt vor, Hallstatt ist für Österreich ein bisschen so wie Santorini für Griechenland – die Perfektion des idyllischen Dörfchens am See (wie in den Heimatfilmen, die meine Mama am Sonntagnachmittag so gerne schaut). Man bummelt die Straße entlang, vorbei an zahlreichen Läden, die diverse Produkte aus der Region oder einfach Touristenkitsch anbieten. Dennoch sind die Souvenirgeschäfte nicht störend. Nach billigem Ramsch wirkt hier in Hallstatt nichts und wenn man einen Blick auf die Preise wirft, ist es das auch nicht. Natürlich erscheint der Ortskern keineswegs so, als würde hier tatsächlich jemand wohnen (selbst der einzige Supermarkt im Zentrum war eigentlich nur für Touristen da und hatte kein richtiges Sortiment. Blöd, wenn man Hunger hat und sich nicht in eines der teuren Lokale setzen will).

Ich frage mich, wie man hier lebt. Im Epizentrum des Tourismus. Als lebendiges Ausstellungsstück in einem zum Freilichtmuseum mutierten Bergdorf. Da gibt es jene, die einfach nur gerne ihre Ruhe hätten und genervt sind, wenn wieder einmal Touristen in ihrem Vorgarten posieren. Die anderen haben beim Anblick der Touristenströme schon Dollarzeichen in den Augen. Denn auch Geld aus China stinkt nicht. Ein Spannungsbogen zwischen Leben in der gläsernen denkmalgeschützten Stadt und dem Geldsegen der Tourismusbranche. In der Innenstadt von Hallstatt reiht sich ein schönes Hotel an das nächste. Wenn ich zu viel Geld übrig hätte, würde auch ich mir hier ein Zimmerchen mit fantastischem Ausblick mieten. Hallstatt vermittelt ein ganz spezielles Idyll – als würde Hans Moser jederzeit um die Ecke kommen. Die traditionellen, in Hanglage gebauten Häuser mit schöner Holzverkleidung, der kleine Springbrunnen in der Ortsmitte mit den bunten Häusern und die berühmte Kirche – fertig ist das perfekte Postkartenmotiv. Man kann sagen, was man will, aber schön ist es schon. Ich kann also ein bisschen verstehen, warum die Asiaten wie magisch angezogen werden.

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DER Fotoplatz in Hallstatt. Von hier stammt die Kulisse, die auf fast jedem Hallstatt-Foto zu sehen ist.

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Wer Lust hat, kann eine Schifffahrt um den See machen. War ganz nett und für etwa 9 Euro auch preiswert. Die Anlegestelle ist gleich im Stadtzentrum in der Nähe der Kirche.

Hallstatts weißes Gold

Und doch bietet Hallstatt mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Abseits von Touristenhorden ist Hallstatt ein Ort mit tausendjähriger Geschichte. Aufgrund der Salzvorkommen liegen die erste Spuren menschlicher Tätigkeit bereits 7000 Jahre zurück. Der erste organisierte Bergbaubetrieb lässt sich auf die Bronzezeit, etwa 1500 v. Chr., datieren. Bis 1245 v. Chr. wurde in Hallstatt Salz abgebaut, dann geschah jedoch ein Murenunglück und alle Bergwerke wurden verschüttet. Erst in der späten Eisenzeit konnte man wieder Abbautätigkeiten nachweisen. Was in den dazwischenliegenden 300 Jahren geschah, ist bis heute nicht geklärt. Aus der Schulzeit ist einigen vielleicht auch noch der Begriff „Hallstattzeit“ bekannt. Weltberühmt wurde Hallstatt nämlich auch durch die Entdeckung eines Gräberfeldes aus der Eisenzeit im Jahr 1846, auf dem heute etwa 1500 Gräber freigelegt wurden. Die umfangreichen Funde gaben der älteren Eisenzeit (800 – 400 v. Chr.) den Namen „Hallstattzeit“. In dieser Zeit fand der meiste Salzabbau statt und sorgte für großen wirtschaftlichen Wohlstand. Die Geschichte von Hallstatt kann man am besten im ältesten Salzbergwerk der Welt erleben. Leider ist es sich bei uns nicht mehr ausgegangen, beim nächsten Mal dann 😉 Der Eingang zum Bergwerk befindet sich bei der Bergstation der Panorama-Seilbahn am Salzberg. 

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Das klassische Mitbringsel: Salz aus Hallstatt

So lässt sich der Apfelstrudel genießen

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Aufstieg auf den Salzberg ca. 1-1,5h
Abstieg über Teilweg des Soleweges
Kombination mit Besuch Salzbergwerk
ca. 360 Höhenmeter
KLettern Icon.pngKlettern
Echernwand Klettersteig (D)

Wer ein bisschen Nervenkitzel möchte und Hallstatt aus der Vogelperspektive sehen will, kann entweder auf den Salzberg wandern oder mit der Standseilbahn hinauf fahren (dort oben liegen auch die Salzwelten bzw. das Bergwerk). Von der Talstation der Seilbahn bis zum Rudolfsturm, wo sich heute ein Restaurant und eine Aussichtsplattform 360m über den Dächern des Ortes befinden, geht man ca. 1h. Wer noch mehr Adrenalin verspüren möchte, kann auch nach oben klettern. Das haben wir gemacht. In der Nähe der Talstation der Seilbahn befindet sich nämlich auch der Zustieg zum Echernwand Klettersteig (alle Infos hier). Der Steig führt 400m horizontal direkt zur Bergstation, ist aber nicht für Anfänger geeignet, sondern ziemlich fordernd. Die Schwierigkeit ist Kategorie D, wobei die Schlüsselstelle auch umgangen werden kann (C-Variante). Nach über 2h Klettern und Wandern sind wir dann komplett verschwitzt im Gasthaus angelangt (leicht verstörte Blicke der anderen Touristen inklusive). Doch egal ob Klettern, Wandern oder Bahn – der Blick von oben ist wirklich unbeschreiblich toll und den sollte man bei der Rückfahrt auf jeden Fall mit im Gepäck haben.

Mein Fazit zu Hallstatt: Ich würde es jederzeit wieder tun und ich bereue nichts :-D. Nein, Spaß beiseite: natürlich ist es etwas überlaufen, aber welche Attraktion ist das nicht. Mir hat Hallstatt sehr gut gefallen und mit den ganzen Asiaten war es auch irgendwie ein lustiges Bild.

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Blick auf den Hallstättersee vom Rudolfsturm aus

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Platzerl ganz vorne auf der Aussichtsplattform ergattert 

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2 Gedanken zu „Von Salz und Asiaten – auf welche Klischees man in Hallstatt trifft

  1. scarcloudsdancer

    Hallo Simone,

    da hab ich doch tatsächlich einen Artikel über eines meiner Lieblingsausflugsziele gefunden. Schon ganze 5 Mal hab ich mich bereits mit den Asiaten durch die engen Gassen gedrängt – schön wars trotzdem immer und wenn man ein zwei Stiegen nach oben nimmt dann hat man seine Ruhe (die Chinesen klettern wohl nicht so gerne) und kann nebenbei noch die Traumaussicht und ein paar besonders schöne Häuschen bestaunen 😉 Waren letztes Frühjahr dort und da war der Dirndl-to-go Verleih gerade der allerletzte Schreib bei den Touristen^^

    Ich liebe den Charme dieses Örtchens und deine Bilder haben ihn genau eingefangen! Daumenhoch dafür!!!
    Werde meinen Artikel über Hallstatt bald mal aktualisieren und dann gibst sicherlich auch einen Link zu dir! Die Bilder vom Klettersteig darf ich meinen Wanderbegeisterten lesern natürlich nicht vorenthalten 😉

    Grüße aus dem Almenland,
    Vanessa von http://www.dancing-on-clouds.at

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  2. wherethejourneystarts

    Hallo Vanessa 🙂
    Ich war zum ersten Mal dort und ich hab es auch so cool gefunden, gerade wegen diesem einzigartigen Flair. Haha das mit dem Dirndl-to-go kann ich mir sehr gut vorstellen aber Dindln sind auch einfach klasse, das kann man den Asiaten nicht verübeln 😀
    Vielen vielen lieben Dank für dein nettes Feedback. Ich schau auch regelmäßig bei dir vorbei und bin immer wieder begeistert von den schönen Bildern und die Gestaltung der Website gefällt mir auch richtig gut!
    Gibt es schon Wanderpläne fürs Frühjahr? Ich kann es kaum erwarten 🙂 Auch wenn schneebedeckte Berge auch wunderschön sind.
    Ganz liebe Grüße, Simone

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