INSELWELT THAILAND: KOH ROK UND KOH PHI PHI

Welche Erwartungen hat man, wenn man 17 Stunden Flug nach Thailand auf sich nimmt? In Punkto Strand waren meine jedenfalls hoch: perfekter weißer Sand, türkises Meer wie auf den Malediven (die aber das Reisebudget gesprengt hätten) und möglichst wenig andere Menschen, mit denen ich dieses Glück teilen muss. Nichts leichter als das, oder?

Die berühmte Maya Bay auf Koh Phi Phi Leh

Meine Füße hinterlassen weiche Abdrücke in dem beinahe weißen und feinen Sand. Die 200 Meter hohen Kalksteinfelsen und schroffen Klippen schützen die kleine Bucht namens Maya Bay, die wie aus einem Bilderbuch entsprungen scheint. Mein Blick schweift auf das türkise Wasser, dessen Farbe jährlich tausende Besucher in seinen Bann zieht. Koh Phi Phi besteht genau genommen aus zwei Inseln, einer nördlichen und einer südlichen. Die südliche zerklüftete Insel Koh Phi Phi Leh ist ein Nationalpark und kann daher nur im Rahmen eines Tagesausfluges besucht werden. Campen ist mittlerweile nicht mehr erlaubt, man kann aber auf einem Boot in der Bucht übernachten (ein Beispiel für solch eine Tour findet ihr hier)

Doch warum ist die Maya Bay am Westufer von Phi Phi Leh so berühmt? Die majestätische Bucht war im Jahr 1999 Drehort des Hollywoodfilms „The Beach“, einer Verfilmung des Romans „Der Strand“ von Alex Garland, mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle. Seither sehnen sich Touristen aus aller Welt nach demselben Gefühl des mysteriösen Inselparadieses, auf dem man abgeschieden vom Rest der Welt ein unvergessliches Abenteuer erlebt. Es ist das Streben nach einer Entdeckungsreise durch die unbewohnte, wilde und doch so paradiesische Natur, welches die Menschen nach Phi Phi lockt.

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Rush Hour auf der Maya Bay 

Die Tourismusindustrie hat das Potenzial der Traumbucht längst erkannt und leider auch genutzt. Die Landschaft ist noch immer atemberaubend, doch wer ein schönes Foto haben möchte, muss erst einmal eine freie Lücke zwischen den lärmenden Speedbooten erhaschen und sich rasant in Pose werfen. Denn schneller als gedacht, wird man von der nächsten Dame verdrängt, die sich im sexy Bikini am Strand räkeln möchte oder verträumt durchs Wasser schreitet, während sie dem fleißig knipsenden Freund einen lüsternen Blick zuwirft (Die Schlafzimmerwand braucht schließlich neues Bildmaterial und die Facebook-Community einen weiteren Grund, sich im kalten Winterwetter schlecht zu fühlen.)

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Trotz Massentourismus, der mir beinahe die Stimmung verdorben hätte, ist die Landschaft wirklich umwerfend. 

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Auf das Inselparadies gelangt man entweder mit dem traditionellen Longtailboot oder dem rasanten Speedboot – Trips können von den zahlreichen angrenzenden Inseln aus gebucht werden.

Party bis tief in die Nacht auf Koh Phi Phi Don

Auch die Hauptinsel, Koh Phi Phi Don, deren beide Strände (Ton Sai Bay und der Partystrand Loh Dalam Bayin der Inselmitte sichelförmig verlaufen, war bis zur Tsunami-Katastrophe im Jahr 2004 ein ruhiges Fleckchen Erde. Nach der Zerstörung wurden noch mehr Resorts gebaut, sodass die Insel heute vor lauter Tauchschulen, Souvenirshops, Restaurants und Bars überzuquellen scheint. Am zentralen Pier an der Ton Sai Bay legen täglich mehrmals Ausflugsboote von Krabi und Phuket an und entladen Touristen, die sich oft nur für wenige Stunden an den Stränden breit machen, Souvenirs kaufen und Müll zurücklassen.

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Auch auf dem berühmten Aussichtspunkt tummeln sich Touristen. Etwa eine Stunde benötigt man vom Pier, um den Blick auf die Insel genießen zu können. 

Ruhigere Strände finden sich vor allem bei den Hotels der gehobeneren Kategorien (z.B. Loh Bagao Bay, Laem Tong Beach, Long Beach oder Rantee Bay)Wer am Hauptstrand Loh Dalam Bay nächtigt, sollte jedenfalls partyhungrig sein, denn Koh Phi Phi Don wird stets von jungen Backpackern aus aller Welt angepeiltAm Strand nüchtern die Alkoholleichen der letzten Nacht ihren Rausch aus. Wer Nähe jeglicher Art sucht, wird sie in Phi Phi finden. Entweder in Form einer netten britischen Bekanntschaft für die Nacht, deren Vornamen man am nächsten Tag schon wieder vergessen hat, oder beim Sonnen am öffentlichen Strand, wo man sein Handtuch aus Platzmangel zwangsweise in die Komfortzone des Nachbarn schieben muss (und dann womöglich die nette Britin vom Vortag wiedererkennt).

Koh Phi Phi ist also ein Paradies, das geteilt werden will. Ein bisschen vergleichbar mit den vorderen Reihen am ersten heißen Wochenende im Bundesbad Wien. 

Ausflug auf die Trauminsel Koh Rok

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Kaum Menschen und ein Strandparadies, wie ich es nicht besser zeichnen könnte, finden wir auf Koh Rok. 

Trotz der Enttäuschung auf Koh Phi Phi möchte ich die Hoffnung auf ein verträumtes Inselparadies nicht aufgeben und buche einen Ausflug nach Koh Rok. Die kleine Insel gehört zum Mu Ko Lanta National Park, daher gibt es auf ihr auch keine Übernachtungsmöglichkeiten. Per Boot erreichen wir das Inselparadies und bitten unseren Fahrer, uns noch vor der geplanten Schnorcheltour auf der Insel abzusetzen, sodass wir die Schönheit der Natur am frühen Morgen ganz in Ruhe genießen können. Endlich erlebe ich mein „The Beach“-Feeling, welches ich auf Phi Phi schmerzlich vermissen musste. Koh Rok ist die schönste Insel, die ich während meiner Thailandreise gesehen habe. Zwar kommen auch hier ein paar Ausflugsboote an, aber der Andrang ist bei weitem nicht vergleichbar mit dem Trubel an der Maya Bay. 

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Ein Meer, das in hunderten Türkis-Nuancen schimmert, lädt zum Baden und Schnorcheln ein.

Schließlich packt mich die Neugierde und ich schnappe mir meine Schnorchel-Ausrüstung, um die Unterwasserwelt der Insel zu entdecken. Schwärme an riesigen bunten Fischen begleiten mich durchs Wasser, ich schwimme über mächtige Korallenriffe hinweg und fühle mich in eine andere Welt versetzt, wie ein Beobachter eines bunten Treibens, das so faszinierend ist, dass ich kaum Worte hierfür finde. Koh Rok ist jedenfalls ein Schnorchel-Paradies. Ich habe zwar keinen Vergleich, da ich zuvor noch nie schnorcheln war, aber die bunten Fischschwärme zu bestaunen, war mehr als atemberaubend. Sogar „Nemo“ konnte ich an diesem Tag sehen. Leider habe ich keine Unterwasser-Kamera, aber auf Fotos kann man dieses Gefühl sowieso nicht gut vermitteln. Am Ende des Tages fahre ich glücklich nach Koh Lanta zurück. DiCaprio hat sich leider nicht mehr blicken lassen, der musste scheinbar seinen Rausch von der letzten harten Party auf Koh Phi Phi ausschlafen.

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Nur wenige Besucher erkunden täglich die kleine Insel. 

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