Heidi, Heidi, Deine Welt sind die Berge – was der Heidi-Mythos am Schneeberg hält

Als Mensch, der zwar durchaus oft und regelmäßig in der Kletterhalle unterwegs ist, habe ich es irgendwie geschafft, noch nie einen echten Gipfel zu stürmen. Als Kind habe ich mich vor Wanderungen jeglicher Art gedrückt. Wanderferien – das klang für mich wie ein Strafurlaub. Ich glaube ich kann sagen, ich habe es gehasst. Doch an diesem Juli-Wochenende sollte es endlich soweit sein – meine erste Gifpelwanderung stand an (und das sogar aus freiwilligen Stücken).

Natürlich war der Wettergott nicht mit mir und so war die Vorhersage nass, windig und kalt. Perfekt also für eine Gipfel-Entjungferung. Nachdem ich es geschafft hatte, möglichst bergtaugliche Kleidung von sämtlichen Familienmitgliedern herbeizuschaffen und mich nach reiflicher Überlegung zu einer zusätzlichen dritten Schicht unter der Regenjacke entschieden hatte, ging es im Michelin-Männchen-Look auch schon los in Fahrtrichtung Schneeberg. Selbstverständlich bin ich nicht alleine losgezogen, um den Berg zu bezwingen. Unsere Gruppe war in Summe zu Viert – alles erfahrene Wanderer – und dann war da noch ich. Dass ich wohl oder übel das Schlusslicht bilden würde, war mir von Anfang an klar. Selbstverständlich nagt das ein wenig am Sportego, aber man darf sich einfach nicht entmutigen lassen (Rom wurde ja auch nicht an einem Tag erbaut)

Der Berggipfel-icon
Schneeberg
2076 Meter
Niederösterreich, Puchberg am Schneeberg
Die TourWanderschuh Icon.jpg
Aufstieg ca. 3 h, insgesamt ca. 6 h
mittelschwere Wanderung
ca. 1180 Höhenmeter
ca. 11 km

Nur keine Müdigkeit vorschützen!

Nun denn, ich war bereit für den Gipfel. Mit 2076m ist der Schneeberg der höchste Berg Niederösterreichs. Startpunkt der Tour ist der Ortsteil Losenheim in Puchberg am Schneeberg (745m) (Tourbeschreibung findet ihr hier). Das erste Stück ist eine ganz gemütliche Wanderung hinauf zur Edelweißhütte (1250m) – wie sich noch herausstellte war es die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Verglichen mit dem, was später folgte, war diese erste Etappe wahrlich ein Spaziergang – für alle, außer mich. Denn immer, wenn ich mich an ausdauernde sportliche Aktivitäten heranwage, ist das Seitenstechen mein treuer Begleiter (als würde mir eine höhere Macht sagen wollen: „Mädel, Ausdauersport ist nichts für dich!“.) Nach einer 3/4 Stunde (das Seitenstechen hatte endlich von mir abgelassen) erreichten wir schließlich die Edelweißhütte und legten unseren ersten Riegel-Snack ein (während ich noch genüsslich an meinem Müsliriegel kaute und die Pause genoss, war unser Boxenstopp auch schon wieder vorüber). Gestärkt marschierten wir weiter in Richtung Fadensteig, der laut Wikipedia „für geübte Wanderer mit Steigerfahrung einen lohnenden Weg zum Gipfel darstellt“ (da bin ich aber froh, dass ich die nötige Bergerfahrung und Ausdauer mitbringe, welche hierfür scheinbar benötigt wird 😉 ) Doch weil es keinen Weg mehr zurück gab, sondern nur mehr einen nach vorne, musste auch ich meine Kletterfähigkeiten unter Beweis stellen. Nach einem kurzen Waldstück, das noch ziemlich harmlos ist, beginnt es, immer alpiner zu werden. Spätestens jetzt verwandelt sich die gemütliche Sonntagswanderei in eine Sonntagskletterei. Stein um Stein geht es nach oben, teilweise auch unter Einsatz der Hände (man kann durchaus sagen, das Ganze hatte Hand und Fuß). Besonders heikle Passagen sind zusätzlich mit einem Drahtseil gesichert, welches ich auch gerne in Anspruch genommen habe. Insgesamt überwindet man bis zur Fischerhütte 800 Höhenmeter. Ich muss sagen, mir hat dieser Teil der Tour am besten gefallen, weil man sich wirklich im Fels bewegt. Auch als Anfängerin war der Fadensteig für mich zu schaffen – wenn auch anspruchsvoll. Ich wäre den Weg – vor allem bei diesem Wetter – jedoch niemals ohne erfahrene Begleitung gegangen. 

Vom Winde verweht

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind! Am Fadensteig herrschte nicht nur alpines Flair, sondern auch eine luftige Brise. Man wurde fast schon vom Winde verweht – so stark blies es uns dort oben um die Ohren. Meine langen Haare klatschten mir ständig ins Gesicht und ich musste aufpassen, wohin ich  meine Tritte setzte. Aber so schlecht das Wetter war – die gigantischen Felswände machen den Fadensteig zu einem tollen Wandererlebnis und bieten eine beeindruckende Kulisse. Endlich oben angelangt, führt  abschließend ein recht gemütlicher Wiesen-Wanderweg direkt zur Fischerhütte (Gesamtgehzeit von Losenheim bis zur Fischerhütte ca. 3 Stunden, zum Gipfel noch etwa 10 Min. weiter). Aufgrund des starken Nebels war mir ganz Weiß vor Augen und dank 5 Grad Außentemperatur und Regen schon ziemlich frostig zu Mute. Meine Beine fühlten sich mittlerweile an wie Blei. Nicht ganz das verträumte Heidi-Feeling, welches ich im Kopf hatte (bei diesem nass-kalten Ekelwetter hat sich selbst die treue Seele Heidi mit ihrem Ziegenpeter an ein lauschigeres Plätzchen verzogen. Und wir taten nun selbiges.)

Zu Zwanzigst im Matratzenlager 

Oben auf der Edelweißhütte angelangt, mussten wir unsere erfrorenen Körper erst einmal wärmen – also raus aus den nassen Sachen und her mit dem deftigen Hüttenessen! Da der Hüttenwirt ein guter Bekannter unseres Grüppchens war, musste die Gipfelbesteigung selbstverständlich besiegelt werden. Womit? Natürlich mit reichlich Zirbenschnaps! Dank einer illustren Geburtstagsrunde, die am Nebentisch saß (und wohl nicht nur den Schnaps, sondern bereits sämtliche Hopfengetränke des Hauses auf Herz und Nieren geprüft hatte), fehlte es uns auch nicht an der passenden Schlager-Gitarren-Live-Musik. Irgendwann waren meine Lider jedoch so schwer, dass es Zeit wurde für meine erste Nacht auf dem Berg. In meinem Kopf hat sich im Laufe meines Lebens eine idealisierte Vorstellung wie im Sissi-Film manifestiert. Sissi und ihr Franz auf einer einsamen Berghütte in den Tiroler Alpen inklusive trauter Zweisamkeit und wildromantischer Hüttenatmosphäre. Nun denn – die Realität sieht meist ein wenig anders aus (und ich hörte meine Seifenblase förmlich zerplatzen, als ich die Schlafräume betrat). Mein Plätzchen für die Nacht war eine Matratze im Matratzenlager, welches ich mit etwa 15 anderen Personen teilte. Nach einer Katzenwäsche im Bad schwang ich mich hinauf auf die obere Etage der doppelstöckig angeordneten Schlafplätze (ich wette, einige aus der Stube hatten am Ende des Tages größere Probleme mit dem Erklimmen des Stockbetts als dem Schneeberg-Gipfel). Die Nacht war – zu meinem Erstaunen – sogar ganz gut. Wahrscheinlich ist man einfach so erschöpft, dass man trotz hin und wieder schnarchender Zimmergenossen wie ein Murmeltier schläft. Am nächsten Tag machten wir uns noch auf zum höchsten Punkt des Schneebergs, um – trotz widrigster Wetterverhältnisse – das obligatorische Gipfelfoto zu schießen. Der Weg hinab war dann derselbe wie hinauf (wobei man hier auch eine alternative Route gehen kann). Als ungeübte Wanderin und mit nicht adäquatem Schuhwerk ausgestattet, hatte ich etwas Probleme, beim Abstieg nicht auszurutschen. Meine nächste Investition sind wohl ordentliche Bergschuhe! Bis dahin: Berg heil!

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Gipfelstürmerin

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Felswände am Fadensteig

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Bergpanorama

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Blick ins Tal

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Wo ein Wille, da ein Weg!

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Felswand des Fadensteigs 

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Mystischer Nebel 

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