Die schwimmende Welt der Intha – eine Bootstour über den Inle-Lake

Als ich meine Hand vom Boot aus ins Wasser halte, erinnert mich die grün-braune Farbe sofort an den See in meinem Heimatort. Die Sonne prallt erbarmungslos auf uns herab, als wir an diesem Tag in unserem Boot über den Inle-Lake preschen. Die orangefarbenen Sonnenschirme an Bord schaffen zumindest ein wenig Abhilfe gegen die hartnäckigen Sonnenstrahlen (ein lustiger Anblick ist es obendrein).

Ankunft am Inle-Lake

Und dieser Süßwassersee im Shan-Staat Myanmars hat bei genauerer Betrachtung wirklich einiges mit meinem Heimatsee gemein. Wie der Neusiedler See im östlichen Österreich ist auch der Inle-Lake einer der größten Seen seines Landes (der zweitgrößte See in Myanmar um genau zu sein). Stille Wasser (oder in diesem Fall Gewässer) sind zwar sprichwörtlich tief, doch dies trifft weder auf den  Inle-Lake (mit seiner maximalen Tiefe von 3,7 Metern) noch auf den Neusiedler See (mit gerade einmal 1,8 Metern) zu. Zugegeben, mit dem Farbschauspiel entlegender Bergseen kann der Inle-Lake in Myanmar nicht mithalten. Und doch hat er eine Besonderheit, die ihn zu einer der Hauptattraktionen des Landes macht.

Gewohnt habe ich übrigens im kleinen Ort Nyaung Shwe, im Paradise Hotel , das wirklich sehr schön ist und mit europäischen Standards locker mithält. Das Hotel liegt ca. 20 Gehminuten von der Anlegestelle der Boote entfernt und kann von mir uneingeschränkt weiterempfohlen werden. Ein Tagestrip mit dem Boot kostet zwischen 18.000 und 20.000 Kyat.

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Einbeinruderer
Floaing Gardens
Handwerksbetriebe
Nag The Kyaung Kloster
Essen Icon.jpgSchmackhaft

 

Inle Heritage Restaurant

Dorfalltag auf dem See

Es ist früh am Morgen und doch herrscht auf dem Inle-Lake schon reger Verkehr und der Lärm der Boote ist nicht zu überhören. Denn der See ist kein normaler See, er ist vielmehr die Heimat von 70.000 Intha, einer tibetobirmanischen Ethnie, die in den vier Städten am Ufer des Sees, in vielen kleinen Dörfern entlang der Ufern und sogar auf dem See selbst leben (Richtig gelesen! Zahlreiche Menschen wohnen in den Dörfern inmitten des Sees – die burmesische Antwort auf Venedig sozusagen). In einfachen Pfahlbauten aus Holz und gewobenem Bambus leben die Fischer und Bauern mit ihren Familien, insgesamt gibt es 19 solcher Dörfer. Für mich ist es kaum vorstellbar, dass man sein ganzes Leben auf der Wasseroberfläche eines Sees verbringt.

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Ein Leben auf dem Wasser – traditionelle Pfahlhäuser am Inle-Lake

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Per Boot passieren wir die Wasserstraßen der Intha-Dörfer.

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Vom Boot aus beobachten wir den Dorfalltag inmitten des Sees, aufregend und fremd zugleich.

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Schließlich kommen wir auch an der Bibliothek des Dorfes vorbei.

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Eine Fahrt durch die schwimmenden Gärten

Doch nicht nur die Dörfer am See sind eine außergewöhnliche Attraktion, auch die Felder der Bewohner schwimmen im wahrsten Sinne des Wortes „gegen den Strom“. Denn Gemüse, Obst und Blumen werden hier auf dem offenen Wasser in Form von schwimmenden Gärten kultiviert. Damit Tomate und Co. keine Schwimmhäute bekommen, haben die Bauern ein ausgeklügeltes System aus schwimmenden Vegetationsmatten entwickelt. Die Basis der Gemüse- und Obstgärten ist eine Masse aus Sumpf, Erde und Wasserhyazinthen, die mittels Bambuspfählen am Seeboden fixiert sind. Es dauert Jahrzehnte, bis die sich so bildende Hummusschicht zum Ackerbau verwendet werden kann. Tomaten, Gurken, Auberginen, Bohnen, Blumen und Salat gedeihen schließlich umgeben von Hektolitern Seewasser – ziemlich verrückt, aber man kann auf dem so geschaffenen fruchtbaren Boden sogar gehen! (Ich habe mich trotzdem nicht getraut, es auszuprobieren, um nicht unfreiwillig Baden zu gehen) Während wir über den See fahren, sehen wir überall Einheimische, die Seegras auf ihre Boote hiefen, welches ebenso zum Bau der Gärten benötigt wird.

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Mit dem Boot passieren wir die berühmten schwimmenden Gärten.

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Auf schwimmenden Vegetationsmatten wird hier Gemüse kultiviert.

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Ein Nachschub an Seegras wird zu den Gärten gefahren.

Vom Fischen mit Bambuskörben und Einbeinruderern

Und die Fischer? Sie sind die eigentlichen Stars am See und mittlerweile ein äußerst beliebtes Fotomotiv. Denn anders als bei uns kommen die Fischer des Inle-Lakes gänzlich ohne Angelschnur und Haken aus. Was auf dem Boot aber nicht fehlen darf, ist ein zwei bis drei Meter langer Bambuskorb, den die Fischer auf den Grund des Sees stellen, sobald auf der windstillen Wasseroberfläche Luftbläschen oder Unterwasserbewegungen zu sehen sind. Mit einem langen Stock werden die Fische anschließend aufgeschreckt und ein über einzelne Metallringe gespanntes Netz (welches der Fischer mit der anderen Hand an einer Schnur hält und das innerhalb des Bambuskorbes befestigt ist) wird fallen gelassen. Und schon ist das schuppige Abendessen gesichert.

Doch nicht nur die Methode des Fischfangs, sondern auch die Fortbewegung zu Wasser ist sehenswert. Wer stramme Waden an Männerbeinen schätzt, ist beim Volk der Intha an der richtigen Adresse. Denn die Fischer rudern nicht mit den Armen, sondern mit einem Bein. Während sie am Heck ihres schmalen und langen Bootes stehen, bewegen sie dieses mit der traditionellen Rudertechnik, bei der das Ruder mit dem Bein eingeklemmt wird, vorwärts. Man nennt sie deshalb auch „Einbeinruderer“. Logische Konsequenz: die Hände bleiben frei und der Fischer hat mehr Bewegungsfreiheit.

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Am Inle-Lake wird stets mit einem Bein gerudert.

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In mühsamer Handarbeit wird Seegras auf die Boote verladen.

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Die Fischer posieren mit ihren Bambusfangkörben für die vorbeifahrenden Touristen.

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Mit dem lustigen orangefarbenen Sonnenschirm geht es über den See, er bietet zumindest ein wenig Schutz vor der prallen Sonne.

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Wir gönnen uns eine schmackhafte Stärkung im Inle Heritage Restaurant.

Ein Schal aus einem der teuersten Stoffe der Welt

Während unserer Fahrt über den See halten wir immer wieder an unterschiedlichen Handwerksbetrieben in den Dörfern. Unser erster Stopp ist eine traditionelle Lotus-Weberei. Durch Brechen des Stängels der Lotuspflanze wird ein hauchdünner Faden gewonnen, der im weiteren Herstellungsprozess zu Lotusseide verarbeitet wird. Lotusseide ist sieben Mal teurer als normale Seide und gehört zu den teuersten Stoffen der Welt. Ein kleines Halstuch kostet in Myanmar etwa 100 Dollar (Die Weberinnen verdienen im Vergleich dazu etwa 1 Dollar am Tag). Für einen Meter Stoff werden 10.000 Stängel und eine Woche Zeit benötigt, etwa 500 Seidenweberinnen arbeiten mittlerweile am Inle-See (Ich habe mich selbst im Brechen des Stängels versucht und bin kläglich gescheitert – Übung macht dann doch den Meister). Im Anschluss haben wir noch einen Betrieb besucht, in dem die traditionellen Boote der Inthas gebaut werden. Am Inle-Lake gibt es zudem eine Zigarren-Manufaktur sowie Silberschmieden.

Mir hat der Ausflug am Inle-Lake ziemlich gut gefallen. Es gibt auf dem See auch noch ein paar Kloster, die man besichtigen kann. Nicht auslassen sollte man jedenfalls  einen Bootsstopp im Städtchen Inthein mit seinen verwitterten Pagoden, das mein persönliches Highlight war. Aber mehr dazu in diesem Beitrag.

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Eine der Weberinnen zeigt uns, wie der Faden aus der Lotuspflanze gewonnen wird.

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Wir dürfen den Weberinnen bei der Herstellung des Stoffes über die Schulter blicken.

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