60 Tonnen Gold und eine Hauptstadt, die keine mehr ist – Willkommen in Yangon.

Mingalaba (Hallo) Yangon! Den Rucksack im Hotel verstaut, schnell frisch gemacht und schon kann mein erster Streifzug durch die Straßen von Yangon beginnen. Ein bisschen sieht es aus, als wären die Briten gerade erst abgezogen. Viele der Gebäude erinnern an die Kolonialzeit, als hier noch die Engländer das Zepter in der Hand hielten.

Ein Spaziergang durch Yangon

Die Häuser machen zwar einen ziemlich heruntergekommen Eindruck (und die Fassaden schreien förmlich nach einer Generalüberholung) nichtsdestotrotz versprüht die Innenstadt von Yangon (oft auch Rangun genannt) ihren ganz eigenen Charme. Anders als in großen europäischen Städten wie Paris, Wien oder Rom, haben die wenigsten asiatischen Großstädte eine sehenswerte Architektur. Nicht so Yangon, wo man sich wahrhaftig in eine vergangene Zeit zurückversetzt fühlt. Die zahlreichen Bauwerke der Briten zählen zu den eindrucksvollsten in ganz Südostasien. Aufgrund der großen Zuwanderungsströme unter der britischen Herrschaft, vor allem aus Indien, finden sich heute auch viele hinduistische und chinesische Tempel sowie Kirchen in der Stadt. Noch sind zahlreiche der geschichtsträchtigen Gebäude erhalten. Allerdings ist die Bausubstanz oft in einem sehr schlechten Zustand, sodass immer mehr Gebäude abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Nur wenige der alten Glanzstücke werden renoviert, meist fehlt das Geld für die notwendige und kostspielige Sanierung. Yangon ist die größte Stadt in Myanmar und war bis 2005 auch Hauptstadt des Landes.

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Ein bunter Mix der verschiedenen Kulturen zeigt sich in den Straßen der Stadt. Auf unserem Stadtspaziergang fällt uns diese wunderschöne Moschee ins Auge. 

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Die prachtvollen Kolonialbauten aus Zeiten britischer Herrschaft versprühen einen unvergleichbaren Charme. 

Die alte Hauptstadt Myanmars

Wer allerdings einen alten und neuen Myanmar-Reiseführer vergleicht, wird sich wundern, denn heute ist die Hauptstadt des Landes Naypyidaw. Die Idee zu der neuen Stadt hatte der damals regierende General Than Shwe nach einem Besuch bei seinem Astrologen, der ihm zu einer Verlegung der Hauptstadt ins Landesinnere riet. Denn Yangon, das am Meer liegt, wäre leichter einzunehmen. Folglich wurde dieser skurrile Ort aus dem Boden gestampft. Gigantische Einkaufszentren, Luxushotels und zwölfspurige Autobahnen – Naypyidaw ist eine größenwahnsinnige Planstadt, die alles hat, worauf die Menschen in Myanmar nicht gewartet haben. Und deshalb fehlt ihr auch eine ganz essenzielle Sache: ihre Bewohner. Achtmal so groß wie Berlin hat die Stadt nur etwa 900.000 Einwohner. Und weil niemand in dieser inszenierten Tristesse leben will, ist und bleibt Yangon noch immer die eigentliche Hauptstadt (immerhin fühlt man sich hier nicht wie der Pinguin am Nordpol – einsam und fehl am Platz). Denn in Yangon tummeln sich im Gegensatz zu Naypyidaw sechs Millionen Menschen und auch unsere Reiseleiterin hat für die neue Hauptstadt nur ein müdes Lächeln übrig. In den Köpfen der Burmesen ist und bleibt Yangon die Hauptstadt (und eine gemütliche Runde Golf am Golfplatz von Naypyidaw verliert angesichts des geringen Einkommens im Land verständlicherweise auch an Reiz).

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Der Obelisk inmitten des Mahabandoola Gardens symbolisiert die nationale Unabhängigkeit des Landes.

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Eines der aufwendig restaurierten historischen Denkmäler: der ehemalige oberste Gerichtshof in Yangon.

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Auf unserem Weg durch die Straßen Yangons passieren wir auch die größte christliche Kirche der Stadt. 

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Das alte Telegraph Office versetzt seinen Betrachter in eine andere Zeitzone. 

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Yangons Shwedagon Pagode – im Rausch des Goldes 

Ich hatte zwar mit viel Gold gerechnet – sehr viel, um genau zu sein. Doch als ich die Rolltreppen nach oben fahre und zum ersten Mal vor der Shwedagon Pagode (dem heiligsten Sakralbau des Landes und einem der wichtigsten Bauwerke des Buddhismus) stehe, bin ich wirklich überwältigt. In meinem ganzen Leben habe ich so etwas noch nie gesehen (und ich denke etwas Vergleichbares werde ich auch nie mehr zu Gesicht bekommen). Um genau zu sein, fühle ich mich erschlagen. Erschlagen von Unmengen an Gold (und Massen an Menschen), zahlreichen prunkvollen Nebengebäuden und dem Trubel, der dort an diesem Frühabend im April herrscht. Ich stehe im Eingangsbereich, starre auf dieses gigantische Bauwerk und fühle mich, als würde Goliath höchstpersönlich vor mir stehen. Die Stupa (der riesige glockenförmige Turm) thront mit mehr als 100 Metern über mir. Und hier ist zur Abwechslung mal alles Gold, was glänzt! Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Stupa mit Gold und Edelsteinen reich verziert. Die Goldplatten wiegen insgesamt unfassbare 60 Tonnen, die Spitze ist mit 4531 Diamanten verziert, der Größte davon hat unglaubliche 76 Karat (bei so viel Bling-Bling erblasst selbst der härteste Gangsta-Rapper vor Neid). Der gesamte Sakralbau steht auf einer 60000m² großen Plattform aus wertvollen Marmorplatten, umgeben von zahlreichen Tempeln, Andachtshallen, Pavillons und Altären. „Weniger ist mehr“ war wohl nicht das Motto. 

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Zwischen all den Gebäuden sticht eine Nachbildung des Maha Bodhi Tempels in Indien hervor.  

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Bei meinem Rundgang durch die Anlage mit ihren zahllosen Schreinen und Tempeln verschlägt es mir die Sprache, ich bin einfach überwältigt von den Eindrücken.

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Die Tradition der „Birthday Corners“

Traditionell erkundet man die Pagode im Uhrzeigersinn. Schon nach kurzer Zeit fallen mir die „birthday corners“ ins Auge. Die Gläubigen huldigen dort jenen Buddha, der dem Wochentag ihrer Geburt entspricht. Als Opfergabe wird die Buddha-Figur mit Wasser übergossen (Wer sich also gutes Karma sichern will, sollte vor dem Besuch seinen Geburts-Tag ausfindig machen. Kann ja schließlich nicht schaden 😉 ). Der Eintritt zur Shwedagon-Pagode kostet 8.000 Kyats (etwa 8 $). Nach über einer Stunde Rundgang durch die Shwedagon-Pagode bin ich dann auch ziemlich erschöpft vom Rausch des Goldes. Vor meinem Besuch hat jemand zu mir gesagt: „Die Schwedagon-Pagode sollte man zwei Mal besuchen. Beim ersten Mal ist man geplättet. Erst beim zweiten Mal hat man den Blick für die Details.“ Jetzt wird mir klar, was damit gemeint war. Und wer weiß, vielleicht kehre ich ja wieder einmal an diesen einzigartigen Ort zurück. 

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Dem Rauch der Räucherstäbchen wird im Buddhismus eine reinigende Wirkung zugesprochen. Sie sind fester Bestandteil religiöser Zeremonien. 

Das Übergießen des Buddhas mit Wasser soll den Gläubigen Glück bringen.

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Die Abendsonne taucht die Tempel in ein rot-oranges Lichtermeer, ein magischer Anblick.

6 Gedanken zu „60 Tonnen Gold und eine Hauptstadt, die keine mehr ist – Willkommen in Yangon.

  1. Colle

    Ah super – wir planen im Dezember zu fliegen und ich freu mich schon so sehr drauf. Darf ich fragen, ob die Visums-Geschichte einfach von statten ging? Wir heiraten vorher und ich bekomme einen neuen Pass und weiß daher nicht, ob die Zeit zwischen Heirat und Reisebeginn ausreicht, um ein Visum zu bekommen. Liebe Grüße Colle

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    1. wherethejourneystarts

      Hey 🙂 Entschuldige die verspätete Antwort ich war gerade wieder in Urlaub 😉 Hm ich habe ein normales Visum hier in Wien bei der Botschaft beantragt, da ich über den Landweg (über Thailand) eingereist bin und dann ein E-Visum nicht möglich ist. Das ging aber auch innerhalb weniger Tage. Normalerweise, wenn man mit dem Flugzeug einreist, kann man ein E-Visum beantragen, das geht online und ich nehm an wahrscheinlich sogar noch schneller 🙂 Hilft dir das weiter? 🙂 Schon jetzt eine wunderbare Hochzeit wünsch ich dir 🙂 Alles Liebe, Simone

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