Zwischen verwitterten Tempelruinen und italienischer Pasta – mit dem Tuk Tuk nach Inthein

Tag 2 meines Inle-Lake Aufenthalts und diesmal sollte es ins idyllische Städtchen Inthein gehen. Normalerweise ist dieser Ort Fixpunkt jeder Bootstour auf dem Inle-Lake. Da der See zum Zeitpunkt unseres Besuchs jedoch einen sehr niedrigen Wasserstand hatte und die Anreise per Boot deshalb nicht möglich war, musste eine Alternative aufgetrieben werden. Schließlich haben wir uns ein Tuk Tuk organisiert (eine Stunde holprige Fahrt über burmesische Feldwege, vorbei an Reisfeldern und Wasserbüffeln, war jedenfalls ein Erlebnis – wenn auch nichts für Menschen mit Bandscheibenproblemen).

Wo ein Wille, da ein Weg!

Was ich so vorab gelesen habe, dürfte der kleine Ort Inthein normalerweise sehr gut besucht sein. Wir hatten wohl Glück im Unglück, denn an diesem Tag versprühte das Städtchen vielmehr das Flair einer verlassenen Geisterstadt aus einem alten Wild-West-Film als das einer Touristenhochburg. Lydie, Michèle (die beiden Mädchen aus meiner Gadventures Reisegruppe) und ich konnten somit die Schönheit der Tempelruinen in Ruhe genießen – ohne von Touristenmassen zertrampelt zu werden. Unser Fahrer setzte uns praktischerweise gleich in der Nähe der historischen Anlage ab. Beim Treppenaufgang zu den Tempelruinen wird man sogleich zur Kasse gebeten. Um Schnappschüsse machen zu dürfen, wird eine Foto-Gebühr verlangt (Im Leben wird dir eben nichts geschenkt). Da wir uns nicht sicher waren, ob es sich um eine Touristenabzocke handelt (irgendwie hat der aufdringliche Herr nicht gerade vor Seriosität gestrotzt), haben wir nicht gezahlt. Einfach sagen, man macht keine Fotos, lächeln und weitergehen (im Nachhinein habe ich im Internet gelesen, dass es scheinbar tatsächlich eine Gebühr gibt, wobei ich es nicht wirklich einsehe, Geld für Fotos zu bezahlen). Nach wenigen Metern erreicht man schon die ersten verfallenen Ruinen von Nyaung Oak.

Reise in die Vergangenheit – Spaziergang durch Nyaung Oak und She Inn Thein Paya

An den zahlreichen Stupas von Nyaung Oak (eine Stupa ist ein buddhistisches Bauwerk, das Buddha selbst und seine Lehre symbolisiert. Dem frühen Buddhismus zufolge sollen darin Reliquien des Buddha aufbewahrt sein. Manche Stupas werden auch als Denkmäler errichtet.) sind die Spuren der Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Aber gerade das macht den Charme der Bauwerke von Nyaung Oak aus. Die Verschmelzung von Natur, die Schritt für Schritt wieder verlorenen Boden gutmacht, und alter buddhistischer Kultur macht den Ort zu einem mystischen Erlebnis. Über Baumwurzeln und Mauerziegeln hinweg (mit ausgelatschten Bade-Flip-Flops eine echte Zitterpartie) erkundet man eine faszinierende Welt aus vergangenen Tagen, der Hauch buddhistischer Tradition weht förmlich durch die alten Gemäuer. Besonders schön sind die vielen Detailarbeiten im Stein wie Elefantenfiguren, Wächterlöwen (sogenannte „Chinthe“), Pfaue und Götterwesen (im Buddhismus „Devas“ genannt). Nach jeder Menge Fotos ging es weiter die Stiegen hinauf und vorbei an zahlreichen Souvenirständen. Neben den vielen hölzernen Buddha- und Mönchsfiguren hat ein besonders bizarres Stück sofort unsere Aufmerksamkeit erregt – eine Krone aus Büffelzähnen! (Ich musste dieses skurrile Ding einfach aufsetzen, auch wenn ich es recht eklig fand und die Verkäuferin nicht so ganz „amused“ schien. Die Krone hat zwar ziemlich herrschaftlich ausgesehen, da ich zu Hause aber weder über den dazu passenden Thron noch das nötige Schlösschen verfüge, hat sie es nicht in meine Souvenirsammlung geschafft und musste zurückbleiben).

Schließlich gelangten wir zum She Inn Thein Paya, ein Komplex aus 1054 verwitterten Stupas aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Auch hier hat der Zahn der Zeit an der Bausubstanz genagt. Bis auf wenige restaurierte goldene Exemplare rund um die kleine Tempelhalle sind die meisten Stupas noch in ihrem Originalzustand. Nach einem schweißtreibenden Aufstieg auf den nahe gelegenen Hügel, um noch schnell ein Foto von oben zu schießen (inklusive Beinahe-Sturz aufgrund bereits erwähnter Flip-Flop-Problematik und meinem unpraktischen Blümchenschal, der stets als züchtiger Rock herhalten musste), ging es auch schon wieder zurück in den Ort. Wobei – nicht ganz! Vor dem Rückweg mussten noch zahlreiche Fotos mit den ankommenden asiatischen Touristen geknipst werden (am Ende meiner Reise durch Myanmar habe ich locker 60 Fotos mit allen möglichen Asiaten geschossen – einerseits fühlt man sich wie ein VIP und macht es gerne, zu anderen Zeiten versteckt man sich wieder hinter dem Tempel, um kurz ungestört rasten zu können. So ein Leben als Attraktion ist schon hart 🙂 )

Ein kleines Stück Italien mitten in Burma

Zurück im Dorfzentrum haben wir (dem knurrenden Magen sei Dank) kurzen Prozess gemacht und sind gleich in eines der ersten Restaurants eingekehrt, das am Weg zum Taxi lag. Mit „original hausgemachter Pasta“ wurde dort geworben. Nagut, so richtig ernst haben wir das nicht genommen. Da sitzt man irgendwo in einem winzigen Ort in Myanmar, hat prinzipiell keine allzu hohen Erwartungen an das georderte Essen und was bekommt man schließlich serviert? Ganz klar: Hausgemachte Kartoffelgnocci und Pizza aus dem Steinofen, dazu frischgepressten Fruchtsaft als würde man soeben in einer Trattoria in Neapel sitzen – ein klarer Fall von „unverhofft kommt oft“. Gefühlte 1000 Mal hat uns die Lokalbesitzerin und Köchin zudem gefragt, ob es uns schmeckt. Das hat es auf jeden Fall. Und zwar so gut, dass ich vor lauter Begeisterung und Hunger ganz vergessen habe, ein Foto für euch zu machen. Nachdem wir uns den Bauch vollgeschlagen hatten, waren wir wieder bereit für die ruckelige Heimfahrt in unserem Tuk Tuk, zurück über Stock und Stein und vorbei am traditionellen Landleben Myanmars. Inthein – es war uns eine Volksfest!

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Bootsanlegestelle in Inthein

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Die Büffelkrone wird wohl nicht das It-Piece des Sommers 😦

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